Stolls Fondsecke Energie- und Agraraktien: Mit Schmierstoff und Getreide gegen die Inflation
Anziehende Preise für Agrarrohstoffe
Sowohl Russland als auch die Ukraine gelten als Kornkammern Europas. So ist Russland der weltweit führende Weizenexporteur, während die Ukraine fünftgrößter Weizenexporteur und einer der vier größten Maisexporteure ist. Weil das Land infolge der Invasion in sämtlichen Landesteilen zerbombt wird, drohen Ausfälle durch zerstörte Felder und Infrastrukturen sowie Unterbrechungen in den Lieferketten. Derzeit sind etwa alle ukrainischen Häfen geschlossen. In Cherson liegen etliche Schiffe im Hafen fest. Im Hafen von Mykolajiw warten 17 blockierte ausländische Schiffe auf Abfertigung.
Das bedeutet, circa fünf Millionen Getreide stecken ohne Aussicht auf Export fest. Ein Umstand, der die Preise für Weizen, Mais und Soja in ungeahnte Höhen treibt. Im Augenblick des Kriegsbeginns stieg der Weizenpreis in einer ersten Reaktion rapide um über 19 Prozent. Die größten Absatzmärkte ukrainischen Getreides sind zwar China und afrikanische Staaten und nicht die EU. Fällt das Agrarland Ukraine als Exporteur aus, werden die Länder anderweitig einkaufen. Das führt unweigerlich zu Preisdruck auf dem Getreidemarkt. Russlands Invasion jagt die Weltmarktpreise weiter hoch.
Düngemittelpreise steigen
Und nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Vorprodukten wie Dünger und Saatgut. So ist der Preis für Harnstoffdünger seit Beginn der Invasion am 24. Februar um 46 Prozent je Tonne gestiegen. Laut Agrar Heute müssen Bauern hierzulande bereits mehr als doppelt so viel Geld für das Düngen eines Hektars einplanen wie in den Vorjahren. Profiteur der Misere sind Düngemittelhersteller wie Nutrien. Weltweit vertreiben die Kanadier über 25 Millionen Tonnen Kali, Phosphat- und Stickstoffprodukte. Zu den Kunden zählt die Landwirtschafts- und Futtermittelbranche, die wiederum auf die Produkte angewiesen sind.
Die Landwirtschaft steht in den nächsten Jahrzehnten eh vor immensen Aufgaben. Die Weltbevölkerung wächst in rasantem Tempo. Jedes Jahr kommen etwa 80 Millionen Menschen hinzu. Außerdem sorgt der erhöhte Lebensstandard in den Schwellenländern und die sich ändernden Essgewohnheiten für zusätzlichen Bedarf. In China hat sich der Verbrauch von Geflügel und Rindfleisch seit den 70er Jahren in etwa verfünffacht. Mit knappen Ressourcen muss immer mehr Nahrung hergestellt werden. Zudem erfordern Wetterextreme, bedingt durch den Klimawandel optimierte Anbaumethoden. Moderne Erntemaschinen, Traktoren und Mähdrescher werden heutzutage mit Sensorik ausgestattet und liefern wichtige Daten zur Dünger- und Bewässerung.
Langfristig gute Rendite: Barings Global Agriculture
Wer sein Kapital breit über die gesamte Wertschöpfungskette streuen möchte, findet im Barings Global Agriculture (ISIN: GB00B3B9VB40) einen aktiv gemanagten Klassiker, der bereits seit Januar 2009 auf dem Markt ist. Seit Auflage hat sich der Fondspreis bis heute verdreifacht. Die durchschnittliche Jahresrendite liegt bei 10 Prozent. Manager Clive Burstow verfügt über viel Erfahrung im Sektor. Er ist seit 2004 in der Rohstoffbranche beim amerikanischen Fondsanbieter mit Hauptsitz in North Carolina tätig. Bevor er 2011 zurück zu Barings ging, arbeitete er zwischenzeitlich für Black Rock und Alliance Bernstein, wo er für die Analyse von Bergbauaktien zuständig war.
GARP-Ansatz: Wachstum zu vernünftigen Preisen
Beim Kauf geeigneter Unternehmen vertraut das Managertrio, das neben Burstow aus James Govan und Piers Aldred besteht auf einen GARP-Ansatz, um wachstumsorientierte Unternehmen möglichst günstig zu erwerben. „Unsere Anlagephilosophie spiegelt unser Verständnis wider, dass die Aktienmärkte sowohl ineffizient als auch riskant sind. Unser Research-Horizont beträgt etwa fünf Jahre.
Wir sind der Meinung, dass Marktineffizienzen über diesen Zeithorizont ausgeprägter sind, was es uns ermöglicht, Unternehmen mit unerkanntem Wachstumspotenzial leichter zu identifizieren“, erläutert Burstow. Neben Nutrien (8,2 Prozent), sind der Saatgut-und Agrarspezialist Corteva (7,7 Prozent) und John Deere (6,7 Prozent), der führende Hersteller von Landwirtschaftstechnik die größten Beteiligungen. Etwas über die Hälfte der insgesamt 34 Positionen stammt aus den USA, der Rest verteilt sich hauptsächlich auf Kanada, den Niederlanden und Irland.

