Im Webinar „Schwellenländer-Anleihen – Chancen nutzen, Risiken verstehen“ gaben Simon Frank (Senior Investment Advisor) und Lara Lorenz (Investment Advisor) von Pictet Asset Management einen Überblick über die strukturelle Neuausrichtung der globalen Kapitalmärkte – und darüber, warum Schwellenländer-Anleihen in diesem Umfeld zunehmend in den Fokus rücken.
Im Mittelpunkt standen dabei die veränderten geopolitischen Kräfteverhältnisse, die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Emerging Markets sowie deren deutlich verbesserte Fundamentaldaten und Rendite-Risiko-Profile.
Schwellenländer haben sich zu zentralen Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft entwickelt. 2025 entfielen bereits 61 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf Emerging Markets, während die Industrieländer nur noch auf 39 Prozent kamen. Auch bei Innovationen liegen die Schwellenländer vorne: 2024 stammen rund 60 Prozent der weltweit angemeldeten Patente aus diesen Ländern.
Der Trend dürfte sich in den kommenden Jahrzehnten weiter beschleunigen. Schon heute leben 88 Prozent der Weltbevölkerung in Schwellenländern. Bis 2050 dürfte ihre Bevölkerung nochmals um 18 Prozent wachsen. In den entwickelten Ländern wird hingegen nur noch ein kleines Bevölkerungsplus von 1,5 Prozent erwartet (Quellen: Webinar-Unterlagen Pictet Asset Management).
Vor diesem Hintergrund befindet sich auch die globale Investmentlandschaft im Umbruch. „Die einstmals friedlich kooperierende Weltordnung ist einer Blockbildung gewichen, und die jahrelange US-amerikanische Sonderkonjunktur verliert an Strahlkraft. Für strategisch denkende Investoren eröffnet dieser Wandel jedoch eine entscheidende Chance: Schwellenländer-Anleihen rücken als Anlageklasse in den Mittelpunkt – mit attraktiven Renditen, verbesserten Fundamentaldaten und wachsendem Diversifikationspotenzial“, führte Senior Investment Advisor Simon Frank aus.
Ein neues geopolitisches Gleichgewicht
Steigende Energiepreise, eine anhaltende Lohn-Preisspirale und schwächere Wachstumsimpulse in Europa setzen die westlichen Volkswirtschaften unter Druck – und verschärfen die politischen Spannungen.
Schwellenländer haben sich – mit Ausnahmen – in den vergangenen Jahren hingegen zu einem Hort relativer politischer Stabilität entwickelt. „Wichtige Staatschefs suchen verstärkt den Weg nach China, und innerhalb der aufstrebenden Volkswirtschaften zeichnen sich neue Kooperationsachsen ab“, so Frank. Auffällig ist dabei vor allem: Peking positioniert sich zunehmend als zentraler diplomatischer Knotenpunkt zwischen den Machtblöcken USA, Russland, Europa und dem Globalen Süden. Die Besuche von Trump und Putin innerhalb weniger Tage unterstreichen diesen Anspruch besonders deutlich.
Diese Blockbildung, die das internationale System zunehmend prägt, bringe Frank zufolge dabei nicht nur Risiken mit sich – sie eröffne ausgewählten Schwellenländern auch konkrete wirtschaftliche Vorteile. Frank: „Rohstoffreiche Schwellenländer wie Aserbaidschan, Angola, Kasachstan und Mosambik profitieren von der veränderten Energiepreisdynamik. Gleichzeitig haben sich die Handelsbilanzdefizite zahlreicher Schwellenländer in den vergangenen Jahren deutlich verringert – die Schwellenländer sind nicht mehr so fragil wie noch vor zehn oder fünfzehn Jahren und weniger abhängig von Rohstoffpreisen.“
Das Ende des US-Dollar-Zyklus als Katalysator
Jahrelang war die USA „the place to be“: Ein starker Dollar, hohe Kapitalzuflüsse und technologiegetriebenes Wachstum – eindrucksvoll unterstrichen durch Nvidias jüngste Quartalszahlen – haben Anleger weltweit angezogen. Doch dieser Zyklus drehe, die strukturelle Stärke des US-Dollars könnte ihrem Höhepunkt nahegekommen sein, so Frank. Ein Rückgang der Auslandsinvestitionen in die USA und das mögliche Schwinden des Reserve-Status des Greenback könnten eine längerfristige Dollar-Abwertung bewirken. Zukünftig könnte sich folglich die alternative Reservefunktion von Renminbi und Euro stärker ausprägen.
„Für Schwellenländer ist das eine gute Nachricht“, betonte Frank. „Ein schwächerer Dollar entlastet deren US-Dollar-Schulden, verbessert die Wettbewerbsfähigkeit und macht Schwellenländer-Währungen relativ attraktiver.“

