Emerging Markets

Small-Caps: Die Gewinner der Reformen in Asien

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Die Kombination aus schnellem Wirtschaftswachstum, allgemein soliden Staatshaushalten und starker wirtschaftlicher Fundamentaldaten in Asien bietet ein attraktives Umfeld für Aktienanleger. In den vergangenen Jahren fanden in Asien gravierende Veränderungen auf politischer Ebene statt – darunter wichtige Wahlen, Führungswechsel und sogar ein Militärputsch. Dieser politische Wandel wirkt sich auch reformierend auf die Wirtschaft aus. Zwar sind einige dieser Reformen historisch bislang einmalig. Dennoch glauben wir, dass die Entwicklungen Anlegern Anlass zum Optimismus geben. Insbesondere kleinere Unternehmen in Schwellenmärkten müssten von den marktfreundlicheren Reformen profitieren, die Markteintrittshürden abbauen und Unternehmertum anregen. Da Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung hauptsächlich durch die Inlandsnachfrage angetrieben werden, könnte das Sinken der Ölpreise in letzter Zeit und die damit steigende Kaufkraft der Verbraucher ein zusätzlicher Segen für diese Unternehmen sein. Die Erwartung hoher Wirtschaftswachstumsraten in Asiens Schwellenmärkten – angeführt von China und Indien – hat für uns nach wie vor großen Reiz. Diese Wachstumsraten dürften 2015 deutlich höher liegen als die in Industrieländern.

Ferner haben viele asiatische Märkte wie China, Indien, Indonesien und Südkorea maßgebliche Reformen angekündigt oder eingeleitet, die sich zwar im Detail unterscheiden. Doch zielen sie im Allgemeinen auf die Beseitigung bürokratischer Hürden für das Wirtschaftswachstum, die Förderung des Unternehmertums und mehr Marktdisziplin in ineffizienten Branchen ab. Außerdem heben sie mehrheitlich auf eine Umgewichtung der Wirtschaftsaktivität von export- und investitionslastigen Modellen auf verstärkte Konsumorientierung ab. Nehmen wir einige dieser Reformen in ausgewählten Ländern unter die Lupe.

Südkorea: Förderung von Innovationen und Unternehmertum

2014 startete Südkorea einen Drei-Jahres-Plan zur Gewinnung von Anlegern durch die Konzentration auf Innovationen und den Abbau von Bürokratie für Unternehmen. Unseres Erachtens ist der interessanteste Aspekt der Vorschlag einer „kreativen Wirtschaft”. Dieser Vorschlag umfasst eine Reihe an Maßnahmen zur Förderung des Unternehmertums und der gebündelten Mittelvergabe an Start-Up-Unternehmen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Projekten zur Übertragung von Südkoreas Stärken bei der Informations- und Kommunikationstechnologie auf andere Wirtschaftsbereiche. Maßnahmen wie Steuervergünstigungen für „Angel Investoren”, Visa für ausländische Unternehmer, staatliche Kredite und gezielt eingerichtete „Inkubatoren” sollen High-Tech-Start-Ups neue Möglichkeiten eröffnen und Neugründungen den Weg ebnen. Eine weitere politische Maßnahme zur Förderung des Unternehmertums ist das Bestreben, die Bürokratie in wichtigen Dienstleistungsbrachen wie Gesundheitswesen, Bildung, Finanzen, Tourismus und Software abzubauen. Das Gesundheitswesen und der Einzelhandel dürften am stärksten von diesen Reformen profitieren.

China: Vielversprechende Veränderungen im Sektor staatlicher Finanzunternehmen

Die Reformbestrebungen in China scheinen an Dynamik zu gewinnen. Wichtige bisher angekündigte Initiativen beinhalten die Deregulierung und Öffnung von mehr Branchen für private Investitionen, die Liberalisierung der Finanzmärkte, Preisreformen bei Ressourcen, Reformen staatlicher Unternehmen zur Erhöhung der Effizienz und Produktivität und die Lockerung der Ein-Kind-Politik. Dies dürfte Chinas langfristiges Wachstumspotenzial stärken und den Inlandskonsum ankurbeln.

Wir erkennen gutes Wertpotenzial, insbesondere bei größeren Banken mit soliden Einlagen, und bei anderen Finanzunternehmen, die von der Entwicklung der Kapitalmärkte profitieren könnten. Gutes langfristiges Wertpotenzial sehen wir auch im Baustoffsektor, in dem eine massive Marktkonsolidierung und Rationalisierung der Kapazitäten stattgefunden hat. Gestützt durch ein strukturelles Wachstum der Nachfrage dürften sich Pharmaunternehmen und bestimmte Unternehmen des Konsumsektors ebenfalls gut entwickeln. Die anhaltenden Bemühungen der Regierung zur Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts durch weniger Exporte und mehr Investitionen für die Ankurbelung der Inlandsnachfrage wirken sich langfristig positiv auf Konjunktur und Märkte aus.

Indien: Modi trägt mit Tatendrang zur Erfolgsbilanz bei

Die Bharatiya Janata Party von Narendra Modi feierte bei den Wahlen in Indien im März 2014 einen überragenden Sieg mit absoluter Mehrheit und dem Auftrag, eine starke Zentralregierung zu führen. Die für gewöhnlich langen Arbeitstage des Premierministers und der Schwerpunkt auf wachstumsfördernde Politik geben in der Regierung einen neuen Ton an und tragen zur Umsetzung von Modis 10-Punkte-Agenda bei. Diese konzentriert sich auf bessere Governance, einen starken Fertigungssektor, gesteigerte Investitionen und niedrige Inflation.

Das Abbauen von Hürden für Investitionen aus dem Ausland war eine der ersten Veränderungen durch die neue Regierung. Ausländische Direktinvestitionen in Indien sind seit 2014 deutlich gestiegen. Auch im Inland wurden Fortschritte erzielt. Die Regierung unterstützt eine Kampagne namens „Made in India” und hat dazu eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die auf den Abbau von Bürokratie und die Lockerung des veralteten Arbeitsrechts des Landes abzielen.

Gegen Ende des Jahres 2014 stellte die Regierung im Parlament eine wegweisende Steuer auf Waren und Dienstleistungen vor. Weitere geplante Strukturreformen sollen unter anderem die Infrastruktur verbessern. Somit könnte die Umsetzung wiederum dem Materialsektor zugutekommen. Wir erwarten eine weitere Reduzierung der Kraftstoffsubventionen, was staatliche Ölfirmen am stärksten begünstigen könnte. Ein erwarteter Rückzug der Regierung aus dem Finanzsektor dürfte diesem Auftrieb verleihen.

Indonesien: Widodos Initiativen steigern Investitionen

Die Wahl Joko Widodos zum indonesischen Präsidenten im Oktober 2014 verheißt unseres Erachtens Gutes für das Land. Denn Widodo hat ehrgeizige Pläne, Subventionen zu kürzen und Investitionen zu steigern. Diese politischen Vorhaben dürften im Laufe der Zeit sowohl Auslands- als auch Inlandsinvestitionen ankurbeln. Widodo hat bereits beliebte Kraftstoffsubventionen gekürzt, die in Indonesien einen beträchtlichen Anteil an den gesamten Staatsausgaben haben. Das Streichen dieser Subventionen sollte der Regierung mehr Flexibilität für die Umsetzung anderer Teile von Widodos Reformagenda verleihen.

Zu den obersten Prioritäten der neuen Regierung gehören das Stärken der Strominfrastruktur des Landes, der Ausbau von Häfen und Straßen und eine wesentliche Bildungsförderung. Die Märkte reagierten hocherfreut auf den mutigen Entschluss zur Reform der Energiesubventionen. Die anderen Strukturreformen dürften aber für die vollständige Umsetzung mehr Zeit erfordern und deshalb keinen sofortigen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben. Trotzdem sorgten der Optimismus angesichts der neu gewählten reformwilligen Regierung und einige ermutigende Änderungen an dem vorgeschlagenen Verbot der Eisenerzexporte dieses Jahr für ein freundliches Investitionsklima in Indonesien. Obwohl das Verbot der Eisenerzexporte stark zu Lasten der Minenbetreiber geht, dürfte diese Veränderung ein Wachstum des Industriesektors auf längere Sicht bedeuten. In Indonesien gibt es außerdem eine wachsende Mittelschicht, und Widodos Reformbemühungen könnten sich zum Vorteil von konsumorientierten Sektoren wie Banken- und Automobilsektor auswirken.

Thailand: Gewohnter Gang unter Militärherrschaft

Nach einem Militärputsch in Thailand im Mai 2014 haben sich die zivilen Unruhen gelegt. Die normale Geschäftstätigkeit setzt sich mit kleineren Störungen fort. Es dürfte noch eine Weile dauern, bis das Militär sich zurückzieht und die Zivilregierung wiederhergestellt wird. Bevor sich die aktuelle politische Situation ändert, ist unseres Erachtens eine neue, für alle Parteien akzeptable Verfassung gefolgt von Neuwahlen notwendig. Zwischenzeitlich lässt das Militärregime die freie Geschäftstätigkeit des Privatsektors zu, solange die nationale Sicherheit nicht gefährdet wird. Das Militärregime prüft außerdem alle größeren öffentlichen Investitionsprojekte im Zuge des angekündigten Kampfs gegen Korruption und Bestechung. Ungeachtet der politischen Unsicherheiten gibt es in Thailand eine große Mittelschicht und eine wachsende Verbraucherpopulation, die unserer Meinung nach der Konjunktur langfristig zugutekommen wird. Wir konzentrieren uns auf Konsumgüter und Dienstleistungen, einschließlich Banken und Immobilienunternehmen, da die Menschen in die Städte ziehen und Bedarf an Wohnraum haben.

Strukturelles Interesse an Small-Caps

Das asiatische Small-Cap-Universum stößt seit einigen Jahren auf großes Interesse. Wir glauben, dass dieses verstärkte Interesse an Aktien von Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung struktureller und langfristiger Natur ist. Denn Anleger nehmen Schwellenmärkte genauer unter die Lupe. Kleinere Unternehmen in Schwellenmärkten könnten sich als potenzielle Begünstigte der angesprochenen Reformen sowie anderer Reformen in der Region erweisen.

Da die Umsätze von Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung hauptsächlich durch die Inlandsnachfrage angetrieben werden, könnte die Kombination aus gutem Wirtschaftswachstum, einer wachsenden Mittelschicht in Asien und niedrigeren Ölpreisen außerdem ein zusätzlicher Vorteil für diese Unternehmen sein. Denn die Kaufkraft der Verbraucher für ihre Waren wird gesteigert. Das Sinken der Ölpreise trägt auch zu einer Abschwächung des Inflationsdrucks in mehreren Schwellenländern wie zum Beispiel China bei. Dadurch steigt nicht nur die Kaufkraft der Verbraucher, sondern den Zentralbanken könnte auch eine lockerere Geldpolitik ermöglicht werden. Beides dürfte sich positiv auf das Wachstum auswirken.

Konsumorientierte Unternehmen derzeit besonders attraktiv

Innerhalb des Small-Cap-Universums in Asiens Schwellenländern halten wir derzeit konsumorientierte Unternehmen für besonders attraktiv – insbesondere angesichts der Wachstumschancen, die wir in vielen Märkten erkennen. Außerdem finden wir das Gesundheitswesen – einschließlich Pharma- und Biotechnologieunternehmen – interessant. Wie wir feststellen, werden viele kleinere Unternehmen in Schwellenmärkten von den meisten Anlegern übersehen. Wir hingegen können unser Analysepotenzial vor Ort ausnutzen, um weitgehend unbeachtete, möglicherweise günstige Gelegenheiten ausfindig zu machen.

Sollten die Regierungen die versprochenen Reformen nicht umsetzen, könnte der Optimismus der Anleger sehr schnell schwinden. Doch die Märkte setzen sich aus einzelnen Unternehmen zusammen. Gutes Management und solide Geschäftsmodelle können Unternehmen florieren lassen, auch wenn die äußeren Umstände schwierig erscheinen. Außerdem bieten gerade Phasen mit sehr schlechtem Marktsentiment oft die ertragreichsten Anlagechancen. Mit unserer Anlageanalyse machen wir weiterhin große und kleine Unternehmen im gesamten Universum der Schwellenmärkte ausfindig, die unseres Erachtens starke langfristige Zukunftsperspektiven und attraktive Bewertungen bieten.