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Aktualisiert am in Produkt im FokusLesedauer: 6 Minuten

Experten-Produktcheck Ergo-BU: Verbesserungen reichen nicht für Maklerempfehlung

Tobias Bierl
Tobias Bierl ist der Experte in Sachen Berufsunfähigkeitsversicherung bei DAS INVESTMENT. | Foto: Foto: Finanzberatung Bierl GmbH / Jessica Rollinger mit Canva

Die Ergo hat im April ein umfangreiches Update ihrer Selbstständigen-Berufsunfähigkeitsversicherung (Blog-Beitrag hier) herausgebracht. Das war in meinen Augen auch bitter nötig, da mich einige Punkte sehr störten.

Ergo setze bisher vor allem auf günstige Prämien

Die BU-Versicherung der Düsseldorfer dürfte für viele Versicherungsvermittler bisher in der Kategorie „Nicht Fisch, nicht Fleisch" landen. Auffallend waren in bestimmten Berufsgruppen die im Marktvergleich extrem günstigen Preise. Nach meinem Kenntnisstand ist es auch das Ziel der Ergo, für manche Berufe immer der günstigste zu sein. Da wir nicht über den Preis, sondern über die Bedingungen und technische Ausgestaltung beraten und letztendlich verkaufen, überzeugte uns dies aber bisher nicht. Nun wurden zwei große Kritikpunkte mit der technischen Ausgestaltung, den Gesundheitsfragen und den Konfigurationsmöglichkeiten verbessert. Zudem gab es weitere kleinere Anpassungen, die positiv zu bewerten sind.

Umfangreiche Überarbeitung der Gesundheitsfragen

Bei unseren Interessenten und Kunden gibt es in Hinblick auf die BU-Versicherer die immer gleiche Befürchtung, dass trotz brav gezahlter Beiträge im Leistungsfall der Anbieter irgendeinen Vorwand findet, nicht einzustehen. Eine große Rolle spielen hierbei aus Kundensicht sicherlich die Gesundheitsfragen und somit die potenzielle vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung. 

Bisher war die Gesundheitsprüfung der Ergo so aufgebaut, dass man als durchschnittlicher Versicherungsnehmer durchaus Stolperfallen erkennen konnte. Es gab nämlich die offene Gesundheitsfrage über fünf Jahre in der Formulierung: „Gibt es – oder gab es in den letzten fünf Jahren – Krankheiten, Funktionsstörungen oder Behandlungen in folgenden Bereichen:...?“ Der Abfragezeitraum von fünf Jahren beschränkte sich also nicht nur auf Arztbesuche, sondern auch auf Krankheiten und Funktionsstörungen, deretwegen man nicht beim Arzt gewesen sein muss. Bei der Psyche wurde diese Frage sogar auf zehn Jahre ausgedehnt.

Keine Abfrage mehr vor Krankheiten ohne Arztbesuch

Jetzt gibt es eine erhebliche Verbesserung der Antragsfragen: „Sind Sie aktuell oder waren Sie in den letzten fünf Jahren bei Ärzten oder Therapeuten (Physiotherapeuten, Krankengymnasten, Osteopathen, Heilpraktiker) in Behandlung, Untersuchung oder Beratung?“ Somit gibt es keinen umfangreichen Abfragezeitraum mehr von fünf Jahren bei Erkrankungen, deretwegen man nicht beim Arzt war. Eine offene Fragestellung nach Beschwerden gibt es aber weiterhin, diese ist auf marktübliche sechs Monate beschränkt. Im Sinne des Kollektivs ist dies durchaus eine sinnvolle Sache. Leider gibt es aber weiterhin eine offene Zehn-Jahres-Frage bei psychischen Beschwerden, diese ist im Marktvergleich extrem umfangreich. Der Trend geht bekanntlich eher in Richtung drei Jahre (die Gothaer war hier der Vorreiter). 

Verkürzter Gesundheitsfragen für junge Leute überzeugen nicht

Ähnlich wie die Baloise, Dialog, Nürnberger oder LV 1871 bietet die Ergo der jüngeren Generation verkürzte Gesundheitsfragen an. An sich eine positive Sache, die Ausgestaltung überzeugt mich persönlich aber überhaupt nicht. Die obige Hauptfrage mit dem Fünf-Jahres-Zeitraum bleibt identisch, ebenso werden auch psychische Beschwerden weiterhin zehn Jahre abgefragt. Ich muss schon mit der Lupe suchen, um eine erhebliche Verbesserung gegenüber der normalen Ergo-Gesundheitsprüfung zu finden. Haken wir es unter dem Motto „Marketing für den Versicherer“ ab. Bei anderen Versicherern ist die Umsetzung ein echter Mehrwert.

Erhöhung der ärztlichen Untersuchungsgrenzen

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Bisher lag die Grenze, ab der eine ärztliche Untersuchung bei Antragstellung stattfinden musste, bei einer Absicherungssumme von 2.500 Euro. Diese wurde erhöht auf 3.000 Euro. Damit liegt die Ergo im Trend des Marktes. Auch Axa und Stuttgarter bewegten sich zuletzt in diese Richtung. Generell gibt es nun auch nur noch zwei statt zuvor drei Untersuchungsgruppen: über 36.000 und über 90.000 Euro Jahresrente.

Anhebung und Verbesserung der Erhöhungsmöglichkeiten

Wie ein roter Faden zieht sich bei den Verbesserungen der einzelnen Tarife im Markt auch das Thema Nachversicherung. Dies ist auch dringend erforderlich, da teilweise die maximalen Erhöhungsmöglichkeiten bei weitem nicht mehr bedarfsgerecht sind. Sie wurden in den vergangenen zehn Jahren trotz Inflation und dem damit verbundenen Kaufkraftverlust nicht angepasst. Bei der Ergo lag die magische Grenze bei 2.500 Euro, darüber hinaus gab es keine Erhöhungsmöglichkeit. Nun kam etwas Bewegung in diese Sache mit folgenden Verbesserungen:

  • Die Deckelung wurde auf 42.000 Euro im Jahr angehoben, was einer monatlichen BU-Rente von 3.500 Euro entspricht.
  • Möchte ein Kunde die ereignisunabhängige Nachversicherung nutzen, sind maximal 3.000 Euro monatlich möglich.
  • In diesem Zuge wurden auch die Fristen der Erhöhungsmöglichkeit von sechs auf marktübliche zwölf Monate erhöht.
  • Kunden der Ergo-Tochter DANV bekommen bei bestimmten Ereignissen zudem die Möglichkeit, um 1.000 Euro statt 500 Euro zu erhöhen.
 

Teufel steckt bei Nachversicherung im Detail

Auf den ersten Blick klingen diese Verbesserungen sehr gut, auf den zweiten aber nicht mehr so. Andere Versicherer haben die Erhöhungsmöglichkeiten auch stark im Blick und gehen hier weiter – Stichwort Karrieregarantie. Im Detail stecken auch einige Stolperfallen. Es kann zwar bis 3.500 Euro erhöht werden, aber während der gesamten Laufzeit um maximal 1.500 Euro. Beginnt man als Student aus finanziellen Gründen erst mit 500 Euro, um sich den wichtigen Gesundheitszustand zu sichern, kann auf maximal 2.000 Euro zuzüglich Dynamik erhöht werden. Bei der Ergo darf man die BU-Rente also nicht zu niedrig abschließen. Die ereignisunabhängige Nachversicherung muss zudem bis zum 35. Lebensjahr beziehungsweise in den ersten fünf Vertragsjahren gezogen werden.

Nicht vergessen sollte man noch die kundenfreundliche Regelung der Definition bei Studenten und Auszubildenden sowie eine verbesserte Stundungsregelung (nun bis zu 24 Monate) bei Zahlungsschwierigkeiten.

Das Fazit

Alles in allem handelt es sich um ein Update, was in meinen Augen vor allem den Kunden der Ausschließlichkeit der Ergo zugutekommen dürfte. Man profitiert von verbesserten Gesundheitsfragen sowie einer optimierten technischen Ausgestaltung. Für den normalen Versicherungsmakler dürfte die Ergo etwas näher ins Blickfeld geraten sein, nüchtern gesehen dürfte es in den allermeisten Konstellationen und Kundengruppen bessere Lösungen geben, vorbehaltlich natürlich einer sauberen, gesundheitlichen Annahme. Bei mir schafft es die Ergo jetzt auch erst einmal nur auf die erweiterte Watchlist, ich begrüße aber ausdrücklich dieses bitter notwendige Update. 

Über den Autor: 

Tobias Bierl wurde 1984 geboren. Als ausgebildeter Versicherungsfachmann und Finanzanlagenfachmann gründete er mit seinem Bruder 2008 Stefan die Finanzberatung Bierl in Walderbach in der Oberpfalz. Als einer der Geschäftsführer liegt sein Schwerpunkt im Bereich Biometrie / Berufsunfähigkeitsversicherung. Bierl gewann 2019 den OMGV Makler-Award für den besten Blog / Content auf der Homepage und 2021 für die besten Kundenbewertungen.   

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