Emittentenporträt: Holländischer Riese

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ABN Amro gehört zu den größten Zertifkateanbietern in Deutschland und preschte mit vielen Neukreationen vor.
„Making more possible“, lautet das Motto der Derivateabteilung von ABN Amro. Diesem Anspruch wurden die Holländer in Deutschland erstmals im Jahr 2000 gerecht, als sie Indexzertifikate ohne Laufzeitbegrenzung (Endlos- Zertifikate) emittierten. Damit waren sie Pioniere für diesen Zertifikatetyp. Bis heute gehören Indexzertifikate zur Kernkompetenz des Unternehmens. Ende vorigen Jahres erhielt die ABN Amro zum sechsten Mal in Folge den ersten Preis des „Zertifikate Journals“ im Bereich Indexzertifikate.
Vor sieben Jahren brachten ABN Amro und die französische BNP Paribas dann die ersten Hebelzertifikate nach Deutschland. Ein Jahr später entwickelten die Holländer ihre Turbozertifikate zu Mini-Futures weiter. Privatanlegern standen erstmals auch Hebelzertifikate auf eine breite Palette von Rohstoffen zur Verfügung.

Sehr innovationsfreudig

Im Jahr 2003 emittierte ABN Amro die ersten Zinszertifikate in Deutschland. Mit ihnen können Anleger auf die kurzfristigen Geldmarktsätze in unterschiedlichen Währungsräumen setzen. Außerdem brachte die Bank die ersten währungsgesicherten Zertifikate auf Edelmetalle und US-Aktienindizes heraus. Diese Quanto-Zertifikate gibt es seit 2004 auch als Endlos-Variante, ebenfalls eine Innovation der größten Bank der Niederlande.
Heute ist ABN Amro fast immer mit dabei – meist als erster – wenn es um die Erschließung neuer Nischenmärkte geht, wie exotische Schwellenländer oder spezielle Rohstoffe. Im Rohstoffbereich hat ABN Amro zudem die Exklusivrechte in Deutschland für die Indexfamilie von Jim Rogers, die Rici-Indizes.
ABN Amro gehört zu den größten Emittenten in Deutschland. So belegt die Bank in der November-Umsatzstatistik des Deutschen Derivate Instituts bei den Anlagezertifikaten Platz 3 hinter der Deutschen Bank und der Commerzbank.
Auch im internationalen Bankengeschäft ist ABN Amro von Bedeutung. Mit einer Bilanzsumme von knapp 990 Milliarden Euro belegt sie unter den europäischen Geldhäusern den elften Platz, weltweit ist sie die Nummer 20. Rund 96.000 Menschen arbeiten in den mehr als 3.000 Niederlassungen in über 60 Ländern. Der Jahresgewinn stieg 2006 gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent auf knapp 4,8 Milliarden Euro.

Kurz vor der Übernahme

Doch das Plus fiel geringer aus als erwartet; vor allem Großaktionär Chris Hohn war enttäuscht. Die Eigenkapitalrendite des Unternehmens war von 29,7 Prozent im Jahr 2004 auf 20,7 Prozent gefallen. Der Chef des Hedge-Fonds TCI forderte deshalb Anfang vorigen Jahres, den Finanzkonzern zu zerschlagen. Die 1991 aus der Algemene Bank Nederland (ABN) und der Amsterdamsche- Rotterdamsche Bank (Amro) entstandene Aktiengesellschaft wird von einem Bieterkonsortium um die Royal Bank of Scotland übernommen.
„Die Struktur der neuen Gesellschaft ist noch nicht absehbar“, erklärt Önder Ciftci, Leiter der Derivateabteilung von ABN Amro in Deutschland. „Allerdings weisen die im Konsortium vertretenen Banken ein vergleichbares oder höheres Rating als ABN Amro auf.“ Die Amsterdamer Gesellschaft wird derzeit von den Rating- Agenturen Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s (S&P) als guter Schuldner bewertet. „Die Übernahme und die nachfolgende Reorganisation werden keine Auswirkungen auf ausstehende Wertpapiere und deren Verpflichtungen haben“, so Ciftci weiter.