Das Analysehaus Franke und Bornberg (F&B) hat sein erstes Rating für Sterbegeldversicherungen vorgelegt. Untersucht wurden 59 Tarife von 30 Versicherern. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Kein einziger Tarif erhält die Höchstnote FFF+ (hervorragend).
Das Segment gewinnt laut F&B an Bedeutung. Das staatliche Sterbegeld wurde bereits 2004 abgeschafft; seither liegt die finanzielle Vorsorge für den Todesfall vollständig beim Einzelnen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sterben in Deutschland jährlich mehr als eine Million Menschen.
Bestattungskosten von 10.000 Euro und mehr
Gleichzeitig steigen die Bestattungskosten überdurchschnittlich: Laut dem Verbraucherschutzverein Aeternitas verteuerten sich Bestattungen in den vergangenen fünf Jahren um rund 20 Prozent; 2024 lag der Anstieg bei 4,5 Prozent – mehr als doppelt so viel wie die allgemeine Inflation. Eine durchschnittliche Bestattung kostet heute laut F&B rund 6.000 Euro, mit Trauerfeier, Grabstein und Grabpflege schnell 10.000 Euro und mehr.
Hinzu kommt die gesetzliche Bestattungspflicht: Können Erben die Kosten nicht tragen, haften sie unter Umständen mit ihrem Privatvermögen (§ 1968 BGB).
Assistance-Leistungen als größte Schwachstelle
Das Rating bewertet klassische Leistungsmerkmale wie Wartezeiten und Leistungsausschlüsse ebenso wie Assistance-Angebote und Zusatzleistungen – darunter Bestattungsberatung, digitale Nachlassverwaltung, Überführungskosten bei Tod im Ausland sowie Beitragsbefreiung bei Pflegebedürftigkeit. Unterschieden wird zwischen Tarifen mit laufender Beitragszahlung und Angeboten gegen Einmalbeitrag.
Besonders bei den Assistance-Leistungen zeigen sich laut F&B erhebliche Schwächen: Viele Tarife böten nur eingeschränkte Unterstützung bei Organisation, Beratung oder digitalem Nachlassmanagement. Auch Leistungen für Überführungen aus dem Ausland oder bei Pflegebedürftigkeit wiesen häufig Lücken auf.
„Assistance-Leistungen sind heute das wichtigste Differenzierungsmerkmal in diesem Segment – und gleichzeitig die größte Schwachstelle vieler Tarife“, sagt Philipp Wedekind, Leiter Ratings Vorsorge und Nachhaltigkeit bei Franke und Bornberg.
Methodik
Franke und Bornberg bewertet Sterbegeldtarife auf einer achtstufigen Skala von FFF+ hervorragend bis F– sehr schwach anhand von 24 Bewertungskriterien. Grundlage sind ausschließlich verbindliche Versicherungsbedingungen und Verbraucherinformationen. Für die oberen Bewertungsklassen gelten Mindeststandards, die verhindern sollen, dass Schwächen bei wichtigen Leistungen durch Stärken in Nebenbereichen ausgeglichen werden.
Wie bei anderen F&B-Ratings gilt: Das Bewertungsschema ist als anbieterfreundlich zu bezeichnen, da ausgezeichnete Unternehmen kostenpflichtige Siegel zu Vertriebs- und Marketingzwecken erwerben können. Für das Erstrating in der Sterbegeldversicherung fällt dies allerdings kaum ins Gewicht – kein Tarif konnte die oberen Klassen überhaupt erreichen.
Wachsender Markt, stagnierende Qualität
Die Sterbegeldversicherung entwickle sich vom Nischenprodukt zum Wachstumsmarkt, so F&B. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der über 80-Jährigen bis Ende der 2040er-Jahre von heute rund sechs auf etwa neun Millionen steigen. Gleichzeitig würden familiäre Strukturen kleiner und die Organisation von Bestattungen komplexer.
„Die Sterbegeldversicherung ist ein Produkt, das gesellschaftlich gebraucht wird. Umso wichtiger ist es, dass Verbraucher und Vermittler wissen, was die Tarife wirklich leisten – und was nicht“, sagt Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer von Franke und Bornberg.
F&B will das Rating künftig regelmäßig aktualisieren. Versicherer können überarbeitete Tarife jederzeit neu bewerten lassen.

