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Der amtierende Chef und die zukünftige Chefin der Europäischen Zentralbank: Mario Draghi und Christine Lagarde. | © Getty Images

Es war einmal ein Zins „Die Geldpolitik gerät in immer ärgere Schieflage“

Holger Knaup
Foto: Alrecht , Kitta & Co.

So könnte es anfangen, das Märchen vom Zins: „Es war einmal ein Zins. Er war König und regierte über ein großes Reich. Und er war großzügig und gerecht: Er belohnte diejenigen, die besonnen mit ihrem hart Ersparten umgingen. Andererseits sorgte er dafür, dass diejenigen, die über ihre Verhältnisse lebten, einen zusätzlichen Malus in Kauf nehmen mussten. Denn er wollte vermeiden, dass es zu Unruhen im Königreich kommt. Doch es traten böse Mächte an ihn heran, die ihm erzählten, dass er seine Macht und die Ruhe in seinem Reich nur bewahren könne, wenn er sein Vorgehen ändern würde. Er müsse den Besonnenen und Bescheidenen etwas wegnehmen und es denjenigen geben, die mehr ausgaben als sie hatten …“.

Leider weiß niemand, wie das Märchen ausgegangen ist. Und noch viel schlimmer: Leider ist es kein Märchen. Sondern seit Jahren Realität. Die Deutsche Bundesbank schreibt zum Thema „Zins“ unter der Rubrik „Schule und Bildung“:

Wer spart, 'konserviert' den Wert über die Zeit und bildet sich so eine Reserve, über die er später bei Bedarf verfügen kann. Das „Spar-Geld“ kann man so in der Zwischenzeit anderen überlassen (z. B. einer Bank). Dafür bekommt man Zinsen, die gewissermaßen eine Entschädigung dafür sind, dass man für eine bestimmte Zeit auf die Verfügbarkeit seines Geldes verzichtet.“

Gefahr von Fehlallokationen

Stand heute müssten die Lehrbücher so langsam umgeschrieben werden. Denn mit ihrer Zinssenkung Ende Juli - der ersten nach zehn Jahren - hat die amerikanische Notenbank Fed den Stein für einen neuen Zinssenkungszyklus ins Rollen gebracht. Weltweit wird die Geldpolitik wieder gelockert. Auch Christine Lagarde, die designierte Nachfolgerin des EZB-Chefs Mario Draghi (Europäische Zentralbank), wird wohl den eingeschlagenen Weg des „whatever it takes“ fortsetzen mit dem Argument, die Euro-Zone um jeden Preis zusammenzuhalten. Die Geldpolitik wird damit immer mehr zur Finanzpolitik, die der Staatenfinanzierung dient. Schon heute sind in Europa rund Dreiviertel der Staatsschulden negativ verzinst. In Deutschland sind es sogar 90 Prozent. Dazu kommen noch die negativ verzinsten Unternehmensanleihen. Laut Bloomberg sind weltweit Schuldverschreibungen in Höhe von 13 Billionen Dollar im Umlauf, die negative Renditen abwerfen. Das muss aber längst nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten.

Der Trend hin zu langfristig negativen Zinsen ist eine schlechte Nachricht für alle Sparer, Lebensversicherungen und Pensionskassen. Schon heute werden große Geldsammelstellen durch die Regulierung de facto dazu gezwungen, Staatsanleihen zu kaufen. Auch, wenn diese negativ rentieren. Faktisch steht damit die gesamte Altersvorsorge auf dem Spiel.

Hinzu kommt die immer größer werdende Gefahr von Fehlallokationen des Geldes, wie es sich schon bei den explodierenden Immobilienpreisen in den Metropolen zeigt. Darüber hinaus finanzieren sich die Unternehmen und Staaten nahezu zum „Nulltarif“. Auch solche, die in einem normalen Zinsumfeld schon lange zahlungsunfähig wären.

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