Das Akronym „Eltif“ steht für „European Long-Term Investment Fund“. Die Fondsstruktur soll Privatanlegern Zugang auch zu nicht börsennotierten Sachanlagen wie Infrastruktur-Investments, Private Equity und Private Debt verschaffen.
Eigentlich schon seit 2015 existent, machte erst eine Gesetzesnovelle Anfang 2024 das Vehikel potenziell massentauglich: Die Eltif-II-Reform schaffte die Mindestanlagesumme von 10.000 Euro ab, gab Fondsgesellschaften größere Anlagespielräume und vereinfachte den Abschlussprozess für Privatanleger.
Davon möchte auch Oddo BHF profitieren. Der Vermögensverwalter der französischen Finanzgruppe, Oddo BHF Asset Management, hat seit vergangenem April einen eigenen Eltif im Programm, für den aktuell weiterhin Gelder eingesammelt werden, den „Oddo BHF Commit for Tomorrow“. Mit einem Investment in den Fonds binden sich Anleger für zehn Jahre, die Frist kann noch einmal um zwei Jahre verlängert werden.
Im Gespräch mit DAS INVESTMENT erklärt Oddo-BHF-Spezialist Marc Tavakolian, wie der Eltif anlegen soll – und was sich Oddo BHF vertrieblich davon verspricht.
DAS INVESTMENT: Seit der Gesetzesnovelle Anfang 2024 sind Eltifs in der Asset-Management-Branche in aller Munde. Sie haben vor einigen Monaten selbst einen Eltif aufgelegt. Ist das Ihr erstes entsprechendes Produkt?
Marc Tavakolian: Einen klassischen Eltif nach der Eltif-I-Verordnung hatten wir noch nicht. Der jetzt lancierte Eltif basiert auf einer bewährten Flaggschiff-Strategie unseres Hauses, die wir seit über vier Jahren als institutionellen AIF anbieten. Der Eltif ähnelt sehr dieser Strategie, auch wenn die Hülle neu ist.
Haben Sie jetzt zwei quasi identische Strategien?
Tavakolian: In der Realität sogar drei: den institutionellen AIF, den französischen FCPR „Invest for Tomorrow" und den neuen Eltif „Commit for Tomorrow". Das Fondsmanagement unter der Leitung von Ferdinand Dalhuisen investiert die Gelder für alle drei Vehikel.
Erschließen Sie sich mit dem Eltif auch neue Kunden?
Tavakolian: In Deutschland definitiv. Bisher war unsere Strategie als AIF für deutsche Investoren erst ab 200.000 Euro zugänglich. Wir hatten dafür Kunden aus dem Oddo BHF Private Wealth Management. Beim Eltif ist die Mindesanlage auf 1.000 Euro reduziert.
Laut einer Studie von Scope dominieren Frankreich und Italien bisher den Eltif-Markt. Was schätzen Sie: Wird Deutschland unter Eltif II aufholen?
Tavakolian: Unter dem Eltif-I-Regime waren Frankreich und Italien in der Tat führend, gefolgt von Deutschland auf Platz 3. Wir erwarten, dass sich diese Rangfolge in den kommenden Jahren ändern wird – allein aufgrund der unterschiedlichen Größe der Volkswirtschaften. Deutschland hat enormen Nachholbedarf bei Private Assets. Kleinanlegern war diese Asset-Klasse bisher schwer zugänglich.
Sind französische Anleger gegenüber privaten Märkten möglicherweise auch aufgeschlossener?
Tavakolian: Ich würde sagen: Der durchschnittliche französische Kleinanleger hat einen Erfahrungsvorsprung auf dem Gebiet. Ich lebe und arbeite seit über 24 Jahren in Frankreich und arbeite von dort mit deutschen Kunden. Aktuell hat Frankreich noch einen gewissen Vorsprung bei Finanzinnovationen. Deutschland hinkt da strukturell hinterher, dort gibt es keine vergleichbaren Steuervorteile.
Scope hat ermittelt, dass unter Eltif I gerade Versicherer stark in Eltifs investiert haben, im Rahmen fondsgebundener Lebensversicherungen. Hat sich mit Eltif II der Fokus bei den Anlegergruppen verschoben?
Tavakolian: Die Lebensversicherer werden sich wohl nicht von Eltifs abwenden, aber der Kuchen der potenziellen Anleger vergrößert sich gerade – in Richtung Kunden von Volksbanken, Sparkassen, Raiffeisenbanken, Vermögensverwaltern. Die beginnen jetzt sukzessive, dort ebenfalls zu investieren.
Anleger, die in Ihren Eltif investieren, binden sich für zehn bis zwölf Jahre an das Investment. Ist das für Kleinanleger wirklich ein geeignetes Investment?
Tavakolian: Wir meinen, dass Eltifs auch für Kleinanleger interessant sein können. Die Eltif-II-Novelle verspricht eine Demokratisierung dieser Anlageklasse. Mit 10.000 Euro können Sie heute ein Portfolio wie ein institutioneller Anleger aufbauen. Zum Beispiel nach der Struktur 40-40-20: 4.000 Euro in Aktienfonds, 4.000 Euro in Renten und 2.000 in Private Equity – darunter noch je 1.000 Euro in zwei verschiedene Private-Equity-Fonds, die Mindestanlagesumme in unserem Eltif beträgt 1.000 Euro. Die Mischung ist das Erfolgsrezept. Das gilt bei 10 Millionen wie bei 10.000 Euro.
Wie ist das Portfolio Ihres Eltifs strukturiert?
Tavakolian: Aktuell interessieren wir uns für sechs Investments, die aber noch nicht im Portfolio enthalten sind. Dazu gehört ein deutsches Unternehmen, das hochwertige Isolierfenster produziert und ein Unternehmen aus Las Vegas, das grüne Rechenleistung bereitstellt. Dazu ein skandinavisches Recyclingunternehmen und ein italienischer Wasserpumpenhersteller, plus zwei Zielfonds. Wir investieren 40 Prozent direkt in Unternehmen und 60 Prozent in andere Private-Equity-Fonds wie zum Beispiel den Eurazeo Transition Infrastructure Fund. Final streben wir bis zu 15 Fondsinvestitionen und acht Co-Investments an.
Ein Kernthema des Fonds sollen alternative Energien sein, ein stark regulierungsabhängiger Bereich. Staaten können sie fördern oder die Förderung wieder zurückfahren. In den USA etwa scheint man sich von dem Thema insgesamt wieder abzuwenden. Ist das für langfristige Investments nicht ein Problem?
Tavakolian: Wir treffen unsere Investitionsentscheidungen unabhängig von Förderungen. Eine E-Auto-Prämie kann in der Tat schnell wegfallen. Der Trend zur Elektromobilität aber ist ein globaler Makrotrend. Attraktive Unternehmen in dem Bereich können zwar von staatlicher Förderung profitieren, aber sie benötigen keine Förderung, um profitabel zu wirtschaften. Wir fokussieren uns auf das Business selbst.
Wollen Sie zukünftig einen weiteren Eltif auflegen?
Tavakolian: Zurzeit ist noch kein Nachfolger geplant, wir stehen noch am Anfang der Zeichnungsphase. Beim Cousin des Eltifs, dem institutionellen Fonds, sind wir dagegen schon in der zweiten Generation. Und nach der zweiten wird auch die dritte kommen. Rund um den Eltif gibt es auch formale Herausforderungen.
Welche meinen Sie?
Tavakolian: Es ist heute noch komplex, einen Eltif in Deutschland zu handeln. Wir sind jetzt immerhin bei zwei von drei Platzhirschen unter den Plattformen gelistet. Damit decken wir 70 Prozent der potenziellen Kundschaft ab. Das wollen wir noch ausbauen.
Eltifs sollen eine Lücke schließen, die der Staat nicht füllen kann, durch private Investments in öffentliche Strukturen. Glauben Sie, das wird eine Erfolgsgeschichte?
Tavakolian: Definitiv. Private Markets füllen eine wichtige Finanzierungslücke, die weder die öffentliche Hand noch Banken oder Aktienmärkte schließen können – sei es bei Infrastrukturprojekten oder auch bei Investitionen in kleine, noch junge Unternehmen. Über Eltifs können nun auch Kleinanleger davon profitieren. Das ergibt in Summe einen großen Pool an frischem Kapital. Natürlich benötigen Anleger aber Aufklärung, welche Investments für ihre eigenen Bedürfnisse und ihren Risiko-Rendite-Appetit die richtigen sind. Wir möchten, dass jeder Neukunde in unserem Eltif mit seiner Investition glücklich ist.
Über den Interviewten:
Marc Tavakolian ist Leiter Kundenbeziehungen für Deutschland, Österreich und die Schweiz (Head of Investor Relations DACH) bei Oddo BHF Private Assets.

