Ernst Konrad, Geschäftsführer bei Eyb und Wallwitz

Ernst Konrad, Geschäftsführer bei Eyb und Wallwitz

Ernst Konrad: „Fallen Angels preiswert einsammeln“

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DAS INVESTMENT: Am Rentenmarkt herrschen magere Zeiten. Selbst bei vielen Unternehmensanleihen lohnt kaum noch der Einstieg. Bieten sogenannte Fallen-Angel-Bonds hier bessere Renditechancen?

Ernst Konrad:
Auf jeden Fall. Bei Fallen Angels ist das Bonitätsrating unter BBB gesunken. Damit ging der Investment-Grade-Status verloren. Diese Herabstufung hat nicht selten Kurseinbußen von 10 bis 20 Prozent zur Folge.

Und das ist attraktiv?

Konrad:
Aber ja. Diese Anleihen haben dann das Schlimmste hinter sich. Wegen des starken Verkaufsdrucks notieren sie bisweilen deutlich unterhalb ihres fairen Werts. Dies ist zumeist ein idealer Einstiegszeitpunkt. Wird ein Papier bis zur Endfälligkeit gehalten, sind Jahresrenditen von 5 Prozent oder mehr zu erzielen. Denn die zu 80 oder 90 Prozent ihres Nominalwerts erworbenen Anleihen werden ja im Regelfall zu 100 Prozent getilgt.

Schuldverschreibungen werden manchmal aber überhaupt nicht getilgt.

Konrad:
Mag sein, doch wie häufig passiert dies wirklich? Wir haben uns die Ausfallraten aller Fallen Angels angesehen, die in den vergangenen 20 Jahren weltweit emittiert wurden. Bei BB-Anleihen, mit denen diese Papiere durchschnittlich bewertet waren, lag die jährliche Ausfallrate langfristig nur bei 1,4 Prozent. Dieses Risiko erscheint vertretbar.

Letztendlich handelt es sich bei Fallen Angels doch wohl um Junk Bonds.

Konrad:
Genau, es sind Non-Investment-Grade- Papiere. Innerhalb dieses Bereichs stellen die Fallen Angels jedoch ein Qualitätssegment dar. Nehmen wir als Beispiel die erwähnten Ausfallraten. Im Durchschnitt des High-Yield-Universums betragen diese 4,3 Prozent. In Sachen Ausfallwahrscheinlichkeit stehen die Fallen Angels mit 1,4 Prozent also dreimal besser als die Vergleichsgruppe da.

Warum ist das so?

Konrad:
Fallen Angels wurden ursprünglich als Investmentgrade-Anleihen begeben. Als Emittenten fungieren überwiegend börsennotierte Großkonzerne. Die Liquidität dieser Papiere ist hoch, und Investoren können auf aussagekräftiges Research zurückgreifen. Herabgestufte Unternehmen versuchen schon allein aus Imagegründen, ihr Investmentgrade- Rating zurückzubekommen. Und in zwei Drittel aller Fälle gelingt dies tatsächlich. Aber auch die meisten übrigen Gesellschaften erweisen sich letztendlich als gute Schuldner. Fallen Angels performten im his torischen Vergleich daher besser als das High-Yield-Segment insgesamt – bei insgesamt deutlich geringerem Risiko.

Werden mögliche Anlageerfolge nicht wieder aufgefressen, sobald das allgemeine Zinsniveau anzieht?


Konrad: Unsere Recherchen zeigen, dass Fallen Angels gerade bei inflationären Tendenzen über einen veritablen Sicherheitspuffer verfügen. Ebenfalls wichtig: Wegen der Konjunkturschwäche könnte es demnächst zu vermehrten Rating-Herabstufungen kommen. Wer Fallen Angels preiswert einsammeln möchte, muss sich ab sofort auf die Lauer legen.

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