Euromünzen: Eine Bank will nun für bestimmte Sparformen Negativzinsen ab dem ersten Euro erheben. Die Regel gilt allerdings nur für Neukunden.

Regel gilt für Neukunden

Erste Bank erhebt Strafzinsen ab dem ersten Cent

Strafzinsen schon ab dem ersten Cent berechnet in einigen Fällen jetzt die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck. Wer seit dem 1. Oktober 2019 bei dem Genossenschaftsinstitut ein Tagesgeldkonto eröffnet hat oder eröffnen möchte, zahlt drauf – und das ohne eine Freibetragsgrenze. Das berichtet der Finanz-Vergleichsanbieter Verivox. In einer Auswertung des Portals sticht das bayerische Genossenschaftsinstitut hervor: Ab dem ersten Cent Erspartem werden hier minus 0,5 Prozent Strafzinsen berechnet.

Sellungnahme des Geldinstituts

Die Genossenschaftsbank selbst bestätigt das. In einer prominent platzierten Stellungnahme auf ihrer Internetseite heißt es: „Wir sind bemüht unsere Kunden so lange wie irgendwie möglich vor den Auswirkungen der Niedrigzinsen zu bewahren.“ Bestehende Kunden seien von den Negativzinsen nicht betroffen, ihr Erspartes sei sogar in voller aktueller Höhe davon befreit. Der Negativzins „ab dem ersten Euro“ gelte allein für Neukunden und frisches Geld.

Wer speziell ein Girokonto neu eröffne, profitierten von einem Freibetrag in Höhe von 20.000 Euro. Bis zu dieser Summe werde kein Strafzins fällig, verspricht man bei dem Geldinstitut.

Banken sind in den vergangenen Monaten zunehmend dazu übergegangen, die Negativzinsen, die sie selbst der Europäischen Zentralbank für kurzfristig gelagertes Geld zahlen müssen, an Kunden weiterzureichen. Tendenziell waren es zunächst vor allem Geschäftskunden, die für die Lagerung hoher Geldsummen in die Tasche greifen sollten. Doch zunehmend wurden in den vergangenen Wochen auch Berichte über Strafzinsen für Privatanleger laut. Ein Novum im Fall der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck ist, dass hier Kunden unter den beschriebenen Umständen überhaupt keinen Freibetrag mehr ausschöpfen können, sondern die Strafgebühr gleich ab dem ersten Euro fällig wird.

Verbreitete Minuszinsen

Dass unter den aktuellen Zinsbedingungen auch Privatkunden langfristig nicht von Negativzinsen verschont bleiben würden, hatte man in der Branche seit Längerem gemunkelt. Der Einlagenzinssatz für Geldinstitute bei der EZB drehte bereits  2014 ins Negative. Erst vor rund zwei Monaten wurde er um weitere 10 Basispunkte auf die aktuellen minus 0,5 Prozent abgesenkt. Banken zahlen für verwahrte Liquidität somit drauf.

Insgesamt scheinen Negativzinsen für Privatkunden weiter verbreitet zu sind, als es viele Beobachter annehmen. So berichtet das Branchenportal Finanz-szene.de mit Blick auf Bundesbank-Daten: Bei Einlagen von Privathaushalten hätten 23 Prozent der in Deutschland aktiven Geldinstitute zuletzt einen „negativen volumengewichteten Durchschnittszinssatz“ gemeldet. Zusammen verwalteten diese Institute 25 Prozent des Volumens aller Sichteinlagen privater Haushalte. In die Durchschnittsberechnung gingen alle Kundeneinlagen proportional zu ihrem Volumen ein. Die Banken sollten angeben, ob ihnen aus den ihnen anvertrauten Sichteinlage Negativzinsen zuflössen.

Aus den Zahlen sei zwar nicht direkt abzuleiten, dass deshalb auch ein Viertel des Geldes negativ verzinst sei. Die Größe biete aber immerhin einen Annäherungswert, glaubt man bei Finanz-szene.de.

Alternative Anlageformen sinnvoller

Unter den gegenwärtigen Zinsbedingungen mag man auch bei der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck keine Versprechen für die Ewigkeit machen. In der Stellungnahme heißt es: Langjährige Kunden des Hauses seien vor Strafzinsen geschützt – „solange das Markt- und Zinsumfeld dies zulässt.“

Überhaupt gebe es zahlreiche Alternativen zu Girokonto und Tagesgeld. „Dabei geht es nicht nur um die Vermeidung von Negativzinsen, sondern um langfristige Anlagestrategien mit positiver Rendite“, werben die Fürstenfeldbrucker in ihrer Stellungnahme gleichzeitig für lukrativere Anlageformen.

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