Entspannung voraus Auch wenn Sie es nicht glauben – unser Risikoindikator zeigt Grün

Georg Oehm gründete 2008 Mellinckrodt & Cie. und ist Verwaltungsrat der Mellinckrodt 2 SICAV in Luxemburg

Georg Oehm gründete 2008 Mellinckrodt & Cie. und ist Verwaltungsrat der Mellinckrodt 2 SICAV in Luxemburg

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Im Risikomanagement setzen wir verschiedene Systeme ein, die Indikatoren bereitstellen, damit wir uns ein Bild von den Märkten machen können, welches über eine oberflächliche Lageanalyse hinausgeht. Es gibt natürlich keinen Masterindikator. Die Informationslage ist eher wie im Cockpit eines Flugzeugs. Auch dort stehen zahlreiche Instrumente zur Verfügung. Manche werden regelmäßig gebraucht, andere seltener. Aber am Ende entscheidet – wie im Flugzeug – auch bei uns der Mensch und der kann sich bei der Interpretation von Indikatoren auch irren.

Nachfolgend eine kurze Erläuterung zu einem von uns mit Interesse verfolgten Risikoindikator, der über eine lange Historie verfügt und bisher sehr gute Hinweise zum Marktrisiko gegeben hat.

1. Kurse

Es ist zwar eine Plattitüde, aber es stimmt: Kurse machen Nachrichten – nicht Nachrichten Kurse. Der Ablauf ist immer gleich. Wichtige Kurse verändern sich und im Anschluss suchen die Volontäre der Nachrichtenredaktionen in den Agenturmeldungen nach Erklärungen. Gerade dann, wenn sich keine finden, werden langjährige Beobachter besonders aufmerksam.

2. Indikatoren

Kurse entstehen aufgrund der Handlung von Akteuren, seien es Privatpersonen, Institutionelle Anleger oder Automaten (auch Algorithmen genannt). Und alle drei Gruppen verwenden – bewusst oder unbewusst – auch Indikatoren, die sie bei ihren Entscheidungen beeinflussen. Die viel erwähnten (in ihrer Bedeutung aber wohl stark überschätzten) 50-, 100- oder 200-Tageslinien in den Charts gehören beispielsweise dazu. Relative Stärke, relative Schwäche, Bollingerbänder, Advance-Decline und vieles mehr genauso. Die Vielfalt der Indikatoren hält von der Anzahl her mit der Auswahl in einem gut sortieren Weingeschäft locker mit.

3. Risiko und der Aktienmarkt (kurz und knapp)

Die Grundlagen legte Harry Markowitz mit seinem Basismodell. Das sogenannte CAPM beschreibt, wie Investoren verschiedene Anlagen kombinieren, um ihr Portfolio zusammenzustellen. Den Nobelpreis gab es dafür, dass die verschiedenen anlagespezifischen Renditen mit dem jeweiligen anlagespezifischen Risiko kombiniert werden. Risiko nach Markowitz ist relativ einfach definiert: hohe Wertschwankungen = hohes Risiko, niedrige Wertschwankungen = niedriges Risiko.

William F. Sharpe (auch Nobelpreis) empfahl, immer dann eine Aktie zu einem Portfolio hinzuzufügen, wenn die Zusatzerträge nicht mit denjenigen des Portfolios korreliert sind. Je geringer die Korrelation der Erträge, desto interessanter ist die Einbeziehung einer neuen Anlage in ein bestehendes Portfolio.

Als drittes zu nennen ist Barra. Nicht Mary Barry, CEO von GM, sondern Barra, das weltführende Unternehmen für Systeme zum Risikomanagement, welches nach der Übernahme in 2004 heute zu MSCI gehört. Die Wahrscheinlichkeit, dass große Institutionen ihre Entscheidungen über Aktienanlagen treffen, nachdem Barra-Systeme dazu befragt wurden, ist wohl größer als die Wahrscheinlichkeit, dass Bayern München Deutscher Fußballmeister wird.