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in VersicherungenLesedauer: 3 Minuten

„Es gab keine Anzeichen für einen Streit“: Selbstmord von Pierre Wauthier wirft Fragen auf

Pierre Wauthier
Pierre Wauthier
Am Freitag vergangener Woche nahmen Freunde und Kollegen Abschied von Pierre Wauthier. Man wolle versuchen, das Unerklärliche etwas zu erhellen, erklärte Pastor Martin Rüsch, der die Trauerfeier im Zürcher Grossmünster eröffnete.

„Viele Gerüchte ranken sich um Pierres Ableben“, sagte Zurich-Chef Martin Senn. Man werde nie wirklich wissen, warum er diesen Weg gegangen ist.

Die Einzelheiten über die letzten Tage des 53-Jährigen, sowie Details aus seinem familiären und beruflichen Umfeld tragen kaum dazu bei, die Gründe für seinen Selbstmord aufzuklären. So soll Kollegen und Investoren, die Wauthier kurz vor seinem Tod trafen, nichts Ungewöhnliches an seinem Verhalten aufgefallen sein. Wie der Nachrichtensender „N-TV“ berichtet, soll er zudem noch bis einen Tag vor seinem Tod E-Mails an Zurich-Mitarbeiter beantwortet haben.

In seinem Abschiedsbrief beschuldigt Wauthier den damaligen Verwaltungsratschef Josef Ackermann. Nach Angaben mehrerer Personen, die das Schreiben gesehen haben, beschreibt sich Wauthier als einen „seit Monaten vom neuen, aggressiveren Ton bei Zurich unter Ackermann demoralisierten Manager“, berichtet „N-TV“.

Auch Insider aus Ackermanns Umfeld berichteten dem Sender über monatelange Spannungen zwischen dem Finanzvorstand und dem Chef-Kontrolleur. Auch das wohl letzte Treffen der beiden Mitte August soll alles andere als harmonisch verlaufen sein. Dabei ging es um die Kommunikation der Halbjahreszahlen. Ackermann kritisierte unter anderem Wauthiers Formulierung, der Konzern sei auf einem gutem Weg, seine vor drei Jahren formulierten Ziele wie geplant dieses Jahr zu erreichen. Anschließend setzte er sich mit einem weniger optimistischen Satz durch. Die vorsichtige Wortwahl zusammen mit dem 17-prozentigen Gewinnrückgang im ersten Halbjahr ließ die Zurich-Aktie um 4 Prozent einbrechen.

Allerdings sind Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Präsidenten und dem Finanzchef in einem Konzern nichts Ungewöhnliches. Im Übrigen soll das Gespräch zivilisiert geführt worden sein. „Es gab keine Anzeichen für einen Streit“, erklärt eine Unternehmenssprecherin.

Auch die von „N-TV“ zitierten Insider berichten von häufigen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Führungskräften des Konzerns. „Wenn das als unerträglicher Druck empfunden wurde, dann muss etwas anderes nicht gestimmt haben", sagt einer von ihnen.

In Wauthiers Familie soll es jedenfalls keine Probleme gegeben haben. Das erklärte seine Witwe, Fabienne Wauthier, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Familie habe ein typisches Auswanderer-Leben geführt, sei viel herumgekommen und hätte in verschiedenen Ländern gelebt. „Wir waren uns gegenseitig wirklich eine Stütze.“

Auch Wauthiers Verhältnis zu seinen Kindern scheint gut gewesen zu sein. „Er war nicht immer zu Hause, aber wenn er da war, war er ein großartiger Vater“, sagte seine Tochter der Nachrichtenagentur.

An der Trauerfeier für Wauthier nahm die Familie unterdessen nicht teil.


Hintergrundinfo: Pierre Wauthier war am Montag, dem 26. August, tot in seinem Haus aufgefunden worden. Wie sich später herausstellte, nahm sich der Finanzchef der Versicherungsgruppe Zurich selbst das Leben. Er hinterließ zwei Abschiedsbriefe: Einen für die Familie, das andere für Zurich. Die Beerdigung fand am Montag vergangener Woche statt.