Emerging Markets: Südafrika nach der Weltmeisterschaft

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Die Autoren des Beitrags sind Andreas Freytag, Professor für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, und Peter Draper, Professor an der WITS Business School und Direktor bei Tutwa Consulting.

Die Ausrichtung eines Ereignisses wie der Fußball-Weltmeisterschaft erfordert zum einen erhebliche Infrastrukturinvestitionen, die sich dann in erhöhten Wachstumsraten niederschlagen können. Zum zweiten kann es einen enormen Image-Gewinn geben, wenn das Turnier gut organisiert und stimmungsvoll verläuft.

Zwei Jahre nach dem Weltturnier 2010 und direkt vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine kann man eine vorsichtige Bilanz ziehen. Vorsichtig deswegen, weil eine Zurechnung eines indirekten Effekts auf ein einzelnes Ereignis schwerfällt.

Ausbleibende Touristen

Die Realität hält der Aussage hoher direkter Wirkungen nur selten stand. Dies hat sich bereits bei den Fußball-Weltmeisterschaften in Frankreich 1998 und Deutschland 2006 gezeigt.

Auch im Falle Südafrikas sind viele hochgesteckte Erwartungen nicht erfüllt worden. Die vorhergesagten zusätzlichen Touristenströme blieben weitgehend aus – die Vorhersagen schwankten zwischen 230.000 bis 500.000 zusätzlichen Besuchern. Realistisch ist ein Plus von 40.000 bis 100.000 Besucher.

Auch diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, denn es scheint, als ob manche der WM-Besucher ihren Südafrika-Besuch nur auf die Zeit der WM gelegt haben. Sie wären ohnehin irgendwann nach Südafrika gereist, werden dies aber in der Zukunft nun unterlassen.

Andere, regelmäßige Besucher des Landes, haben unter Umständen den Besuch in der Zeit gerade unterlassen – ökonomisch spricht man von einem “crowding-out“. Es ist auch zu bedenken, dass sich die Welt 2010 noch nicht vollständig von der Weltwirtschaftskrise erholt hat. Dies war für Südafrika mit hoher Sicherheit ein Nachteil.

Zugewinn durch bessere Infrastrukturen


Die indirekten Wirkungen hingegen sind deutlich positiver zu bewerten. Die Verkehrsinfrastruktur in Südafrika hat sich deutlich verbessert.

Dies gilt zumindest für die Ballungszentren Durban, Gauteng und Kapstadt. Die Flughäfen dort können getrost als herausragend bezeichnet werden. Sie halten mit den großen Flughäfen der OECD-Länder und Asiens durchaus mit. Auch das Straßennetz in den Zentren hat sich wesentlich verbessert.

Hinzu kommt mit dem Gautrain eine moderne und schnelle Verbindung innerhalb Gautengs, der Großregion Johannisburg/Pretoria. Natürlich ist dies nur ein Teil der gesamtwirtschaftlich relevanten Infrastruktur: Fernstraßen, Häfen, Kommunikations- und Elektrizitätsnetze gehören ebenfalls dazu. Hier besteht noch erheblicher Handlungsbedarf.

Die für das Turnier entstandenen Stadien sind eher eine Belastung öffentlicher Haushalte als eine sinnvolle Infrastrukturmaßnahme. Sie sind heute unterausgelastet und verursachen hohe Unterhaltungskosten.

Trotzdem überwiegt das Positive. Südafrika hat gezeigt, dass in Afrika eine Verbesserung der Infrastruktur in überschaubarer Zeit möglich ist.

Südafrika hat Chance genutzt

Noch bedeutsamer allerdings scheint uns der Image-Gewinn des Landes zu sein. In den deutschen Medien wurde im Vorfeld im Zusammenhang mit Südafrika vor allem über die hohe Anzahl an Gewaltverbrechen und Korruption berichtet. Dies hat sich unserer Wahrnehmung nach etwas gewandelt. Der erfolgreiche und friedliche Verlauf des Weltturniers und das faire und großartige Verhalten der Gastgeber hat dem Land in dieser Hinsicht einen Schub gegeben – und zwar sowohl in der Selbstwahrnehmung als auch in der Außenwahrnehmung.

Nun ist es nicht so, dass die Probleme, die vor der WM bestanden, jetzt nicht mehr existieren. Trotzdem spielt Südafrika heute eine veränderte Rolle in der Weltpolitik und in der internationalen Wirtschaftspolitik. Zusätzlich deuten jüngste Zahlen darauf hin, dass sich Touristenströme erhöhen und verstetigen. Damit hätte der Imagegewinn einen längerfristig wirkenden Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung.

Insgesamt kann wohl die These als bestätigt gelten, dass das Land die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 als eine Chance begriffen und genutzt hat, seine eigene Position in der Weltwirtschaft dauerhaft zu verbessern.

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