Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hat sich einen aufstrebenden Markt genauer angeschaut: Versicherungsprodukte, die in sogenannte Alternative Investments investieren.
Der Begriff „Alternative Investments“ fasst verschiedene Anlageformen zusammen, die sich von den üblichen Aktien und Anleihen unterscheiden. Konkret geht es um Investitionen in:
Private Equity: Beteiligungen an Unternehmen, die nicht an der Börse gehandelt werden. Spezialisierte Fonds kaufen solche Firmen, entwickeln sie weiter und verkaufen sie nach einigen Jahren idealerweise mit Gewinn wieder. Im weiteren Sinne zählen auch Immobilien- und Infrastrukturinvestments zu Private Equity, werden aber aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften oft als eigenständige Kategorien behandelt. Konkret geht es um Investitionen in:
Immobilien: Investitionen in Gewerbe- und Wohnimmobilien, die laufende Mieteinnahmen und mögliche Wertsteigerungen bringen.
Infrastruktur: Beteiligungen an wichtigen Versorgungseinrichtungen wie Energie- und Wassernetzen, Verkehrswegen oder Glasfasernetzen.
Erneuerbare Energien: Projekte im Bereich Solar- und Windkraft, Wasserkraft oder Bioenergie.
Private Debt: Kredite an Unternehmen, die nicht über klassische Banken oder den Kapitalmarkt laufen.
Alternative Investments haben einige Besonderheiten: Sie sind in der Regel nicht täglich handelbar und das Geld bleibt länger gebunden. Dafür entwickeln sie sich oft unabhängig von den Schwankungen der Aktienmärkte. Das bedeutet: Wenn die Börsen fallen, bleiben diese Anlagen häufig stabiler. Zudem können sie durch regelmäßige Einnahmen – etwa aus Mieten oder Stromverkäufen – für planbare Erträge sorgen.
Rückenwind durch neue Regeln
Lange Zeit waren solche Investments vor allem Großanlegern vorbehalten. Das ändert sich gerade: Seit Oktober 2024 gelten neue europäische Regeln für sogenannte Eltifs (European Long-Term Investment Funds). Diese Langfrist-Investmentfonds wurden zuletzt deutlich anlegerfreundlicher gestaltet.
Die Mindestanlagesummen wurden gesenkt, die Regeln für Rückgaben vereinfacht und die Kosten müssen transparenter dargestellt werden. Frühere Hürden – wie eine Mindestanlage von 10.000 Euro oder die Regel, dass höchstens zehn Prozent des Vermögens in solche Fonds fließen durften – sind weggefallen.
Das Ergebnis: 2024 kamen so viele neue Eltifs auf den Markt wie nie zuvor – insgesamt 55 Fonds.
Deutsche Versicherer als Vorreiter
Deutsche Versicherungsgesellschaften investieren schon seit den 1990er-Jahren in Alternative Investments. Eine aktuelle Untersuchung des Bundesverbands Alternative Investments zeigt: Etwa 37 Prozent der befragten Versicherer bezeichnen sich selbst als Experten auf diesem Gebiet. Rund 87 Prozent investieren in Private Equity, über 93 Prozent in Infrastruktur und 95 Prozent in Immobilien.
Seit einigen Jahren bieten Versicherer diese Anlagemöglichkeiten auch ihren Kunden in Form von fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen an. Den Anfang machte 2017 die Bayerische mit ihrer fondsgebundenen Rentenversicherung „Blue Invest“. Das Besondere: Mindestens 50 Prozent der Beiträge müssen in die beiden hauseigenen Pangaea-Fonds fließen – „Blue Energy“ für erneuerbare Energien und „Blue Living“ für nachhaltige Immobilien. Die restlichen bis zu 50 Prozent können Kunden in klassische Aktienfonds oder ETFs investieren. Diese Kombination soll für mehr Flexibilität sorgen: Wer Geld braucht, kann es aus den liquiden Fonds entnehmen, während die Pangaea-Anteile langfristig investiert bleiben.
Der Einstieg ist vergleichsweise niedrig: Ab 50 Euro monatlich oder 15.000 Euro als Einmalzahlung ist man dabei. Bei vorzeitigen Entnahmen aus den Pangaea-Fonds gilt: maximal drei pro Jahr, jeweils gegen eine Gebühr von 30 Euro. Im schlimmsten Fall kann es bis zu zwölf Monate dauern, bis das Geld ausgezahlt wird – allerdings versucht die Bayerische, Auszahlungen ohne Verzögerung bereitzustellen.
Allianz: Zwei unterschiedliche Ansätze
Zwei Jahre später, 2019, startete die Allianz ihre „Private Finance Police“ (PFP). Hier investieren Kunden nicht direkt in Fonds, sondern in ein unternehmensinternes Referenzportfolio. Dieses bildet die Wertentwicklung von über 10.000 Einzelanlagen aus dem Sicherungsvermögen der Allianz Leben ab – eine Mischung aus Infrastruktur (25 Prozent), Private Debt (25 Prozent), Private Equity (20 Prozent), Immobilien (20 Prozent) und erneuerbaren Energien (10 Prozent).
Die PFP richtet sich mit einer Mindesteinlage von 10.000 Euro an vermögendere Kunden und funktioniert ausschließlich als Einmalzahlung. Zuzahlungen sind nicht möglich – wer mehr anlegen will, muss einen zweiten Vertrag abschließen. Die Bewertung erfolgt nur quartalsweise, Kündigungen werden erst drei Monate nach dem Kündigungstermin abgerechnet. In dieser Wartezeit wird das Guthaben verzinst.
2024 legte die Allianz mit der „Private Markets Police“ (PMP) nach – diesmal mit einem anderen Konzept. Statt einem vorgegebenen Mix können Kunden hier gezielt eine von fünf Strategien wählen: Private Equity, Private Debt, Infrastruktur, erneuerbare Energien oder „Future-Focused“ (Fokus auf Klimaschutz). Jede Strategie investiert in einen eigenen internen Fonds mit direkter Zuordnung der Vermögenswerte. Die PMP ist als lebenslange Risikolebensversicherung ausgestaltet, was sie für die Nachlassplanung interessant macht. Auch hier gilt: Einmalzahlung ab 10.000 Euro, quartalsweise Bewertung, drei Monate Wartezeit bei Kündigungen.

