Die Videospielfirma Electronic Arts (EA) wird für 55 Milliarden US-Dollar von einem Investorenkonsortium übernommen und verschwindet von der Börse. Die Käufergruppe besteht aus der Private-Equity-Firma Silver Lake, dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF und Affinity Partners, der Investmentgesellschaft von Jared Kushner. Der Deal markiert die größte fremdfinanzierte Übernahme aller Zeiten.
Die Investoren bieten 210 Dollar je Aktie, was einem Aufschlag von 25 Prozent auf den Schlusskurs vor Bekanntwerden der ersten Übernahmegerüchte entspricht. Von den 55 Milliarden Dollar Gesamtvolumen werden 36 Milliarden als Eigenkapital eingebracht, die restlichen 20 Milliarden Dollar werden fremdfinanziert. Die bisherige Rekordmarke für einen Leveraged Buy-out lag bei 32 Milliarden Dollar für den texanischen Stromkonzern TXU im Jahr 2007.
Der saudi-arabische Staatsfonds PIF hielt bereits knapp zehn Prozent an Electronic Arts und bringt diese Anteile in die Transaktion ein. Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump und ehemaliger Berater im Weißen Haus während Trumps erster Amtszeit, gründete Affinity Partners 2021 in Florida. Die Firma verwaltet nach eigenen Angaben 5,4 Milliarden Dollar, wobei der saudi-arabische Pensionsfonds zu den Geldgebern gehört.
Videospielbranche unter Druck
Electronic Arts kämpft wie die gesamte Branche mit strukturellen Herausforderungen. Nach dem Corona-Boom sanken die Umsätze, das Unternehmen baute in mehreren Runden Stellen ab. Jüngere Spieler bevorzugen zunehmend kostenlose Plattformen wie „Fortnite“ oder „Roblox“ gegenüber traditionellen Vollpreisspielen für 60 bis 70 Euro.
Gleichzeitig steigen die Entwicklungskosten dramatisch. Ein modernes Blockbuster-Spiel kann mehrere hundert Millionen Dollar verschlingen. Electronic Arts reagierte mit einer Umstellung auf das „Live Service“-Modell, bei dem Spieler kontinuierlich für virtuelle Inhalte zahlen. Bei „EA Sports FC“, dem Nachfolger der Fifa-Reihe, werden beispielsweise Pakete mit zufälligen virtuellen Spielern verkauft – ein System, das in einigen EU-Ländern als Glücksspiel eingestuft wird.
Sportspiele als Kerngeschäft
Die Investoren setzen offenbar auf die starke Position von Electronic Arts im Sportbereich. Laut Marktforscher Circana gehörten vier EA-Sporttitel zu den zehn meistverkauften Spielen des vergangenen Jahres. Das Unternehmen hält Lizenzen für wichtige Sportligen wie die NFL („Madden“), die NHL und verschiedene Fußballligen für „EA Sports FC“.
Der für Oktober 2025 geplante neue und sechste Teil der „Battlefield“-Reihe könnte zusätzliche Impulse liefern. Analysten erwarten zudem Kostensenkungen durch den verstärkten Einsatz künstlicher Intelligenz in der Spieleentwicklung.
Saudi-Arabien baut Gaming-Portfolio aus
Für den saudi-arabischen Staatsfonds ist die Übernahme Teil einer breiteren Strategie. Die 2021 gegründete Savvy Games Group des Fonds hatte bereits in diesem Jahr Niantic, die Entwicklerfirma hinter „Pokémon Go“, für 3,5 Milliarden Dollar übernommen. Die Investitionen sind Teil der „Vision 2030“, mit der Saudi-Arabien seine Wirtschaft diversifizieren und neue Industriezweige aufbauen will.
Gaming-Konsolidierung schreitet voran
Die Transaktion reiht sich in eine Serie großer Übernahmen in der Gaming-Branche ein. Microsoft hatte 2023 Activision Blizzard für 69 Milliarden Dollar gekauft. Mit dem Verschwinden von Electronic Arts von der Börse bleiben nur noch wenige große unabhängige Publisher wie Take-Two Interactive oder das angeschlagene französische Ubisoft.
Electronic-Arts-Chef Andrew Wilson soll sein Amt behalten. Was die Übernahme für die rund 13.000 Mitarbeiter bedeutet, blieb zunächst offen. Electronic Arts hat in der Vergangenheit regelmäßig übernommene Studios geschlossen, darunter bekannte Entwickler wie Westwood („Command & Conquer“) oder Bullfrog („Theme Park“).
Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der Aktionäre und Aufsichtsbehörden. Der Vollzug wird für das zweite Quartal 2026 erwartet. Bis dahin bleibt Electronic Arts an der Börse notiert. Die Aktie stieg nach Bekanntgabe auf 202 Dollar und erreichte damit einen neuen Rekordstand.

