Zum ersten Mal gab es ein Finanzplaner Forum Nord in Hamburg.

Zum ersten Mal gab es ein Finanzplaner Forum Nord in Hamburg.

Erstes Finanzplaner Forum in Hamburg

„Aktives Fondsmanagement gilt als wissenschaftlich widerlegt“

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Professor Otto Lucius, neben Guido Küsters einer der beiden Initiatoren der Finanzplaner-Forum-Reihe, konnte rund 50 Finanzplaner aus dem norddeutschen Raum begrüßen. Fünf Experten aus verschiedenen Bereichen referierten aktuelle Themen und stellten sich im Anschluss den Fragen des interessierten Auditoriums.

Richtig erben – gewusst wie


Zu Beginn informierte Rechtsanwalt Claus-Henning Hollmann über Erbschaftsfragen und klärte darüber auf, wie sich die Erbschaftsteuer durch eine geschickte Planung am besten vermeiden lässt. Erben haben nach dem Tod des Erblassers nur sechs Wochen Zeit (sechs Monate, falls es einen Auslandsbezug gibt) sich zu entscheiden. Schon die Mitnahme von Gegenständen aus der Wohnung des Erblassers kann eine Annahme der Erbschaft mit allen Konsequenzen begründen.

Dabei besteht etwa die Möglichkeit einer Ausschlagung des Erbes gegen Abfindung. Sind Immobilien Teil der Erbschaft, kann hier ein Nießbrauchrecht vereinbart werden, dass den Immobilienwert reduziert und womöglich innerhalb der Freibetragsgrenzen drückt, sodass keine Erbschaftsteuer anfällt. „Bei Immobilien lohnt sich eigentlich immer ein Sachverständigengutachten. Der Verkehrswert, der ansonsten angesetzt wird, ist meist zu hoch“, so der Rechtsanwalt.

Hollmann wies auf die ab August geltende Neuerung des „Europäischen Nachlasszeugnisses“ hin, das deutlich über die Funktion des Erbscheines, der weiterhin gültig bleibt, hinausgeht. „Das europäische Nachlasszeugnis weist die Rechtsstellung des Testamentsvollstreckers nach und zwar europaweit“, so Hollmann. Dies ist insbesondere von Vorteil, wenn die Erbschaft auch Vermögen im Ausland betrifft. Anders als der Erbschein ist es allerdings nur sechs Monate gültig.
Ist aktives Portfoliomanagement noch zeitgemäß?

Lukas Schneider ist Regionaldirektor bei Dimension Fund Advisor, einem Investmenthaus, das nur mit ausgewählten qualifizierten Beratern zusammenarbeitet, seit 2011 in Deutschland agiert und keinerlei Werbung macht. Schneider gab einen umfangreichen Überblick über die Geschichte der Kapitalmarktforschung – von den Anfängen noch vor dem zweiten Weltkrieg über die Portfoliotheorie von Markowitz in den 50er Jahren bis hin zu Untersuchungen über direkte Profitabilität erst vor wenigen Jahren.

Sein Fazit: „Aktives Management ist wissenschaftlich diskreditiert“. Selbst dem norwegischen Pensionsfonds – dem größten Pensionsfonds der Welt – sei es mit einem engagierten aktiven Ansatz langfristig lediglich gelungen, die Marktrenditen einzufahren. „Private Fondsinitiatoren erhalten aber stets weniger als die Marktrendite, rund die Hälfte der Rendite geht auf dem Weg vom Markt zum Anleger verloren“, so Schneider. Dies liege einerseits an den Kosten des Produktes und andererseits an der Psychologie der Anleger, die stets die Tendenz haben, zum falschen Zeitpunkt schlechte Entscheidungen zu treffen.

Es sei daher eine Hauptaufgabe der Berater, dem Anleger beizubringen diszipliniert zu sein. Hier verlagere sich der Fokus von der Investmentseite auf die Kundenberatungsseite.

Darf man dem Aufschwung trauen?


Als dritter Referent steuerte Jörn Quitzau, Ökonom des Bankhauses Berenberg, ein brandaktuelles Thema bei. „Fragile Welt – stabiler Aufschwung! Passt das zusammen?“ fragte er und beantwortete die Frage in seinem Vortrag mit Ja. Der aktuelle Konjunkturoptimismus sei trotz des anhaltenden Griechenland-Problems gerechtfertigt.

Quitzau nannte mehrere Faktoren, die seine These stützen: Erstens die Geldpolitik, die das Wachstum massiv anschiebe, zweitens die stabile Preisentwicklung und die Abkehr von Deflationsängsten, drittens der Wechselkurs des Euro. Hier glaube der Markt wieder an die fortwährende Existenz der Gemeinschaftswährung. „Der EZB ist es gelungen durch eine massive Geldschwemme den Kurs nach unten zu treiben, ohne dass man den Euro im Bestand als gefährdet wahrnimmt “, so Quitzau. Die Griechenland-Krise sei nun aus Sicht des Marktes auf Griechenland isoliert worden und nicht mehr länger eine systemische Krise des Euro wie noch vor wenigen Jahren.

„Die Eurozone ist in der Lage, aufkommende Panik an den Märkten wirkungsvoll zu bekämpfen“, betonte Quitzau. Dafür spreche auch das Ausbleiben neuer Finanzkrisen – trotz diverser unkalkulierbarer und unvorhersehbarer Störfälle wie der Krieg in der Ostukraine, der Aufstieg des Islamischen Staates oder auch der Ebola-Epidemie in Westafrika.

Viele Fallen bei Immobilientransaktionen

Abschließend informierten die Rechtsanwälte Constanze Kugler und Christian Thiele, Latham & Watkins LLP, ausführlich über „Prozess, Mechanismen, Struktur und wesentliche Inhalte von Immobilientransaktionen“. Unter anderem wurden Asset Deal (Kauf des Grundstücks mit Immobilie) und Share Deal (Kauf von Anteilen an der grundstückshaltenden Gesellschaft) unterschieden und die Bedeutung der Kooperation mit Technikern, Notaren und weiteren Experten bei der Abwicklung eines Deals erläutert.

„Ein besonders wichtiger Faktor ist, dass die Mietverträge der Schriftform genügen“, so Kugler. Dies müsse akribisch vor der geplanten Transaktion geprüft werden, denn Schriftformmängel erlaubten es Mietern aus langfristigen Mietverträgen mit einer lediglich 6-monatigen Kündigungsfrist auszusteigen. Was jegliche Kalkulation durchkreuze. „Hier beschert uns die aktuelle Rechtsprechung sehr viel Arbeit“, sekundierte Kollege Thiele. Monatlich gebe es Gerichtsurteile mit neuen Facetten zu diesem Thema. Sogenannte Schriftformheilungsklauseln, die den Mangel provisorisch beseitigen, seien ebenfalls kompliziert und Thema der Gerichte. „Diese Rechtsprechung ist einem ausländischen Investor nicht zu vermitteln“, merkte Kugler kritisch an.

Die beiden Immobilienexperten gaben viele äußerst kenntnisreiche und bisweilen unterhaltsame Einblicke in ein äußerst komplexes Themenfeld. Etwa bei welchen baulichen Veränderungen der erworbenen Immobilie man ohne Zustimmung des Architekten auskommt („Sie dürfen das Gebäude abreißen“), dass man sich bei umfangreichen Transaktionen nicht allein auf die Expertise von Notaren verlassen sollte („wo die Musik spielt, sind Notarverträge ziemlich unterbelichtet“) und auf welche eingetragenen Belastungen man zu achten hat („Briefgrundschulden sind des Teufels“).

Nächstes Finanzplaner Forum in Stuttgart

Das Forum ist Teil einer länderübergreifenden Veranstaltungsreihe für Finanzplaner aus dem deutschsprachigen Raum. DAS INVESTMENT ist Medienpartner. Die Besucher erhielten jeweils sechs CPD-Credits für ihr Fortbildungsprogramm im Rahmen des Financial Planning Standards Board FPSB.

Die nächste Veranstaltung in Deutschland ist das 1. Finanzplaner Forum Südwest am 14. und 15. September 2015 in Stuttgart. Hier sind noch Anmeldungen möglich. Mehr Informationen und Anmeldung gibt es hier.

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