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Ende der Rezession Italiens Banken wollen Aktien für mindestens 8 Milliarden Euro platzieren

Ganz vorne hat sich die Banca Monte dei Paschi di Siena SpA eingereiht, die älteste Bank der Welt, und von der Bilanzsumme her die Nummer 3 in Italien. Die MPS möchte bis Mai ihr Kapital um 3 Milliarden Euro erhöhen. Zwei der größten Banken in Griechenland haben diese Woche bereits 2,95 Milliarden Euro bei Aktieninvestoren eingesammelt.

Italien ist dabei, die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg hinter sich zu lassen. Die Investoren bringen dem Land wachsendes Vertrauen entgegen. Der Amtsantritt des neuen Ministerpräsidenten Matteo Renzi, der Steuersenkungen verspricht und den Arbeitsmarkt reformieren will, hat ebenfalls zur Aufhellung der Stimmung beigetragen. Seit Jahresbeginn hat der FTSE Italian All-Share Banks Index rund 25 Prozent zugelegt und damit den Bloomberg Europe Banks and Financial Services Index mit seinem Anstieg von 0,8 Prozent weit hinter sich gelassen.

“Ich rechne mit großem Appetit auf die bevorstehenden Bezugsrechtsemissionen”, sagt Emanuele Vizzini, als Chief Investment Officer für die Kapitalanlagen bei Investitori Sgr in Mailand verantwortlich. “Auch nach der jüngsten Rally sind die Aktien italienischer Banken immer noch billiger als die von Banken in anderen Peripheriestaaten.”

Vizzini erwartet, dass die Aktien für Käufer interessant sind, die sich in den vergangenen Monaten aus Schwellenmärkten zurückgezogen haben, um in Industrieländern höhere Erträge zu erzielen.

Italienische Banken haben möglicherweise mehr Aufwärtspotenzial als ihre Wettbewerber in anderen europäischen Ländern, wenn man ihre Aktienkurse in Relation zum tangiblen Buchwert betrachtet. Italienische Banken werden im Durchschnitt zum 0,86-fachen dieser Kennziffer gehandelt, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. Zum Vergleich: Bei spanischen Geldinstituten ist es das 1,34-fache.

Im Vorfeld ihrer Überprüfung durch die Europäische Zentralbank stocken einige Institute ihr Kapital schon jetzt auf. So gab die zweitgrößte griechische Bank, die Piräus Bank SA, am Mittwoch bekannt, dass sie mit der Platzierung von Aktien 1,75 Milliarden Euro eingespielt hat. Die Alpha Bank AE aus Athen ist dabei, 1,2 Milliarden Euro zu beschaffen. Im Februar platzierte Spanien für 1,3 Milliarden Euro einen Anteil von 7,5 Prozent an Bankia SA bei Investoren - der Bank aus Madrid, die gerettet werden musste.

Monte Paschi beginnt ihre Kapitalerhöhung nach dem 12. Mai, wie Vorstandschef Fabrizio Viola angekündigt hat, eine Woche nach der Banca Popolare di Milano. Banco Popolare SC will nach Aussage von Konzernchef Pierfrancesco Saviotti noch vor dem Monatsende mit einer Kapitalerhöhung im Volumen von 1,5 Milliarden Euro beginnen.

Banca Popolare di Vicenza möchte in den kommenden Monaten mit einer Aktienplatzierung eine Milliarden Euro einspielen. Daneben haben sich Banca Carige SpA, Banca Popolare di Sondrio Scrl, Credito Valtellinese Scarl und Veneto Banca SCPA Kapitalerhöhungen genehmigen lassen.

Monte Paschi hat als Konsortialbanken für ihre Kapitalerhöhung unter anderem die UBS AG sowie Mediobanca SpA mandatiert. Eine entsprechende Vereinbarung, die bereits im Dezember getroffen wurde, sei jetzt zu denselben Konditionen wieder erneuert worden, teilte MPS kürzlich mit.

Ihr größter Aktionär, die Fondazione Monte dei Paschi, hatte eine für Januar geplante Kapitalerhöhung unterbunden, weil sie keinen Käufer für ihre Beteiligung fand. Doch am 18. März gelang es der Stiftung, innerhalb weniger Stunden einen Anteil von 12 Prozent an der Bank zu veräußern, knapp die Hälfte ihrer Beteiligung. Zwischen dem 19. März und dem 24. März stieß die Vorsitzende der Stiftung, Antonella Mansi, weitere drei Prozent ab, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Während Renzi Aufbruchstimmung verbreitet, schleppt Italien allerdings noch ungelöste Probleme mit sich herum. So lag etwa im Januar der Anteil der notleidenden Kredite am gesamten Kreditvolumen bei 8,4 Prozent, wie Daten des italienischen Bankenverbands zeigen. Das waren zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor und der höchste Stand seit April 1999.

“Wir teilen den Optimismus der Investoren über das mittelfristige Ertragspotenzial der italienischen Banken nicht”, sagt Andrea Vercellone, Analyst bei Exane BNP Paribas in London.

Die Investoren schauen nicht auf die schwachen Ergebnisse. Vielmehr wetten sie auf die künftigen Erträge bevorstehender Umstrukturierungen. So stiegen etwa die Aktien der UniCredit SpA am 11. März um 6,2 - an einem Tag, an dem die größte Bank des Landes einen Rekordverlust von 15 Milliarden Euro vorgelegt hatte.

Ebenso wie Banco Popolare und Monte Paschi erhöhte auch die UniCredit im vierten Quartal die Rückstellungen für faule Kredite.

“Investoren mögen es nun einmal, wenn die Banken Frühjahrsputz machen und sie betrachten die in jüngster Zeit verbuchten Verluste als Abkehr von der herkömmlichen undurchsichtigen Buchführung”, sagt Karim Bertoni, Analyst bei de Pury Pictet Turrettini & Cie. in Genf. “Ausländische Investoren wetten auf die billigsten Banken made in Italy.”

BlackRock Inc. stockte in diesem Monat die Beteiligung an der UniCredit über ihre Fonds auf 5,2 Prozent auf und ist jetzt der größte Aktionär des Instituts. Auch bei Monte Paschi griffen die New Yorker zu: dort sind sie jetzt mit 5,75 Prozent die Nummer 2 im Aktionariat.
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