Emerging Markets

Energieschub für Frauen als Verbraucher

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In Emerging Markets sind die Erwerbsmöglichkeiten für Frauen bisher im Allgemeinen begrenzt. Mit so vielen häuslichen Aufgaben – ohne Haushaltsgeräte, die die Arbeit erleichtern – ist es für die meisten Frauen unmöglich, außerhalb zu arbeiten. Nach den jüngsten von der Weltbank vorliegenden Daten (siehe Grafik) sind in den 12 größten Emerging Markets (ausgenommen China) weniger als 40 Prozent aller erwachsenen Frauen erwerbstätig.



In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich nicht viel verändert. Seit 1990 stagniert die Erwerbsquote von Frauen in Emerging Markets, während sie in Industrieländern gestiegen ist. In China ist diese Zahl von dem sehr hohen Niveau während der Zeiten des Kommunismus zurückgegangen. Dies stellt aber eine Ausnahme dar. In anderen Ländern wie Indien hat sich kaum etwas bewegt.

Elektrizität als wirksamer Störfaktor

Elektrizität kann etwas bewirken. Nach unserer Einschätzung könnten beispielsweise die Pläne der indischen Regierung, die Stromversorgung im gesamten Land bis 2019 deutlich zu verbessern, wichtige Impulse für Veränderungen auslösen.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Strom und Frauen? Strom ist ein Faktor, der die Selbstbestimmung fördert, denn er eröffnet die Möglichkeit zum Kauf von Haushaltsgeräten wie Elektroherden, Kühlschränken und Waschmaschinen, die Frauen von stundenlanger täglicher Hausarbeit befreien.

In Südafrika hat die Stromversorgung die Zahl erwerbstätiger Frauen deutlich steigen lassen. In Regionen, die vom Elektrifizierungsprogramm profitierten, ist die Erwerbsquote von Frauen einer wissenschaftlichen Studie zufolge innerhalb von fünf Jahren bis 2001 um 9,5 Prozent geklettert. Bei einer Übertragung auf Indien könnten nach unserer Analyse bis 2019 acht Millionen Frauen eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, wenn das ehrgeizige Vorhaben von Ministerpräsident Narendra Modi, 400 Millionen Menschen an das Stromnetz anzuschließen, gelingt (siehe Grafik). Doch viel wird davon abhängen, ob genügend Strom geliefert wird, damit eine typische Familie elementare Haushaltsgeräte nutzen kann.



Der vielleicht wichtigste Vorteil der Elektrifizierung ist die Kühlung. Betrachten wir zum Beispiel Smita, eine 38 Jahre alte erwerbstätige Mutter, die wir im indischen Aurangabad getroffen haben. Sie könnte mehrere Stunden Zeit am Tag sparen, wenn sie einen Kühlschrank hätte, da sie dann nicht mehr ständig zum Markt müsste, um frische Mahlzeiten für ihre Familie kochen. Unsere Untersuchung über die Nutzung von über 150 Kühlschränken in Emerging Markets hat nämlich gezeigt, dass untere soziale Schichten Kühlschränke in erster Linie als Geräte zum Zeitsparen einsetzen, weil sie darin ihre Grundnahrungsmittel oder gekochte Speisen aufbewahren. Damit erhalten Frauen die Flexibilität, mehrere Stunden einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und zum Gesamteinkommen der Familie beizutragen. Das wiederum führt dazu, dass Frauen ein größeres Mitspracherecht in der Frage haben, wie das Geld der Familie ausgegeben wird.

Frauen denken vorausschauend


Wenn Frauen mehr Einfluss haben, dürfte sich das Ausgabeverhalten von Familien ändern. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Frauen bei finanziellen Entscheidungen einen längerfristigen Schwerpunkt als Männer setzen – diese Erkenntnis bestätigt auch unser „Grassroots Research“. Wenn das Familieneinkommen steigt, neigen Männer dazu, das zusätzliche Geld für kurzfristige Dinge wie elektronische Geräte oder Unterhaltung auszugeben. Bei Frauen besteht eher die Neigung, das Geld für Dinge mit längerfristigem Potenzial wie Ausbildung, Sparen und Versicherungen zu verwenden. Wenn Frauen also mehr Einfluss auf das Haushaltseinkommen erhalten, erwarten wir deswegen, dass die Ausgaben in diesen Bereichen steigen.

Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit könnte drastische Dominoeffekte haben. Wenn mehr Frauen ein Mitspracherecht bei den Finanzen des Haushalts haben, werden sie sich wahrscheinlich darum bemühen, ihre Familien aus der Armut herauszuholen. Das hilft beim Aufbau von besser ausgebildeten und produktiveren Arbeitskräften. Und viele Länder sind reif für Veränderungen. In Indonesien hat ein Drittel der Bevölkerung – das sind 81 Millionen Menschen – keinen Zugang zu Elektrizität. In Nigeria muss die Hälfte der Bevölkerung – das sind 76 Millionen Menschen – ohne Strom auskommen.

Diese Trends hat der typische Investmentfonds im Allgemeinen nicht auf dem Schirm. Wir sind aber davon überzeugt, dass Elektrizität tatsächlich ein aussagefähiger Frühindikator und ein hervorragendes Beispiel dafür ist, wie disruptive Kräfte unbeabsichtigte und weit reichende Konsequenzen haben können. Private Bildung, Mikrofinanzen und Versicherungen sind nur einige Bereiche, die einen enormen Auftrieb an Aktivität erleben und Anlagechancen schaffen könnten. Ganz allgemein sollten Anleger nach unserer Auffassung die vielen Möglichkeiten bedenken, wie sich die Selbstbestimmung von Frauen auf Wirtschaft, Industrie und Unternehmen auswirken könnte, wenn sie sich das Potenzial von Verbraucherausgaben in Emerging Markets zunutze machen wollen.

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