„Es gibt keinen Schiffsfonds, der nichts auszahlt“

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Die im SDAX börsennotierte MPC Capital hat heute die Quartalszahlen veröffentlicht. Die Finanzkrise schlägt durch: Die Umsatzerlöse haben sich mit 25 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum halbiert, die Platzierungsprognose für 2008 wurde erneut um 150 Millionen Euro nach unten korrigiert. Gegenüber DAS INVESTMENT.COM nehmen die MPC Capital Vorstände Axel Schroeder und Ulf Holländer Stellung.

DAS INVESTMENT.com: In diesem Jahr ist der Kurs der MPC-Aktie von 62 Euro auf heute 3,80 Euro gefallen. Wird MPC Capital zum Schnäppchenkandidaten für eine Übernahme, bereuen Sie die Börsennotierung?

Axel Schroeder: Wir befürchten kein Übernahmeangebot. Unser Unternehmen ist in höchstem Grad von den Menschen abhängig, die dahinter stehen. In diesem Geschäft ein Übernahmeangebot gegen den Willen des Vorstands und der Hauptgesellschafter durchzudrücken, kann ich am Ende keinem empfehlen - nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen. Natürlich kann man eine gewisse Frustration bei Aktionären verstehen, wenn jemand etwa bei 50 Euro eingestiegen ist und auf den derzeitigen Kurs blickt. Trotzdem ist dieser nur eine Momentaufnahme. Für MPC Capital war der Börsengang im Jahr 2000 enorm wichtig: Wir verfügen heute über Eigenkapital in einer Dimension, die wir aus eigener Kraft nicht hätten darstellen können. Und wir sehen die Chancen, die sich uns in der Zukunft bieten. Wir sind gut positioniert und stabil aufgestellt.

DAS INVESTMENT.com: Doch sind massive Platzierungsrückgänge im Markt zu beobachten. Auch Sie haben die Prognose nochmals von 750 Millionen Euro Eigenkapital auf 600 Millionen für dieses Jahr nach unten korrigiert. Was haben Sie bis jetzt eingeworben?

Ulf Holländer: Zurzeit sind es rund 500 Millionen Euro. Wir platzieren immerhin etwa 5 bis 10 Millionen Eigenkapital pro Woche. Natürlich ist das weit jenseits dessen, was wir in normalen Zeiten erreichten. Der Markt teilt sich gegenwärtig: Der Vertrieb über Banken und Sparkassen ist bei vielen Häusern zum Erliegen gekommen. Der Vertrieb über unabhängige Vermögensberater funktioniert aber noch einigermaßen.

DAS INVESTMENT.com: Wie viele Ihrer Fonds erreichen die prospektierten Ergebnisse nicht?

Schroeder: Über die gesamte MPC-Capital Flotte betrachtet, haben wir in diesem Jahr zwar nicht überall die Prospektangaben zur Ausschüttung getroffen, doch wir liegen im Schnitt zwischen 5 und 7 Prozent Ausschüttung. Wir haben Kürzungen bei einigen Produkten, davon sind bei den Schiffen rund 50 Prozent betroffen. Doch anders gesagt: Es gibt keinen Schiffsfonds, der nichts auszahlt. Bei einem Schiff sind es 2,5 Prozent, das ist nach meiner Kenntnis die niedrigste Ausschüttung, die höchsten gehen bis zu 20 Prozent und mehr.

Holländer: Wir verwalten Eigenkapital in der Größenordnung von 7 Milliarden und schütten dieses Jahr 470 Millionen Euro an unsere Anleger aus. Wir liegen also in einem siebenprozentigen Ausschüttungsverlauf durchschnittlich über alle Produkte, die wir haben.

DAS INVESTMENT.COM: Im Marktdurchschnitt soll für ein Viertel der Projektierungen im Schiffsbereich die Finanzierung nicht stehen. Auch ist so manches Schiff, das an den Markt kommt, noch nicht verchartert. Wie viele MPC-Projekte sind gefährdet, die im Orderbuch stehen?

Holländer: Wir gehen davon aus, dass alle unsere Projekte zustandekommen. Der größte Teil der Projekte, die wir bis 2012 bestellt haben, ist komplett durchfinanziert und langfristig verchartert. Wir haben von den insgesamt rund 40 Schiffen vier Schiffe mit Ablieferung im Jahr 2011 auf dem Orderbuch, die noch keine Charter haben. Also haben wir noch Zeit genug, eine Vercharterung zu organisieren.

Schroeder: Nur rund zehn Prozent der Schiffe, die wir im Orderbuch haben, wird im kommenden Jahr abgeliefert. Wir haben aus Risikoerwägungen nie auf Schiffe gesetzt, die ohne Beschäftigung waren. Wir erteilen den Auftrag bei der Werft üblicherweise erst, wenn die Charter unter Dach und Fach ist. Davon profitieren wir heute, wenn sich dieses Geschäftsmodell in der Vergangenheit auch mal als Nachteil erwiesen hat. Aber: Die Liquidität der Banken ist gering und sie lassen sich diese teuer bezahlen. Das wird sich ändern. Wir gehen davon aus, dass die Finanzierungsklemme noch maximal ein Jahr anhält.

DAS INVESTMENT.com: Warum?

Schroeder: Die Schifffahrtsmärkte sind und bleiben zyklisch - das vergessen viele, wenn man am unteren und oberen Punkt der Kurve ist. Auch die schwere Marktdepression, in der wir uns befinden, wird sich wieder aufhellen. Zwar existiert ein großes Orderbuch, aber anders als in der Vergangenheit kommen keine neuen Bestellungen hinzu. Und es sind bis jetzt 160 Bauprojekte gecancelt, da werden noch einige folgen.


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: Einmal weg von den Schiffen - MPC Capital hat strukturierte Produkte mit der insolventen Investmentbank Lehman Brothers an den Markt gebracht - etwa Fortrust 4 bis 7, Immoprotect sowie 6 und 7,5 Real Estate Garant. Wie ist Ihr Haus betroffen?

Holländer: Wir sind zurzeit noch nicht direkt betroffen, wir waren ja ausschließlich Strukturierungspartner. Emittent und Garant waren Tochtergesellschaften von Lehman, die jetzt im Insolvenzverfahren sind. Wir stehen im engen Austausch mit unseren institutionellen wie freien Vertriebspartnern, was die Interessenwahrung aller Beteiligten betrifft. Man muss dazu relativierend sagen, dass diese Produkte großenteils in 2006 und 2007 aufgelegt worden sind, zu einer Zeit, in der Lehman ein Investment Grade hatte wie die Deutsche Bank oder Credit Suisse. Wer damals gesagt hätte, dass Lehman in einem Jahr pleite sei, wäre mit Sicherheit auf breites Unverständnis gestoßen. Es war zu keiner Zeit absehbar, dass Lehman in diese Schwierigkeiten kommen würde.

DAS INVESTMENT.com: Wird es in Ihrer Bilanz einen Niederschlag der Lehman-Pleite geben?

Schroeder: Es gibt definitiv keine Auswirkungen auf unsere Bilanz.

DAS INVESTMENT.com: Aber Ihr HCI-Deal war zum Teil fremdfinanziert. Der HCI-Aktienkurs ist ebenfalls auf steter Talfahrt – steht MPC dadurch vor existenziellen Problemen?

Holländer: Nein. Wir haben die HCI-Beteiligung in drei Tranchen durchgezogen. Im Jahr 2007 haben wir 15,1 Prozent fremdfinanziert erworben, daraufhin 20 Prozent der Aktien über eine Kapitalerhöhung nicht fremdfinanziert akquiriert. Dann haben wir im Zuge der Übernahme 5,7 Prozent der HCI-Aktien übernommen, was erneut fremdfinanziert wurde. Beide Fremdfinanzierungen sind über siebenjährige Tilgungsvereinbarungen mit HVB und Haspa fest abgeschlossen. Diese Fremdfinanzierungen werden zum Jahresende mit rund 60 Millionen Euro valutieren, die stehen auch so als langfristige Verbindlichkeiten in unserer Bilanz. Dem steht auf der Aktivseite die HCI-Beteiligung gegenüber.

DAS INVESTMENT.com: Und die bewerten Sie jetzt nicht mehr mit 140 Millionen Euro, sondern nur noch mit 60 Millionen. Damit reduziert sich Ihr Eigenkapital beträchtlich.

Schroeder: Immerhin steht MPC Capital nicht nur im Vergleich zum Wettbewerb mit einer Eigenkapitalquote von 30 Prozent finanzstark da.  Wenn man sich die Situation anschaut, kann man zu zwei Einschätzungen kommen. Die Entwicklung ist nicht schön und alles andere als das, was wir uns vorgestellt hatten. Und zweitens: MPC Capital ist durch die HCI-Kursentwicklung nicht annähernd gefährdet – und deswegen haben wir den Deal auch nur gemacht. Wir haben natürlich im Vorfeld ein Worst-case-Szenario entworfen - ohne im Traum daran zu denken, dass es wirklich eintreffen würde. Wir sind übrigens der Meinung, dass die HCI Capital AG mittel- bis langfristig zu guter Ertragsstärke zurückkehrt.

DAS INVESTMENT.com: Es steht außerdem im Raum, dass aus dem MPC-Capital-Aufsichtsrat eine Bürgschaft über 100 Millionen Euro gewährt wurde. Stimmt das?

Schroeder: Mitnichten, eine solche Bürgschaft wurde von niemandem gegeben. Das wäre auch öffentlich, weil wir jede Rechtsbeziehung zwischen AG und Organ offen legen müssen. Hätte es die Bürgschaft gegeben, wäre auch über die Eingangsfrage nach der Übernahme neu zu diskutieren. Aber an diesem Gerücht ist nichts, aber auch gar nichts dran.

DAS INVESTMENT.com: Doch soll bei Ihrer Bank die Einstellung des Geschäfts bevorstehen. Hierzu sollen Mitarbeiter den Posten gewechselt haben und einige auch entlassen worden sein. Ist das richtig?

Holländer: Wir denken über die Zukunft der Bank intensiv nach und sind derzeit im Gespräch mit potenziellen Käufern. Wir haben unser Geschäft neu strukturiert. Wir haben eine weitere Tochtergesellschaft mit einer abgespeckten Banklizenz und werden das gesamte lizenzierte Geschäft darunter bündeln. Insofern gibt es keine unbedingte Notwendigkeit mehr für eine Vollbanklizenz für MPC Capital. Das hatten wir vor Jahren anders bewertet.

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