Peter Botoucharov (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Emerging Markets Sollten Anleger die Türkische Lira jetzt meiden?

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Ursprung allen Übels

Bisher priorisiert die türkische Regierung das Wirtschaftswachstum, um so insbesondere die junge Generation des Landes für sich zu gewinnen. Dies ist jedoch größtenteils nur durch eine Verschuldung des Privathaushalts möglich gewesen, um die wachsende Kluft zwischen Investments und Sparlevels zu schließen.

Dass Erdogan nicht von seinen lang gehegten Zielen abweicht, hat er bereits in einem Kommentar Anfang Mai deutlich gemacht. Demnach sind die Zinssätze der Ursprung allen Übels.

„Wirtschaft ist auf ausländisches Kapital angewiesen“

Am Wachstum festhalten, zu einer Zeit, in der die globalen Zinsraten steigen, kann zur Abwertung der Lira führen, was die Wirtschaft schlimmer treffen kann als der Sell-Off zu Beginn des Jahres. Die türkische Wirtschaft ist auf ausländisches Kapital angewiesen um zu wachsen, und wenn es der Politik nicht gelingt, die Inflation einzudämmen, wird das Kapital das Land weiterhin verlassen.

Steigende Verschuldung

In den nächsten ein bis zwei Jahren werden externe Ungleichgewichte und steigende Verschuldungsquoten für eine steigende Anzahl von Unternehmen nicht mehr tragbar sein. Dies kann sich negativ auf die Asset-Qualität auswirken, was wiederum die Banken des Landes unter Druck setzt.

Die CBT hat zwar Spielraum in ihrer Bilanz, um den privaten Sektor zu unterstützen, doch würde dies die Kreditqualität der Türkei ernsthaft beeinträchtigen und wahrscheinlich zu einem starken Abverkauf der türkischen Vermögenswerte führen. Die Zeit nach der Wahl bleibt kritisch.

Langfristige Stabilität

Mit der unmittelbaren politischen Notwendigkeit, eine Wahl zu gewinnen, hat die Regierung mehr Flexibilität, um den Marktgegebenheiten der türkischen Wirtschaft gerecht zu werden. Wir sind zuversichtlich, dass die jüngsten politischen Vereinfachungen und Zinserhöhungen ein Zeichen dafür sind, dass sich die CBT und die türkische Regierung nun stärker für die langfristige Stabilität einsetzen.

Die jüngsten Prioritäten der Regierung und die aufflammende Rhetorik sind jedoch eine Erinnerung daran, die Situation behutsam einzuschätzen und dass ein vorsichtiges Risikomanagement der Lira-Beteiligungen und -Investitionen in der Türkei im Allgemeinen erforderlich ist. 

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