Das Berliner Insurtech Element Insurance steht vor dem endgültigen Aus. Der vorläufige Insolvenzverwalter Friedemann Schade bestätigte gegenüber der „FAZ“, dass eine Abwendung der Insolvenz nicht mehr möglich sei. Details nannte er nicht. Die offizielle Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch das Amtsgericht Berlin Charlottenburg wird Anfang März erwartet. Ein Sprecher bestätigte mittlerweile den entsprechenden Bericht.

Keine Auffanglösung gelungen

Insolvenzfälle sind in der Versicherungsbranche äußerst selten. Offenbar gelang es nicht, in den vergangenen Wochen eine Auffanglösung zu finden. Element hatte im Dezember seinen wichtigsten Rückversicherer verloren. In der Folge hatte die Bafin kurz vor Weihnachten dem Unternehmen das Neugeschäft untersagt und kurze Zeit später für den Versicherer die Insolvenz angemeldet, woraufhin Anfang Januar das vorläufige Verfahren eröffnet wurde.

Bereits jetzt werden keine Schäden mehr reguliert. Diese sollen später im Rahmen des Insolvenzverfahrens aus dem Sicherungsvermögen beglichen werden – mit Vorrang vor anderen Gläubigern. Kunden, die bereits Jahresprämien für 2025 entrichtet haben, müssen entsprechende Rückforderungen im Insolvenzverfahren anmelden.

Jetzt erst recht: Kunden müssen schnell handeln

Für die rund 400.000 Kunden des 2017 gegründeten White-Label-Versicherers spitzt sich die Lage damit wie erwartet zu. Einen Monat nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens – voraussichtlich Anfang April – erlischt der Versicherungsschutz automatisch, ohne dass Element eine separate Kündigung aussprechen muss.

Immer wieder wurde, auch durch die Aufsichtsbehörde Bafin und Verbraucherschützer, darauf hingewiesen, dass viele Versicherte möglicherweise gar nicht wissen, dass Element ihr eigentlicher Risikoträger ist. Das Unternehmen mit Bafin-Lizenz agierte häufig im Hintergrund für andere Versicherungsanbieter, vor allem Assekuradeure, darunter Auto Protect, Asspario, Direkt-AS, Friday, Hepster, Manufaktur Augsburg, Panda oder Schutzgarant. Es geht um ein breites Spektrum von Versicherungspolicen.

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Bisher äußerten sich die Element-Partner kaum zum Umgang mit ihren Kunden und der Frage, ob sie Verträge erfolgreich umdecken konnten. Bisherige Beispiele zeigen, dass dies wohl nur mit hohen Prämienaufschlägen möglich ist, weil Element-Tarife vielfach unterkalkuliert gewesen sein dürften.

Versorgungswerk hat sich mit Element verspekuliert

Besonders hart trifft die Pleite das berufsständische Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin, das nach der letzten Finanzierungsrunde mit über 80 Prozent Haupteigentümer von Element war. Betroffen sollen 10.000 Mitglieder sein, die als Selbstständige nicht verpflichtet sind, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Die finanziellen Konsequenzen für die Altersvorsorge der Berliner Zahnärzte sind laut des Medienberichts zwar derzeit noch nicht absehbar, dennoch dürfte klar sein, dass Rentenkürzungen oder höhere Beiträge drohen.

 

Die „Wirtschaftswoche“ hatte zu Jahresbeginn über außergewöhnliche Investments des Versorgungswerks berichtet. Dazu zählten neben Element und Immobiliengeschäften auch Investments in eine Garnelenzucht und eine Recyclingfirma in Ghana.

Die Einrichtung musste 2023 laut Jahresabschluss Abschreibungen auf seine Finanzanlagen von rund 65 Millionen Euro vornehmen. Infolge der Abschreibungen erzielte das Versorgungswerk mit seinen Investments in dem Jahr nur noch 0,6 Prozent Rendite. Notwendig seinen aber dauerhaft 3 Prozent, um die Renten der Zahnärzte zahlen zu können.