Erste Woche QE

EZB-Anleihekäufe haben Rally bei langfristigen Papieren entfacht

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Dabei spielen Erwartungen, dass die EZB sich mit ihren Käufen nun langfristigen Anleihen zuwenden könnte, ein wichtige Rolle. Ratsmitglied Benoit Coeure hatte am Donnerstag gesagt, dass die durchschnittliche Laufzeit der angekauften Papiere bisher bei neun Jahren liege.

“Wir erwarten aggressivere EZB-Käufe am langen Ende, auch wenn die Entwicklung dieser Anleihen schon hervorragend war”, schrieb Zinsstratege Ciaran O’Hagan von Soc Gen in einer Studie und spielte damit auf die illiquiden fünfzehn- bis dreißigjährigen Papiere an.

Die Rendite der dreißigjährigen deutschen Bonds notierte am Mittag mit 0,71 Prozent zwei Basispunkte niedriger. Seit Wochenbeginn hat sie um 28 Basispunkte nachgegeben und damit so stark wie seit Juni 2012 nicht mehr.

Bei italienischen Titeln gleicher Laufzeit ist die Spanne zu zweijährigen Papieren auf 181 Basispunkte geschrumpft. Am Donnerstag hatte sich mit 163 Basispunkten sogar das niedrigste Niveau seit Mai 2012 ergeben. Ein Jahr zuvor hatte der Spread noch 350 Basispunkte betragen.

Die Europäische Zentralbank hat mit einem schrumpfenden Universum an Bonds zu kämpfen, die sie gemäß ihrem Programm der quantitativen Lockerung kaufen kann. Die steigenden Kurse könnten allerdings dazu beitragen, dass sie auch mit einem geringeren Volumen an Anleihekäufen ihr Ziel erreicht.

Kursgewinne haben die Renditen von Österreich bis Spanien auf Rekordtiefs gedrückt, seit die EZB mit dem Kauf der Wertpapiere begonnen hat. Die Kursgewinne ermöglichen der Notenbank aber auch, näher an ihr Ziel von 60 Milliarden Euro monatlich zu kommen und dabei weniger Bondkäufe zu tätigen, als der Nominalwert signalisieren würde.

Zwar kommt etwa ein Viertel der deutschen Bundesanleihen mit laut Programm zulässigen Laufzeiten bereits nicht in Frage, weil die Renditen unter dem EZB-Einlagensatz von minus 0,20 Prozent liegen. Jedoch bedeuten die Kurssteigerungen seit Beginn von QE, dass “das Volumen, das die EZB kaufen kann, steigt,” schrieb Jan von Gerich, Chef-Stratege bei Nordea Bank AB in Helsinki, am Donnerstag.

Die EZB will sich nach eigenen Angaben bei den Käufen von Staatsanleihen von Euroraum-Ländern am Kapitalschlüssel orientieren. Das bedeutet, dass die Notenbank bis September 2016, wenn das Programm auslaufen soll, für etwa 200 Milliarden Euro deutsche Papiere kaufen wird.

Jedoch verringern die Beschränkungen bezüglich der Rendite und die EZB-Obergrenze von 25 Prozent einer einzigen Staatsanleiheemission das Volumen, das die Notenbank an deutschen Papieren kaufen kann, auf 135 Milliarden Euro, schreibt von Gerich von Nordea: “Die Bonds notieren erheblich über dem Nominalwert, was in Bezug auf den Marktwert bedeutet, dass das Volumen, das für EZB-Käufe in Frage kommt, auf 175 Milliarden Euro steigt.”

Zwar dürfte der höhere Marktwert der Bonds es der EZB “etwas leichter” machen, ihre Ziele zu erreichen. Jedoch könnte dieser Effekt durch einen Anstieg der Zahl der Wertpapiere, deren Renditen unter minus 0,2 Prozent gedrückt werden, geschmälert werden, sagt Michael Leister, leitender Zinsstratege bei der Commerzbank AG in Frankfurt. Unterhalb dieser Schwelle verbieten es die eigenen Regeln der EZB, diese Papiere zu kaufen.

“Das sind zwei gegenläufige Faktoren”, erläutert Leister in einem Telefongespräch. “Per Saldo dürfte der Kurs insgesamt” es der EZB etwas erleichtern, ihr Ziel zu erreichen, sagte er.

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