Man sagt, Anleger wären ziemlich besorgt über die mangelnde Liquidität. Erschwert das nicht Investitionen in diese Märkte?

Eines der Risiken, die im Zusammenhang mit Grenzmärkten häufig genannt werden, bezieht sich auf die Liquidität, die sich ja durchaus auch als zweischneidiges Schwert erweisen kann. Die geringe Investitionsbasis unterentwickelter Märkte kann den Kauf oder Verkauf einer Aktie zum gewünschten Zeitpunkt und zu einem fairen Marktpreis sehr erschweren.

Zugleich aber erweist sich der Liquiditätsmangel oft auch als Vorteil, weil wir Aktien, die uns attraktiv erscheinen und für die sich sonst niemand interessiert, sehr günstig erwerben können. Häufig dauert es länger, bis eine Position in einer bestimmten Aktie aufgebaut ist (manchmal mehrere Monate lang), doch sobald der Markt den Wert dieser Unternehmen erkennt, erscheint der Besitz von Aktien, deren Wert gestiegen ist, natürlich sehr wünschenswert.

Wie sieht Ihr Risikomanagement aus, um fundamentale Risiken im Zusammenhang mit Frontier Markets unter Kontrolle zu halten?

Wie wir in mehreren Jahrzehnten Anlagetätigkeit in Emerging Markets wissen, kann es keinen Ersatz für die Kenntnis lokaler Gepflogenheiten geben. Das gilt genauso, wenn nicht noch mehr, für Frontier Markets.

Ein ganz besonderer Aspekt unseres Investitionsansatzes ist unsere Präsenz vor Ort, die es uns ermöglicht, Risiken nicht nur durch die Kenntnis von Sprache, Politik und Kultur vor Ort abzubauen, sondern auch die Unternehmen und ihr Marktumfeld direkt zu sondieren. Dazu organisieren wir Treffen mit der Geschäftsleitung von Unternehmen, beschäftigen uns mit den Auswirkungen lokaler Vorschriften und sprechen mit lokalen Kunden und Mitbewerbern. Moderne Technologien helfen uns beim Informationsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen überall auf der Welt, können aber Research aus erster Hand nicht ersetzen.

So intensiv unser Prozess auch ist, kann er doch keinen Erfolg garantieren und die Anlagerisiken natürlich nicht beseitigen. Anders als die Risiken entwickelter Märkte sind die Risiken der Frontier Markets noch nicht durchgehend erforscht. Und hier setze ich mit meinem Team an. Häufig werden politische Risiken als Probleme in neuen Märkten genannt, weil sie zu Volatilität führen können. Ebenso bieten sie aber auch Chancen.

Korruption stellt auf praktisch allen Märkten ein Problem dar, kann aber natürlich bei entsprechender Konzentration von Macht und Ressourcen in den Händen einiger weniger und wenn Strafen nicht einheitlich verhängt werden, virulent werden. Die aus meiner Sicht gute Nachricht lautet, dass heute offen über Korruption gesprochen wird – immerhin ein erster richtiger Schritt zu einem gerechteren und ausgewogeneren System.

Manchmal erachten wir bestehende Risiken als allzu groß. Unsere vorrangige Sorge gilt dabei den Themen Kapitalverkehrskontrollen und Enteignung. Wir müssen bei Bedarf unser Geld aus einer Investition auch wieder heraus bekommen können. Das hat sich zwar bisher in den meisten Ländern, in denen wir investiert sind, noch nicht als gravierendes Problem erwiesen, ist uns als Gefahr aber natürlich stets bewusst.

Welche der Grenzmärkte haben Ihrer Ansicht nach langfristig das beste Potenzial, in Zukunft zu bedeutenden Grenzmärkten aufzusteigen?

Wir sehen weltweit sehr viele Grenzmärkte, aber ein besonders dicht sind die Chancen unserer Ansicht nach ganz allgemein in Afrika, weil dieser Kontinent ein eigenes Investitionsziel darstellt, das wir auch mit besonderem Interesse beobachten. Eigentlich sind abgesehen von Südafrika alle afrikanischen Länder als Frontier Markets einzustufen. Uns gefallen in Afrika vor allem Nigeria, Kenia und Ghana. Weitere interessante Märkte sind aber auch Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Rumänien, Kasachstan und Vietnam.