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Nachhaltig Investieren Was zu tun ist, wenn ESG-Systeme ein und dasselbe Unternehmen unterschiedlich bewerten

Deutschlands größtes schwimmendes Solarkraftwerk auf einem Baggersee bei Haltern am See: Ein Solarunternehmen und eine Möbelfirma könnten in einem ESG-System hypothetisch dieselbe CO2-Bewertung haben.
Deutschlands größtes schwimmendes Solarkraftwerk auf einem Baggersee bei Haltern am See: Ein Solarunternehmen und eine Möbelfirma könnten in einem ESG-System hypothetisch dieselbe CO2-Bewertung haben. | Foto: Imago Images / Jochen Tack

Die Ansichten über nachhaltiges Investieren gehen weltweit auseinander. Einigen Anlegern geht es nur darum, unbelastet Renditen erzielen können. Andere Investoren freuen sich über ihren Beitrag zu sozialer Verantwortung. Darüber hinaus glauben sie daran, dass eine ESG-Ausrichtung Anlagerisiken reduziert und zukunftsfähige Renditenerzielt.

Edward Lees,
Co-Head Environmental Strategies Group

Wir schließen uns der zweiten Ansicht an, denken aber, dass es Missverständnisse darüber geben könnte, was ein ESG-System dabei wirklich leisten kann. ESG-Ansätze sind darauf ausgelegt, skalierbar zu sein. Sie funktionieren daher weitgehend systematisch. Dies entspricht unserem Wunsch, auf Knopfdruck schnell eine Reihe von Standards zu haben, die auf eine breite Palette von Anlageprodukten angewendet werden können. Dieses Vorgehen kann aber auch einige Herausforderungen mit sich bringen.

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Der wachsende Umfang an ESG-Daten liefert uns detaillierte Informationen zu einer Reihe von Themen aus den Bereichen E (Umwelt), S (Soziales) und G (Governance). Wenn man über ein eigenes System verfügt, kann man über die allgemeinen Bewertungen hinausgehen und einzelne Kennzahlen analysieren, um die für die bewerteten Unternehmen spezifischen roten Linien zu identifizieren.

Dies kann bei den so genannten „Do No Significant Harm“-Tests (DNSH; „Vermeidung erheblicher Beeinträchtigung“), die Teil jeder Nachhaltigkeitsbewertung sind, sehr hilfreich sein. Gute Bewertungssysteme umfassen auch das Feedback von Fundamental-Analysten, deren Blick weit über die ESG-Daten hinausgeht. 

 

Vergleichen wir Äpfel mit Birnen?

Bei der Entwicklung von Unternehmens- und Portfoliobewertungen werden die Dinge in der Regel komplexer. Das liegt daran, dass die zu bewertenden Kategorien in der Regel recht unterschiedlich sind. Die Informationen können qualitativ oder quantitativ sein. Hinzu kommt, dass die zu vergleichenden Unternehmen häufig nicht dieselben Informationen liefern. Auch die Sektoren und Länder, in denen sie tätig sind, können sehr unterschiedlich sein. So ist es beispielsweise einfacher, einen US-Technologiefonds aus der ESG-Perspektive zu betrachten als einen sektorübergreifenden oder globalen Fonds. 

Auch die Offenlegung spielt bei ESG-Systemen eine Rolle. Kleinere Unternehmen können im Nachteil sein, da sie möglicherweise nicht viele ESG-bezogene Richtlinien haben. Dies kann zu niedrigeren ESG-Bewertungen führen, unabhängig von den Verdiensten des Unternehmens.

Nichtsdestotrotz werden die Datenpunkte von allen verschiedenen Unternehmen aggregiert. Angesichts des breiten Spektrums an Variablen und der oben genannten Überlegungen ist es daher nicht überraschend, dass verschiedene ESG-Systeme ein und dasselbe Unternehmen recht unterschiedlich bewerten können.

Reden oder sinnvoll Handeln?

Viele ESG-Systeme konzentrieren sich auf die Art und Weise, wie Unternehmen etwas tun, und nicht auf das, was sie tun. Daher können einige Systeme Unternehmen übersehen, die tatsächlich Lösungen für ökologische und soziale Probleme anbieten. Dies scheint im Widerspruch zum Geist der ESG-Investitionen zu stehen.

Nehmen wir als Beispiel Systeme, die sich auf Kohlenstoff konzentrieren. Eine Möbelfirma und ein Solarunternehmen könnten hypothetisch den gleichen CO2-Fußabdruck nach Scope 1, 2 und 3 aufweisen. Aber wir wissen natürlich, welches Unternehmen den größeren Beitrag zur Dekarbonisierung der Gesellschaft leistet. Dies würde durch Scope 4 – vermiedene Emissionen – erfasst werden, aber diese Daten sind in der Regel nicht verfügbar (wir versuchen, sie nach Möglichkeit selbst zu berechnen).

Ein Unternehmen für Spiele-Software, das einen niedrigeren Wert für den CO2-Fussabdruck hat, könnte besser dastehen als ein großer Energieversorger mit einem höheren Wert, der aber sein Portfolio von der fossilen Energieerzeugung auf Ökostrom umstellt. Unserer Ansicht nach spiegelt der Unterschied in den Bewertungen nicht die Realität wider. Wir glauben, dass die Aktivitäten des Spiele-Herstellers nichts mit den weltweiten Klimaproblemen zu tun haben, während die Bemühungen des Energieversorgers eindeutig darauf abzielen.

Es geht um Pragmatismus, nicht Dogmatismus

Unser Ansatz besteht darin, ESG-Analysen zu nutzen, um unternehmensspezifische Probleme besser zu erkennen, aber den Unternehmens- oder Portfoliobewertungen keine übermäßige Aufmerksamkeit zu schenken. Stattdessen wollen wir uns darauf konzentrieren, was die Unternehmen tatsächlich tun und ob sie eine Rendite erzielen werden. Wir berücksichtigen ihr bisheriges CO2-Profil, konzentrieren uns aber mehr auf zukünftige Netto-Null-Ziele und ihren Beitrag zur Dekarbonisierung der Gesellschaft.

Als umweltbewusste thematische Investoren führt uns dies zu den Unternehmen, die den Wandel ermöglichen, und die dadurch am meisten von einem Markt profitieren, dessen Umfang bis 2050 auf etwa 275 Billionen US-Dollar geschätzt wird. Diese Strategie bezeichnen wir als ESG+.

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Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.