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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Huawei auf der PT Expo China Foto: imago images / VCG

USA vs. China

Entspannung nicht in Sicht

Das Pimco-Beratungsgremium „Global Advisory Board“ setzt sich aus weltweit anerkannten Experten für Politik und Wirtschaft zusammen.

- Ben Bernanke, ehemaliger Chef der US-Notenbank Federal Reserve

- Joshua Bolton, Stabschef des Weißen Hauses unter George W. Bush

- Gordon Brown, von 2007 bis 2010 britischer Premierminister

- Mark Carney, von 2013 bis 2020 Präsident der Bank of England

- Ng Kok Song, ehemaliger CIO bei Government of Singapore Investment

- Anne-Marie Slaughter, Geschäftsführerin des Thinktanks New America

- Jean-Claude Trichet, ehemaliger Präsident der Europäischen Zentralbank

Von links nach rechts (Auswahl): Ben Bernanke (Foto: imago images / Xinhua), Gordon Brown (Foto: Imago images / i Images), Mark Carney (Foto: imago images / ZUMA Press), Anne-Marie Slaughter (Foto: imago images / ZUMA Press)

Chinas Aufstieg zu einer wirtschaftlichen und geopolitischen Macht könnte durch seine rasche Erholung von der Pandemie und seine neue Wirtschaftsstrategie beschleunigt werden. Wie sind die längerfristigen Aussichten für das Reich der Mitte?

China hat sich vom Corona-bedingten Konjunktureinbruch weitgehend erholt und jüngst ein neues Wirtschaftsmodell eingeführt: Das „Dual-Circulation“-Modell (deutsch: Zwei-Kreisläufe-Modell). Ziel ist es, mehr Eigenständigkeit zu erreichen, ohne sich ganz aus der internationalen Arbeitsteilung zu verabschieden. Die chinesische Regierung möchte die Abhängigkeit der Wirtschaft von Exporten und ausländischer Technologie verringern, ihre eigenen Lieferketten stärken und den heimischen Markt als wichtigsten Wachstumsmotor etablieren. Das ist der „interne“ Kreislauf. Daneben wird Chinas Führung versuchen, diese Initiativen mit internationaler Offenheit – „externer“ Zirkulation – in Einklang zu bringen. Eine wichtige Frage ist, ob der inländische Verbrauchermarkt groß genug ist, um einen Großteil der Nachfrage aufzunehmen. Aufgrund der Pandemie und der anhaltenden Spannungen mit den USA und deren Verbündeten ist China wohl darauf vorbereitet, dass sein jährliches Trendwachstum auf vielleicht 3 Prozent fallen wird.

Chinas Staatspräsident Xi Jinping verfügt über eine beispiellose Machtfülle. Alles, was Chinas Führung mit Blick auf das politische, wirtschaftliche und finanzielle System inklusive des Wechselkurses unternimmt, dient der Vorbereitung auf einen langen geopolitischen Konflikt. Dabei versucht das Reich der Mitte nicht, sein System in die ganze Welt zu exportieren. Die Botschaft an die Industrieländer lautet vielmehr: Lasst uns mit unserem System leben, und wir lassen euch mit eurem System leben. Das ist die Grundlage für Zusammenarbeit und gegenseitigen Respekt.

Was sind die längerfristigen geopolitischen Trends und wie werden die USA und andere wichtige Wirtschaftsnationen mit China umgehen?

Protektionismus, Populismus und Nationalismus beeinträchtigen Handel und Wachstum. Wir erleben aber nicht nur eine Abnahme der internationalen Zusammenarbeit. Vielmehr kann eine ganze Reihe von Maßnahmen dazu führen, dass China vom internationalen System ausgeschlossen wird. In den USA lässt sich der außenpolitische Ansatz mit „3D“ zusammenfassen – insbesondere, wenn im November die Demokraten die Wahl gewinnen: Domestic Renewal, Deterrence and Democracy, also innere Erneuerung, Abschreckung und Demokratie.

Viele glauben, Außenpolitik beginnt im eigenen Land. Sie sind der Meinung, dass die USA höhere Investitionen in Infrastruktur, Industrie, die grüne Wirtschaft, Technologie, Innovation und Bildung brauchen – in Kombination mit dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit. Die USA möchten wie China eigenständiger werden.

Bei der Abschreckung liegt der Schwerpunkt darauf, die Kosten für aggressive oder zerstörerische Aktionen gegen die USA zu erhöhen und damit ein Signal an China, Russland, Iran und Nordkorea zu senden. Dabei gilt es zu beachten, dass sowohl ein Präsident Trump als auch ein Präsident Biden China gegenüber hart bleiben dürfte. Zwar würde Biden einen anderen Ansatz wählen und sich wahrscheinlich mehr auf Werte und Dialog konzentrieren – aber mit dem ähnlichen Ziel, China zu isolieren.

Die USA dürften sich auch an ihre Verbündeten wenden, um ihre Abschreckungsstrategie zu verstärken. Europa wird von beiden Seiten unter Druck gesetzt: Es mag China zwar zu einem strategischen Konkurrenten erklären, hat aber größere Handelsbeziehungen zum Reich der Mitte als zu den USA.

Das letzte „D“ ist Demokratie. Unter Bidens Führung werden die USA wohl eine Wertekoalition der großen Demokratien gegen China und Russland anstreben. Viele Länder auf der ganzen Welt wollen sich aber wahrscheinlich nicht für eine Seite entscheiden. Darüber hinaus stellen zunehmend viele junge Menschen – auch in den USA – die Wirksamkeit der Demokratie in Frage.

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