Peter Dreide von der Investmentgesellschaft TBF

Peter Dreide von der Investmentgesellschaft TBF

Energiewende: „Ich kaufe Infrastrukturaktien“

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DAS INVESTMENT.com: Seit Frühjahr dieses Jahres ist die Energiewende beschlossene Sache. Eine Euro- und Schuldenkrise später fragt man sich, wie die das überhaupt finanziert werden soll?

Peter Dreide: Die Energiewende ist ein Muss. Schnell wird es jedoch nicht gehen. Und teuer wird der Umbau auch, weil die Energienetze und Kraftwerke größtenteils veraltet sind. Es muss viel investiert werden.

DAS INVESTMENT.com: Bremst die Schuldenkrise das Tempo der Energiewende nicht noch weiter ab?

Dreide: Nein, denn den Verantwortlichen in ganz Europa ist mittlerweile klar, dass der Umbau kommen muss. In Zeiten angespannter Staatshaushalte kommt es auf die Priorität des Vorhabens an. Und der Umbau hat mit die höchste Priorität.

DAS INVESTMENT.com: Und der deutsche Alleingang…

Dreide: … ist Schwachsinn. Die Energiewende muss als europäisches Großprojekt angegangen werden. Es ist einfach ineffizient in Deutschland Solar- oder Windstrom herzustellen. Stattdessen muss der Strom in Spanien, Italien und Griechenland produziert werden und dann europaweit über Stromleitungen dahin transportiert werden, wo er verbraucht wird.

DAS INVESTMENT.com: Mit dem Fonds 4Q-Smart Power investieren Sie vor allem in Unternehmen, die Produkte für die Energieinfrastruktur herstellen. Warum?

Dreide: Weil diese Unternehmen langfristig wachsen werden. Laut einer Oxford-Studie wird die Branche doppelt so stark wachsen wie traditionelle Industrieunternehmen. Der Ausbau der Energieinfrastruktur muss kommen und profitieren werden deutsche und europäische Firmen.

Zudem steht uns bei Produkten für mehr Energieeffizienz und bessere Übertragung – Stichwort Smart Grids – eine technische Revolution bevor. Kupferkabel werden durch sogenannte thermische Kabel ersetzt. Diese Umstellung wird so bedeutsam sein, wie die Umstellung der analogen Internetübertragung auf digital. Wenn künftig eine Branche wachsen wird, ist es diese. Daher kaufe ich Infrastrukturaktien.

DAS INVESTMENT.com: Und warum kaufen Sie keine Wind- und Solarunternehmen?

Dreide: Die Erneuerbaren Energien werden künftig zwar ausgebaut, davon profitieren aber vor allem Unternehmen aus Fernost. Beispielsweise kommen 80 Prozent der Solarmodule mittlerweile aus Asien und werden hier nur noch installiert.

Die europäischen Regierungen werden sich daher gut überlegen, welche Branche und damit welche Arbeitsplätze sie stärker unterstützen wollen. Und Subventionen haben natürlich einen positiven Einfluss auf die Geschäftszahlen der betroffenen Firmen.

DAS INVESTMENT.com: Mittlerweile gibt es wieder Stimmen, die eine Blase wie die Dotcom-Blase 2000 wittern. Beunruhigt Sie das?

Dreide: Überhaupt nicht, es gibt keine Technologieblase. Was es gibt, ist eine Social-Network-Blase. Da Facebook & Co. aber nur einen geringen Prozentsatz der Branchen-Indizes ausmachen, sehe ich keine Gefahr für die anderen Unternehmen. Von den Social-Network-Firmen abgesehen sind Technologieunternehmen an den Börsen derzeit so billig bewertet wie noch nie.

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