Es geht an die Substanz Warum Income-Fonds ihre Anlagebeträge angreifen

Verdorrte Felder im australischen Hinterland: So wie hier nicht mehr viel sprießt, ist auch die europäische Zinslandschaft ausgetrocknet. Fondsmanager müssen intensiv suchen, um ausreichende Erträge für einen Income-Fonds zu finden.

Verdorrte Felder im australischen Hinterland: So wie hier nicht mehr viel sprießt, ist auch die europäische Zinslandschaft ausgetrocknet. Fondsmanager müssen intensiv suchen, um ausreichende Erträge für einen Income-Fonds zu finden.

Man kann es auch kompliziert machen. Anfang 2018 benennt die Fondsgesellschaft J.P. Morgan Asset Management die jährlich ausschüttende Anteilsklasse ihres Vorzeigefonds Global Income um. Der Zusatz „Dist“ für „Distributing“ ersetzt das alte „Inc“, das für „Income“, also Einkommen stand.

Der Termin, an dem Anleger laufende Erträge bar aufs Konto bekommen, ändert sich nicht, dafür aber die Summe. Denn nun greift nicht mehr das – ohnehin veraltete – deutsche Steuerrecht als Grundlage. Stattdessen gilt das Steuergesetz des Vereinigten Königreichs. Mit dem Effekt, dass in der Dist-Klasse nur noch der größte Teil der Dividenden und Zinsen ausgeschüttet wird, nach Kosten. Gemessen am Anteilspreis des Fonds sind das nur noch 2,7 Prozent. Sonst gab es immer zwischen 4 und 5 Prozent.

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Bei der vierteljährlich auszahlenden Anteilsklasse mit dem Zusatz „Div“ für „Dividend“ liegt die Ausschüttungsrendite dagegen weiter bei rund 5 Prozent. Das Fondsmanagement legt den Betrag fest und nimmt die Gesamtrendite als Grundlage. Und dazu gehören auch Kursgewinne. Selber Fonds, großer Unterschied. Hintergrund ist der, dass Anleger Jahre nach Fondsstart eine jährlich ausschüttende Tranche nach deutschem Steuerrecht wünschten. Das heutige britische Recht kommt den alten Regeln am nächsten.

                                  Quelle: Morningstar

Fonds, die über Anleihen und Aktien regelmäßige Einkommen einfahren und ausschütten sollen, sind aktuell hochbeliebt. Anleger gleichen mit ihnen die dank EZB-Politik nicht mehr vorhandenen Erträge ihrer Sparbücher aus. Schwerpunkte in den Portfolios liegen in dividendenstarken Aktien, Anleihen aus Schwellenländern und Unternehmensanleihen aus dem hochwertigen und nicht ganz so hochwertigen, aber dafür höher verzinslichen Segment. Die Höhe der Einnahmen richtet sich nicht zuletzt nach Risiko und dem Währungsraum. Zweifel sind fehl am Platz: Die Grundidee ist gut und ergibt nach wie vor Sinn.

8 Prozent im Jahr aufs Konto, egal, was kommt

Doch schon der enorme Unterschied beim J.P.-Morgan-Fonds zeigt, wie schwer es ist, die Produkte zu vergleichen. Die Ausschüttungsrendite taugt dafür nicht, sie zeigt nur, was auf dem Konto ankommt. Ein schönes Beispiel dafür ist der UBS European Growth and Income. Er wirft laut Statut 8 Prozent im Jahr bar an seine Anleger ab, verteilt über zwölf Monatsraten. Und zwar egal, wie der Markt läuft, notfalls wird aus der Substanz ausgeschüttet. Im Grunde ist das nichts anderes als ein prozentualer Auszahlplan mit Kapitalverzehr (siehe folgender Chart).

                                   Quelle: Morningstar

Damit ist der Fonds allerdings die Ausnahme. Denn die Substanz anzugreifen ist bei den meisten Fonds eigentlich nicht der Plan. „Wir zahlen kein Einkommen aus dem Kapital“, stellt Felicity Long klar, die bei Columbia Threadneedle Misch-Mandate managt. Allerdings ergänzt sie, und das ist ein wichtiger Zusatz: „Das heißt aber nicht, dass wir nichts auszahlen, wenn die Kurse fallen.“