Erst loben, dann draufhauen Die seltsame Situation der DWS

Hat noch Arbeit vor sich: DWS-Chef Nicolas Moreau

Hat noch Arbeit vor sich: DWS-Chef Nicolas Moreau

Was ist nur mit der DWS los? Die Nachrichtenlage um die jahrzehntelang erfolgsverwöhnte Deutsche-Bank-Tochter (Werbespruch: „Geld gehört zur Nummer 1“) ist derzeit reichlich kurios. Erst ändert sich der Name von DWS in „Deutsche Asset & Wealth Management“, dann in „Deutsche Asset Management“ und nun wieder in DWS. Alles innerhalb von fünf Jahren, das muss man erst einmal hinbekommen.

Dann der Börsengang im Frühjahr. Den schrieben Medien im Vorfeld zum Erfolg hoch. Dann konnte die Deutsche Bank nur 20 Prozent der DWS-Aktien bei freien Aktionären unterbringen statt der geplanten 25 Prozent. Die Preisspanne lag im Prospekt noch bei 30 bis 36 Euro je Aktie, schnurrte dann aber zusammen. Am 23. März kamen die Aktien für 32,50 Euro auf den Markt, am 15. Juni 2018 notierten sie bei 28,35 Euro. Der Dax stieg in der Zeit um fast 10 Prozent. Ein starkes Debüt geht anders.

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Dazu gesellen sich Zahlen, die nicht so richtig zu einer Erfolgstruppe passen wollen. Im ersten Quartal zogen Anleger 7,8 Milliarden Euro ab. Derweil sammelte manch Konkurrent Geld ein. Und das alles geht damit einher, dass einige DWS-Dickschiffe bei der Wertentwicklung Federn lassen und Anleger aussteigen.

Beim Unternehmen verweist man darauf, dass im Gesamtjahr 2017 immerhin 15,8 Milliarden Euro neu ins Haus kamen. Das ist sicherlich eine gute Zahl, wiegt aber kaum die Abflüsse von 2016 auf, die sich auf 39,4 Milliarden Euro belaufen. Und heute meldet die DWS, dass Anleger im zweiten Quartal 2018 rund 4,9 Milliarden Euro abzogen. Damit belaufen sich die Abflüsse seit Jahresbeginn auf insgesamt 12,7 Milliarden Euro.

Der Umsatz sank ebenfalls im ersten Quartal. Für 2017 rechnet das Handelsblatt vor, dass die DWS 70 Cent ausgeben musste, um einen Euro zu verdienen (Aufwand-Ertrags-Verhältnis: 70 Prozent). Das interne Ziel liege bei 65 Prozent, und der französische Konkurrent Amundi brauchte nur 52 Prozent, heißt es weiter. Zwar hatte die DWS Sonderausgaben für den Börsengang zu stemmen, aber trotzdem liegt das Ziel fern.

Ist nun also alles ganz furchtbar? Nicht wirklich. Für die vielen Kritikpunkte gibt es zwar keine Entschuldigungen, aber relativierende Gründe. So sollte man der Kosten-Aufwand-Rechnung im Handelsblatt hinzufügen: Vorzeige-Konkurrent Amundi liegt mit 52 Prozent weit unter dem Durchschnitt. Das gut geführte und profitabel aufgestellte Schroders liegt 2017 zum Beispiel bei 61 Prozent. Im Durchschnitt fahren unabhängige Fondsgesellschaften ein Aufwand-Ertrags-Verhältnis von 58 Prozent. Die bankgebundene Konkurrenz – und da zählen wir die DWS dazu – liegt knapp unter 70 Prozent. Schon ist alles nicht mehr ganz so schwarz, wie es das Handelsblatt gemalt hat.