Frauen & Geld Podcast | Folge 18 Erfolgreich investieren: Darauf ist in einer Finanzberatung zu achten

Annika Görner neben Anissa Brinkhoff, Podcast-Host von Frauen & Geld
Annika Görner von Finanztip weiß, worauf es bei einer Finanzberatung ankommt.
© Katharina Brösing | mjnt
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Anissa: Welche Art von Finanzberatung hast du persönlich schon mal in Anspruch genommen? Kannst du mal so ein bisschen aus deiner Situation erzählen?

Annika: Ich hoffe, ich enttäusch dich da jetzt nicht. In Sachen Finanzen bin ich ehrlich gesagt der Meinung, dass man das auch gut selber machen kann, wenn man sich vorher gut informiert. Also jedenfalls was die Geldanlage betrifft. Dann habe ich ein bisschen überlegt, inwiefern ich Beratungen gemacht habe, und da ist mir meine Baufinanzierung eingefallen. Weil, um da einen guten Zinssatz zu bekommen, musst du zu einem Kreditvermittler gehen und dich da beraten lassen. Das war vor ungefähr drei Jahren, da habe ich eine Immobilie gekauft. Da saß ich vor diesem Kreditvermittler und hab versucht, einen möglichst guten Zinssatz zu bekommen, um eben nicht Tausende Euro zu viel zu zahlen.  

Anissa: War die Situation angenehm für dich, und du hast dich gut beraten und gewertschätzt gefühlt?  

Annika: Ja, das war tatsächlich wirklich eine gute Erfahrung. Aber natürlich auch für mich persönlich nicht ganz einfach. Das ist, so würde ich sagen, wahrscheinlich die größte finanzielle Entscheidung meines Lebens. Und für mich war das Thema Baufinanzierung auch absolut neu. Also da kamen so Begriffe wie Sondertilgung, Eigenkapital, Kaufnebenkosten. Und ich natürlich, wie es mein Anspruch ist, war irgendwie dabei mich da einzulesen und dachte irgendwann: Okay, mir schwirrt so ein bisschen der Kopf. Dann war eben dieses Gespräch und da hatte ich mir vorgenommen, wirklich alle Fragen zu stellen, die ich tatsächlich habe. Und es waren viele. Der Berater war super. Also der ist wirklich auf alles eingegangen, war an keiner Stelle irgendwie ungeduldig. Also das muss ich sagen, war für mich echt eine super Erfahrung.  

Wichtig: Eine Beratung auf Augenhöhe

Anissa: Da habe ich so ein bisschen das Pendant dazu als Erlebnis. Ich glaube, das war vor so sechs oder sieben Jahren bei meiner Hausbank. Damals war ich gerade mit dem Studium fertig oder am Anfang vom ersten Job. Und habe eine Einladung zum Beratungsgespräch bekommen von einem Berater, der auf jeden Fall jünger war als ich und mich aber so von oben herab behandelt hat, als wäre ich wirklich schwer von Begriff. Ich hatte auch keine Ahnung von Finanzthemen oder von Finanzbildung, definitiv. Also ich habe nicht viel verstanden von dem, was er mir da erklärt hat. Aber es ist trotzdem keine Entschuldigung, mich so zu behandeln und vor allem hat das auch nicht dazu geführt, dass ich mich wohlgefühlt habe in dieser Situation. Ich habe in dem Termin zum Glück überhaupt nichts abgeschlossen und bin auch nie wieder ins Telefon gegangen, wenn der angerufen hat, weil ich dachte, ich möchte nie wieder in so einer unangenehmen Situation sein. Kennst du solche Situationen, vielleicht auch aus deiner journalistischen Arbeit, dass Menschen erzählen, dass es immer noch diese Art von Beratungsgefühl gibt? 

Annika: Super unschönes Erlebnis. Und ja, ich habe das schon ein paar Mal gehört, dass so eine Beratung stattfindet, die eben nicht auf Augenhöhe ist, sondern auch gefühlt sehr bewertend. Natürlich schafft das keine Atmosphäre, in der ich jetzt denke: Oh ja, das ist ein Moment, wo ich dieses Produkt abschließen möchte. Deswegen verstehe ich es eigentlich auch aus Berater:innensicht, nicht, dass so etwas stattfindet. Niemand hat am Ende was davon. Ich weiß nicht, ob die Leute dann nicht gut geschult sind oder einen schlechten Tag haben. Ich weiß es nicht, aber ja, ich habe das schon einige Male gehört. Und was ich auch öfter gehört habe, ist dass wenn Mann und Frau quasi vor einem Berater oder einer Beraterin sitzen, dass mit dem Mann gesprochen wird. Als ich damals dieses Baufiegespräch hatte, habe ich deswegen darauf explizit geachtet. Ich fand das total faszinierend, weil er tatsächlich echt abwechselnd uns beide beim Sprechen angeguckt und integriert hat. Aber es war auch noch ein recht junger Mensch. Ich glaube, dass der auch noch super motiviert war und dass es vielleicht die ersten Gespräche waren. So kann ich mir das erklären. Aber es war super sympathisch und auch absolut auf Augenhöhe. Wir haben so viele Fragen gestellt und er hat sich so viel Zeit genommen und auch nach dem Gespräch haben wir uns immer wieder mit Fragen gemeldet und das war voll fein. Aber das, was du geschildert hast, geht natürlich gar nicht.  

Den eigenen Beratungsbedarf festlegen

Anissa: Also es gibt definitiv zwei Arten von Situationen, die man erleben kann. Man muss auch einfach sagen, es ist okay zu gehen, wenn ich in einer Situation bin, in der ich mich nicht wertgeschätzt oder wohlfühle. Dann sollte man auch einfach gehen. Wie kann man denn erstmal grundsätzlich herausfinden, zu welcher Art von Beratung ich gehen will oder was überhaupt gerade mein Bedürfnis ist, je nachdem, ob ich jetzt an meinen Geldglaubenssätzen arbeiten möchte oder an meiner Altersvorsage. Also wie gehe ich da ran, wenn ich sage, ich möchte mir Hilfe holen bei dem Thema?  

Annika: Ganz egal, welche Art von Beratung ich suche, das Wichtigste ist erst mal, dass es sich wirklich um eine seriöse und auch unabhängige Beratung handelt. Dann muss ich auch gucken, dass das Angebot zu mir individuell passt. Also ich persönlich wäre jetzt nicht der Typ, der bereit ist, Geld zu zahlen, um an meinen Geldglaubenssätzen zu arbeiten. So eine Honorarberaterin, die noch mal final auf meine Altersvorsorge schaut, fände ich persönlich sinnvoller.  

Anissa: Wenn ich zum Beispiel ganz vorne anfangen und an meinem Money Mindset arbeiten will und auch erstmal Grundlagen aufbauen muss, dann gehe ich wahrscheinlich nicht direkt zur Honorarberaterin, sondern muss erstmal ein bisschen an mir selber arbeiten. Da stehen solche Sachen zur Auswahl wie Events nur für Frauen, Bücher, Coachings und so weiter. Und wie du bereits meinst: Auch dabei ist es wichtig, rauszufinden, was ist denn seriös, was ist überhaupt das Geld wert. Wie bewertest du solche Angebote und wie gehst du da ran auch als Journalistin, um zu gucken, was das Geld wert ist am Ende?  

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Annika: Also grundsätzlich: Ich find's toll, dass es immer mehr Angebote für Frauen gibt. Weil es auch immer mehr Frauen erreicht und immer mehr Frauen motiviert, sich mit dem Finanzthema zu beschäftigen und es immer weniger, sag ich mal, zur Männerdomäne wird. Welches Angebot ich nutze, finde ich, ist absolut Typ-Sache und hängt auch von der eigenen Lebenssituation ab. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an eine Frau aus unserer Geldreise-Podcast-Community. Die hat uns geschrieben: Ey, ich bin so dankbar für euren Podcast, weil ich kann den immer bei der Einschlafbegleitung meines Kindes hören. Also da passt dann das Medium in dem Moment absolut zur Lebenssituation. Ich denke aber, es gibt natürlich auch Frauen, die sagen, Podcast hören allein in meinem Kämmerlein, ist so gar nicht meins. Ich gehe lieber auf ein Event, da kann ich mich direkt austauschen und mich motiviert es auch, das mit anderen Frauen gemeinsam machen zu können. Und da ist es, glaube ich, wirklich immer wichtig zu gucken, wer dahintersteht und welche Interessen diese Person letzten Endes verfolgt. Gerade so Anlagetipps auf Social Media, sieht ja auch die BaFin, also die Deutsche Bankenaufsicht, durchaus kritisch. Also es gibt gute Infos mit seriösem Hintergrund, aber es gibt auch einfach zig Dinge, die falsch sind. 

Anissa: Was sind denn Red Flags deiner Meinung nach?  

Annika: Werde reich in drei Tagen. Da würde ich schon sagen, nee, nee, komm.  

Eine unabhängige Beratung erkennen

Anissa: Oder wenn dir nur ein einziges Produkt empfohlen wird: Kauf diese Aktie um irgendwieDavon würde ich auch eher Abstand von halten. Unabhängigkeit ist immer so ein großes Wort bei Beratung. Auch wenn man einfach nur Finanzberatung googelt, dann liest man das x-mal, wer das alles anbietet. Gibt es überhaupt unabhängige Finanzberatung? 

Annika: Man muss ja sagen, für viele, ich glaube für uns beide vermutlich jetzt nicht, weil wir uns so viel mit dem Thema beschäftigt haben, aber für viele ist ja die Bank dann doch immer noch die erste Anlaufstelle in Gelddingen. Ich habe das zum Beispiel bei meiner Schwester gesehen, wo ich immer noch denke, warum geht meine Schwester zur Bank und lässt sich da beraten, obwohl sie eigentlich mich hätte? Na gut. Aber viele machen das, weil das immer noch so gelernt ist. Dann startet man von klein auf mit dem Kinderkonto und bekommt dann auch noch so Versprechen wie kompetente Beratung, maßgeschneiderte Produkte und wir sind der verlässliche Partner an ihrer Seite. Und dann ist die Beratung auch noch vermeintlich kostenlos. Also eigentlich klingt das erstmal super. Das Ding ist nur, Bankberaterinnen sind super oft in einem Interessenkonflikt. Auf der einen Seite müssen sie Finanzprodukte finden, die zum Leben der Kundinnen passen – das ist schon auch deren Aufgabe. Auf der anderen Seite will eine Bank auch Gewinne erwirtschaften. Und das geht natürlich, indem sie dann Kundinnen vor allem Finanzprodukte anbieten, die der Bank auch eine hohe Provision versprechen und dann auch mit hohen laufenden Kosten eventuell daherkommen. Und dann gibt es auch noch den Fall, dass der Verdienst davon abhängig ist, wie viel so eine Beraterin am Ende verkauft. Also sie hat als Monatsziele dann zum Beispiel eine bestimmte Anzahl an Riester-Verträgen, die sie verkaufen soll. Und dann kriegt vielleicht die nächste Person, die reinkommt, einen Riester-Vertrag vorgeschlagen, obwohl das dann gar nicht passt. Ich finde da jetzt von unabhängig zu sprechen super schwierig. Weil klassischer Interessenkonflikt und ob ich da immer das Produkt bekomme, was jetzt gerade zu mir passt und auch noch das Günstigste ist, das wage ich zu bezweifeln. Also nicht überall, wo jetzt unabhängig drauf steht, ist auch unabhängig drin. 

Anissa: Würde ich jetzt auch sagen, unabhängig und Banken ist auf jeden Fall ein bisschen schwierig. Gibt es grundsätzlich Situationen, in denen man sagen kann: Okay, ich gehe trotzdem mal zu meiner Hausbank, weil vielleicht kennen die mich seit dem Mäusekonto oder so? Oder würdest du sagen, oh, lieber grundsätzlich gar nicht?  

Annika: Also ich muss sagen, ich für mich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal in einer Bankfiliale drin war. Ich habe das alles online. Selbst wenn ich überlege, wie meine Bankberaterin heißt, ich weiß es nicht. Ich mach das eigentlich alles selber. Aber wenn man jetzt sagt, man möchte das wahrnehmen, es gibt Leute, die sagen, ich find's trotzdem interessant, mir das mal anzuhören. Kann man natürlich auch machen. Haben wir bei uns im Podcast auch mal ausprobiert, ein bisschen Mystery Shopping. Wir sind in die Bankfiliale gegangen und haben geguckt, was da so passiert. Da ist eben absolut mein Tipp, sich vorher zu überlegen, was genau ist mein Ziel? Also was möchte ich aus diesem Gespräch mitnehmen? Dann natürlich auch zu überlegen, wie risikobereit bin ich? Dann, wie ich das auch in meinem Beratungsgespräch gemacht habe, fragen, fragen, fragen alles, was ich nicht verstehe, bitte erklären lassen und insbesondere auch das Thema Kosten. Fragen, wo steht hier, was mich das kostet, damit ich da nicht draufzahle? Und dann auch noch, wenn ich ein Angebot bekomme, bitte nicht direkt unterschreiben. Bitte mit nach Hause nehmen und in Ruhe überlegen, macht es jetzt für mich Sinn – warum? Und sowieso finde ich immer, wenn im Finanzbereich irgendwo Druck aufgebaut wird wie: Morgen ist das Angebot nicht mehr da, würde ich immer sagen, Vorsicht, Vorsicht. Ich finde Geldanlage ist nichts, was man von heute auf morgen entscheiden muss. Da kann man auch in kleinen Schritten loslegen und sich vorher auf jeden Fall auch damit beschäftigen und einlesen.  

Das restliche Interview hört ihr [hier]. 

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