Während an den Börsen die üblichen Verdächtigen wie Nvidia, Amazon und Co. die Schlagzeilen dominieren, vollzieht sich im Hintergrund eine interessante Entwicklung: Immer mehr Anleger entdecken Equal Weight ETFs für sich. Doch was steckt hinter diesem Konzept, das die klassische ETF-Philosophie auf den Kopf stellt?

Was sind Equal Weight ETFs?

Equal Weight ETFs unterscheiden sich fundamental von klassischen ETFs durch ihre Gewichtungsmethode. Während traditionelle ETFs ihre Positionen nach Marktkapitalisierung gewichten, verfolgen Equal Weight ETFs einen anderen Ansatz: Jede Aktie erhält unabhängig von ihrer Marktgröße die gleiche Gewichtung im Portfolio.

Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich: Im klassischen S&P 500 machen die Top-10-Unternehmen etwa 32 Prozent des Index aus, während sie im S&P 500 Equal Weight Index nur 2,3 Prozent ausmachen. Jedes Unternehmen wird hier mit etwa 0,2 Prozent gleich gewichtet.

 

Sind Equal Weight ETFs sinnvoll?

Die Stärken:

  1. Verbesserte Diversifikation
    Anders als bei klassischen ETFs dominieren bei Equal Weight ETFs nicht wenige Großunternehmen das Portfolio. Dies führt zu einer echten Streuung des Anlagerisikos.
  2. Reduzierte Sektorabhängigkeit
    Während im MSCI World der Technologiesektor mit über 23 Prozent dominiert, sorgt die Gleichgewichtung für eine ausgewogenere Verteilung über alle Branchen.
  3. Geografische Ausgewogenheit
    Die typische US-Dominanz wird deutlich reduziert. Im MSCI World Equal Weight Index liegt der US-Anteil bei etwa 42 Prozent statt 71 Prozent im klassischen Index.
  4. Automatischer Rebalancing-Effekt
    Durch regelmäßige Anpassungen werden Gewinne bei stark gestiegenen Aktien realisiert und bei gefallenen nachgekauft - ein natürlicher antizyklischer Effekt.

Die Schwächen:

  1. Höhere Kosten
    Das regelmäßige Rebalancing verursacht Transaktionskosten, die sich in höheren Gebühren niederschlagen können.
  2. Performancenachteile in bestimmten Marktphasen
    Besonders wenn große Technologiewerte den Markt dominieren, bleiben Equal Weight ETFs in der Rendite oft zurück.
  3. Erhöhte Volatilität
    Durch den größeren Anteil kleinerer Unternehmen können die Kursschwankungen stärker ausfallen.

Aktuelle Entwicklung

Die zunehmende Dominanz der Tech-Giganten bewegt den Markt: Die „Glorreichen Sieben“ machen mittlerweile 37 Prozent des S&P 500 aus – ein historischer Höchststand. Dies führt zu wachsendem Interesse an Equal Weight Strategien.

Doch die wachsende Bedeutung von Equal Weight ETFs ist kein Zufall. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich der Ansatz besonders in bestimmten Marktphasen bewährt hat. 

 

Historische Performance im Vergleich

Die Performance-Unterschiede zwischen klassischen und Equal Weight ETFs zeigen sich besonders deutlich in extremen Marktphasen. So erwies sich die Gleichgewichtung während der Dotcom-Blase (2000 bis 2002) als vorteilhaft: Der S&P 500 Equal Weight verlor deutlich weniger als sein klassisches Pendant, da er weniger stark in überbewertete Technologieaktien investiert war.

5 Equal Weight ETFs und ihre Performance 

Weitere Informationen
Quelle Fondsdaten: FWW 2026

1. VanEck Sustainable World Equal Weight UCITS ETF:

Dieser ETF (ISIN: NL0010408704) bildet den Solactive Sustainable World Equity Index nach und investiert gleichgewichtet in nachhaltige Aktien aus entwickelten Ländern. Mit einer TER von 0,22 Prozent und einem Fondsvolumen von 727 Millionen Euro hat der Fonds in den letzten fünf Jahren eine beachtliche Rendite von 62,36 Prozent erzielt.

2. Xtrackers S&P 500 Equal Weight UCITS ETF 2D:

Ein noch junger ETF (ISIN: IE000CXLGK86), der den S&P 500 Equal Weight Index abbildet und dabei jedem der 500 US-Unternehmen die gleiche Gewichtung gibt. Der Fonds, der seit März 2023 am Markt ist, weist eine TER von 0,22 Prozent auf und verwaltet 359 Millionen US-Dollar.

3. Amundi US Tech 100 Equal Weight UCITS ETF:

Dieser Fonds (ISIN: IE000Y9MG996) konzentriert sich auf die 100 größten Technologieunternehmen der Nasdaq und gewichtet diese gleichmäßig. Mit einer sehr günstigen TER von 0,08 Prozent und einem Fondsvolumen von knapp 500 Millionen US-Dollar bietet er eine interessante Alternative zu marktkapitalisierungsgewichteten Tech-ETFs.

4. Amundi BB Equal-weight Commodity ex-Agriculture UCITS ETF:

Ein Rohstoff-ETF (ISIN: LU1829218749), der den Bloomberg Energy and Metals Equal Weighted Index nachbildet und dabei Agrarrohstoffe ausschließt. Mit einer TER von 0,30 Prozent und einem beachtlichen Fondsvolumen von 1,1 Milliarden Euro hat der Fonds in den vergangenen fünf Jahren eine Rendite von 60,44 Prozent erzielt.

5. iShares S&P 500 Equal Weight UCITS ETF:

BlackRocks Antwort auf die Nachfrage nach gleichgewichteten S&P 500-Investments wurde im August 2022 aufgelegt. Der ETF (ISIN: IE000MLMNYS0) verwaltet bereits 4,3 Milliarden US-Dollar und kommt mit einer wettbewerbsfähigen TER von 0,22 Prozent.

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Außerdem hat auch Invesco jüngst mit dem „Invesco S&P 500 Equal Weight Swap ETF“ einen neuartigen ETF aufgelegt, der genau diesen Ansatz verfolgt.

Der Corona-Crash als Lehrstück

Die Erholung nach dem Corona-Crash zeigt eindrucksvoll die besonderen Eigenschaften von Equal Weight ETFs. Während der S&P 500 zwischen März 2020 und Juni 2021 stark von den Tech-Giganten getrieben wurde, zeigte sich beim S&P 500 Equal Weight ein anderes Bild. Nach anfänglicher Underperformance holte der gleichgewichtete Index ab November 2020 deutlich auf.

Dies lag vor allem daran, dass nun auch klassische Industrien, Banken und kleinere Unternehmen von der wirtschaftlichen Erholung profitierten.

Der Equal Weight S&P 500 konnte seit der Corona-Pandemie den S&P 500 outperformen.
Der Equal Weight S&P 500 konnte seit der Corona-Pandemie den S&P 500 outperformen. © VanEck

Die aktuelle Tech-Rally als Gegenbeispiel

Die jüngste Entwicklung an den Märkten zeigt allerdings auch die Schattenseiten der Gleichgewichtung: Im Zuge der KI-Euphorie und der dominanten Performance der „Magnificent Seven“ blieben Equal Weight ETFs 2023 deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurück.

Fazit des Experten

„Equal Weight ETFs sind keine bessere oder schlechtere Strategie – sie sind einfach anders“, erklärt Dmitrii Ponomarev, Produktmanager bei VanEck. „In Zeiten, in denen die Aktienmärkte zunehmend konzentriert sind, werden gleichgewichtete Strategien aufgrund ihrer Diversifizierung immer relevanter. Anleger sollten jedoch die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen und sich bewusst sein, dass auch gleichgewichtete Strategien vom Aktienmarktrisiko betroffen sind.“

Sein Fazit: „Die Wahl zwischen marktgewichteten und gleichgewichteten ETFs sollte letztlich von den individuellen Anlagezielen und der persönlichen Risikotoleranz abhängen.“