"Ekstatisches Polieren von Gartenzwergen" Sinnlose Gesetze?: Mathematiker verteidigt Fairr-Riester

Nachgerechnet: Das Langlebigkeitsrisiko müsste gar nicht abgesichert werden, meint Mathematiker Philipp Schade. Allerdings schreiben die Gesetze etwas anderes vor. Foto: Jörg Trampert/Pixelio.de

Nachgerechnet: Das Langlebigkeitsrisiko müsste gar nicht abgesichert werden, meint Mathematiker Philipp Schade. Allerdings schreiben die Gesetze etwas anderes vor. Foto: Jörg Trampert/Pixelio.de

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„Heidschnecken im Fairriester-Dickicht“, unter diesem extrem aussagekräftigen Titel verteidigt Philipp Schade, Diplom-Mathematiker, Universitätsprofessor, Aktuar - und erklärter Fan von Fairr-Riester - das vieldiskutierte Renten-Produkt. Der beim Versicherungsboten publizierte Text steht der Überschrift in punkto Polemik in nichts nach. Wer Fairr-Riester als abenteuerlich bezeichne, habe eine „bedrückend langweilige Vorstellung von Abenteuer, die sich auf „ekstatisches Polieren von Gartenzwergen“ beschränke, schreibt Schade und unterstellt den Fairr-Kritikern „eine gewisse sachlich-fachliche Desorientierung“.

Dann wird Schade konkret. Wie es sich für einen Mathematiker gehört, stellt er eine Rechnung auf. Diese soll zeigen, dass sich eine Absicherung des Langlebigkeitsrisikos für den Kunden nicht rechnet. Die derzeit gültigen DAV-2004R-Sterbetafeln der Deutschen Aktuar-Vereinigung, auf die sich die Fairr-Kritiker beziehen, würden die Sterblichkeit stark unterschätzen, so Schade. 

Lebenserwartung geht zurück

Außerdem gehen Fairr-Kritiker von einer steigenden allgemeinen Lebenserwartung aus, was laut Schade nicht der Fall sein wird. „Zum einen gibt es in der Natur keine lineraren Zusammenhänge, zum anderen ermöglicht der medizinische Fortschritt zwar irgendwann die Heilung einiger heute noch nicht gut therapierbarer Krankheiten wie zum Beispiel Krebs, was aber die endliche Teilbarkeit der Zelle letztlich nicht tangiert“, argumentiert der Mathematiker. Außerdem steigen die Behandlungskosten. Irgendwann werden sie für einige Bevölkerungsschichten unerschwinglich, was „eher nicht lebensverlängernd wirkt“.

„Zusammenfassend darf daher ernsthaft mit einer Trendwende in der Langlebigkeitsentwicklung gerechnet werden, so dass die sinnfrei fortgesetzte Annahme ewig steigender Höchstlebensalter und damit die Argumentation der hier beteiligten Kritiker stark in Frage gestellt werden muss“, folgert Schade. Sein Vorschlag daher: Moderne Rentenversicherungsprodukte, die zunächst einen Auszahlungsplan bis zu einem vorher festgelegten Endalter anbieten. Sofern der Versicherte das Endalter erreicht, wird mit einem entsprechend zu kalkulierendem Restkapital die „Resterlebenswahrscheinlichkeit“ über eine Rentenversicherung abgesichert.