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Emerging Markets Warum Schwellenländeranleihen derzeit Chancen bieten – und wo ETFs ihre Tücken haben

Alexander Posthoff
Alexander Posthoff: Der Portfoliomanager von Bantleon erklärt, weshalb Schwellenländeranleihen beispielsweise aus Brasilien derzeit Chancen bieten können. | Foto: Bantleon / Hannah Ritzmann mit Canva

Nach schmerzhaften Verlusten im vergangenen Jahr von 15 Prozent haben Staatsanleihen und Quasi-Staatsanleihen aus Schwellenländern sich, gemessen am Bloomberg EM USD Total Return Index, wieder erholt. Die positive Wertentwicklung von 4 Prozent seit Jahresanfang zeigt, dass das Vertrauen der Investoren in diese Anleihenklasse vorerst zurückgekehrt ist.

Trotz inzwischen gesunkener Risikoprämien bieten in US-Dollar denominierte Anleihen aus den Emerging Markets immer noch eine vielversprechende Risikoprämie von etwa 310 Basispunkten gegenüber US-Staatsanleihen. Das entspricht einer Rendite von 7,4 Prozent im Jahr.

Dieser hohe Coupon ist für Anleger ein großes Sicherheitspolster bei steigenden Zinsen und Währungsschwankungen. Zudem können die Risikoprämien von Schwellenländeranleihen in den nächsten Monaten weiter sinken: Vergleicht man das aktuelle Niveau mit der vergangenen Niedrigzinsphase, so scheinen auch nur 270 Basispunkte Renditeaufschlag gegenüber US-Staatsanleihen denkbar. Hier sind also noch Kursgewinne möglich.

 

Probleme durch abkühlende Konjunktur

Betrachtet man jedoch die globalen Einkaufsmanagerindizes im Verhältnis zu den Renditeaufschlägen, ist Vorsicht geboten: Den gesunkenen Risikoprämien der vergangenen Wochen steht die Abkühlung der globalen Konjunktur entgegen. Noch stützen die rückläufige Inflation und die Aussicht auf wieder sinkende Zinsen die Attraktivität von Emerging-Markets-Anleihen.

Mittelfristig droht jedoch aufgrund der auch von uns prognostizierten Rezessionsgefahren Ungemach. Insbesondere wirtschaftlich schwächere Anleiheemittenten dürften konjunkturelle Einbrüche nur schwer verkraften. Ratingherabstufungen und Zahlungsausfälle wären die Folge. Sichtbar wird diese Entwicklung bereits an einer Reihe von Ratingverschlechterungen in Afrika, beispielsweise in Nigeria, Ägypten, Tunesien. Anleger sollten deshalb mehr denn je zwischen Risiko und Ertrag abwägen.

Globale Konjunkturabschwächung dürfte vor allem lang laufende Schwellenländeranleihen belasten

Globale Konjunkturabschwächung könntelang laufende Emerging-Markets-Anleihen belasten
Globale Konjunkturabschwächung könnte lang laufende Emerging-Markets-Anleihen belasten. © Bloomberg, Bantleon

Sinkende Zinsen führen zu Kursgewinnen

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Aktuell sind kurz laufende Staatsanleihen und Anleihen staatsnaher Emittenten aus den Emerging Markets mit einer Restlaufzeit von bis zu zwei Jahren besonders vielversprechend, weil dort ein hoher Coupon einer geringen Volatilität gegenübersteht. Das Risiko ist also moderat. Und kommt es – wie von uns erwartet – in absehbarer Zeit zu Zinssenkungen der US-Notenbank Fed, werden diese Anleihen mit Kursgewinnen glänzen.

Um die Risiken zu minimieren, bevorzugen wir unverändert Regionen und Länder, die nur geringe Handelsverflechtungen mit Osteuropa haben und damit der Geopolitik weniger stark ausgesetzt sind. Dazu zählen die Golfregion (Bahrain, Oman, Katar) und Südamerika (Brasilien, Kolumbien, Mexiko). Diese Staaten überzeugen zudem mit einer robusten Konjunktur und solider Bonität.

 

Investments über ETFs haben Tücken

Beim Investieren in Emerging-Markets-Anleihen ist zu beachten, dass es zumindest für Privatanleger aufgrund von Marktzugangsbeschränkungen und Mindestordergrößen in den vergangenen Jahren schwierig geworden ist, Anleihen einzelner Emittenten zu kaufen. Um eine sinnvolle Risikostreuung zu erreichen, ist der Kauf von aktiv gemanagten Anleihen- oder Multi-Asset-Fonds oder von Indexfonds (ETFs) möglich. Bei ETFs ist jedoch zu beachten, dass ihre Anleihenlaufzeiten nicht aktiv gesteuert werden und sie deshalb weder von sinkenden Zinsen überdurchschnittlich profitieren können noch Schutz vor Kursverlusten infolge steigender Zinsen bieten.

>> Hier erfährst du, warum Schwellenländer in jedes Depot gehören

Über den Autor:

Alexander Posthoff ist Senior Portfoliomanager bei Bantleon. Zuvor war er bei Union Investment tätig.

 

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