Nur 7 bis 10 Prozent der britischen Haushalte kommen in den Genuss von Finanzberatung, sagt Standard-Life-Manager Christian Nuschele. Foto: Rüdiger Glahs

Nur 7 bis 10 Prozent der britischen Haushalte kommen in den Genuss von Finanzberatung, sagt Standard-Life-Manager Christian Nuschele. Foto: Rüdiger Glahs

Erfahrungsbericht

Die negativen Folgen des Provisionsverbots

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Das Provisionsverbot in Großbritannien funktioniert, jedoch nur für die Wohlhabenden. Auf einer Tagung des Versicherungsmakler-Verbands VDVM, über das das Branchenportal Versicherungsjournal.de berichtet, sprach Standard-Life-Manager Christian Nuschele über die Erfahrungen mit den Auswirkungen des Verbots auf der britischen Insel.

Die Zahl der Finanzberater sei durch das britische Verbot von 280.000 auf 35.000 zurückgegangen, so Nuschele. Neben der verminderten Nachfrage nach Beratung seien auch verschärfte Qualifikationsanforderungen an Berater ein Grund gewesen: Großbritannien hat keine „Alte-Hasen-Regelung“ zugelassen -  also die Möglichkeit zum Fortführen der Tätigkeit für Branchenteilnehmer mit langjähriger Berufserfahrung.

Gut für die verbliebenen Makler, schlecht für die Masse der Bevölkerung

Folge des Provisionsverbots für Vermittler auf der Insel sei, dass der Beratungsmarkt den meisten Menschen verschlossen bliebe: Einerseits scheuten Verbraucher davor zurück, für Finanzberatung ein Honorar zu zahlen. Andererseits erwarteten Makler in der Regel auch ein hohes Geschäftsvolumen, um für einen Kunden tätig zu werden. Auf diese Weise erreiche die Finanzberatung in Großbritannien nur noch 7 bis 10 Prozent der Haushalte, so Nuschele.

Für die verbliebenen Makler hingegen sei die Situation komfortabel. Mit durchschnittlich 150 wohlhabenden Kunden erarbeite sich der Makler eine auskömmliche Summe.

Seit zum 1. Januar 2013 die „Retail Distribution Review“ (RDR) in Kraft trat, dürfen britische Makler bei Verkauf von Fondsanteilen oder Versicherungen keine Provisionen mehr empfangen. Nachdem die britische Finanzaufsicht und das Finanzministerium in letzter Zeit laut Zweifel an seinen positiven Wirkungen geäußerten hatten, könnte das Provisionsverbot demnächst möglicherweise wieder gelockert werden.

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