Während der politische Gegenwind für nachhaltige Investments zunimmt, wächst die Zahl der ESG-Fonds weiter – wenn auch langsamer als zuvor. In Deutschland sind mittlerweile rund 6.500 sogenannte Artikel-8-Fonds mit einem Vermögen von 4,35 Billionen Euro zugelassen. Hinzu kommen 630 Artikel-9-Fonds mit einem Vermögen von 223 Milliarden Euro. Dies geht aus einer aktuellen Analyse des Fondsuniversums durch die Ratingagentur Scope hervor.

Die Zahlen deuten auf eine gewisse Stabilisierung des ESG-Marktes hin. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der nachhaltigen Produkte gemäß Artikel 8 und 9 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) nur noch um 4,4 beziehungsweise 2,8 Prozent. Das verwaltete Vermögen ging sogar leicht um 1,1 beziehungsweise 0,3 Prozent zurück. Die moderate Zunahme der Produkte bei gleichzeitigem Volumenrückgang zeigt die Ambivalenz des Marktes.

Strengere Regulierung schafft Klarheit

„Die ständige regulatorische Entwicklung im Bereich Nachhaltigkeit sorgt einerseits für mehr Klarheit, kann aber andererseits Verwirrung bei Investoren stiften“, heißt es in der Scope-Analyse. Zu den wichtigsten aktuellen Regulierungen zählen die EU-Offenlegungsverordnung und die im November 2024 in Kraft getretene Esma-Leitlinie zu nachhaltigkeitsbezogenen Begriffen in Fondsnamen.

Die Esma-Leitlinie legt einen klaren Schwellenwert fest: Mindestens 80 Prozent des Portfoliovermögens müssen in Übereinstimmung mit dem Namensbestandteil beziehungsweise der Anlagestrategie und Nachhaltigkeitszielen investiert werden. Bestehende Fonds müssen diese Vorgaben ab dem 21. Mai 2025 erfüllen.

Die Auswirkungen dieser Regulierung sind bereits spürbar: Die Zahl der Fonds mit Nachhaltigkeitsbegriffen im Namen ist seit Oktober 2024 um 7 Prozent auf 2.233 zurückgegangen. Das verwaltete Vermögen dieser Fonds schrumpfte sogar um 20 Prozent auf 992,1 Milliarden Euro.

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ETFs reagieren besonders sensibel

Auffällig: Passive ETFs sind bei den Umbenennungen deutlich überrepräsentiert. Sie machen 44 Prozent aller Umbenennungen aus, obwohl ihr Anteil am Gesamtmarkt der Fonds mit nachhaltigen Begriffen im Namen nur etwa halb so hoch ist. „Das legt die Vermutung nahe, dass passive Produkte tendenziell weniger zusätzliche Ressourcen für die Einhaltung nachhaltiger Vorschriften bereitstellen oder nicht bereit oder in der Lage sind, die zugrunde liegende Indexmethodik zu ändern“, erläutert Scope.

Insgesamt spielen passive ETFs im nachhaltigen Fondsuniversum eine untergeordnete Rolle. Während bei Artikel-6-Produkten etwa jeder fünfte Fonds ein ETF ist und diese 41 Prozent des Vermögens ausmachen, ist ihr Anteil bei Artikel-8- und Artikel-9-Produkten mit rund 10 Prozent deutlich geringer.

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Aktienfonds dominieren bei nachhaltigen Produkten

Die Verteilung nach Anlageklassen zeigt, dass fast jeder zweite nachhaltige Fonds gemäß Artikel 8 ein Aktienfonds ist. Bei Artikel-9-Produkten sind es sogar mehr als 60 Prozent. Danach folgen Rentenprodukte mit 27 beziehungsweise 28 Prozent. In sonstige Assets sind etwa ein Viertel der Artikel-8-Fonds und lediglich 10 Prozent der Artikel-9-Produkte investiert.

Interessant ist die Entwicklung bei den Aktienfonds: Während ihr Anteil am verwalteten Vermögen bei Artikel-8-Produkten im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf unter 40 Prozent sank, stieg er bei Artikel-9-Fonds um 3,8 Prozentpunkte. „Hauptgrund für diese Verschiebung ist wahrscheinlich, dass Nachhaltigkeitskriterien bei Aktien leichter zu beobachten und zu quantifizieren sind als bei Anleihen“, erklärt Scope. „Hinzu kommt, dass Aktionäre mehr Möglichkeiten haben, auf nachhaltige Veränderungen bei Unternehmen hinzuwirken, als Anleiheinvestoren bei den Emittenten der Zinspapiere.“

 

Mehrere Faktoren bremsen ESG-Boom

Die Experten von Scope führen mehrere Gründe für die Verlangsamung des ESG-Booms an. Die strengere Regulatorik mit der SFDR-Stufe 2 und der Esma-Leitlinie zu Fondsnamen, die beide der Bekämpfung von Greenwashing dienen, haben dazu geführt, dass Asset Manager vorsichtiger mit ihren Nachhaltigkeitsangaben geworden sind.

Hinzu kommt das schwierige Marktumfeld: „Die Märkte in den vergangenen Jahren waren nicht besonders lukrativ für ESG-Investoren: Höhere Leitzinsen brachten starken Gegenwind, da ESG-Investments oft mit einer längeren Investitionsdauer einhergehen“, heißt es in der Analyse. Auch politische Entwicklungen wie ein größerer Fokus auf Verteidigung in Europa und eine Wende hin zu fossilen Rohstoffen in den USA haben zu mehr Skepsis gegenüber Nachhaltigkeit und damit zu einer Distanzierung von ESG-Investitionen geführt.

Dennoch machen nachhaltige Produkte gemäß SFDR etwa 60 Prozent des gesamten Fondsuniversums aus. Die Zahlen zeigen, dass das Thema Nachhaltigkeit trotz aller Herausforderungen in der Finanzwelt angekommen ist – auch wenn der anfängliche Boom einer nüchterneren Betrachtung gewichen ist.