Einige nachhaltige Fonds haben ihren Kurs bei Rüstungsinvestitionen im ersten Halbjahr 2025 grundlegend geändert. Wie aus einem Bericht des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) hervorgeht, hat sich der Anteil von Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungsindustrie bei aktiv verwalteten Artikel-8-Aktienfonds von 0,8 Prozent Ende 2024 auf 1,3 Prozent zur Jahresmitte 2025 erhöht.
Hintergrund ist die Anpassung des ESG-Zielmarktkonzepts im Dezember 2024. Der bisherige pauschale Ausschluss von Unternehmen, die mehr als 10 Prozent ihrer Umsätze mit Rüstungsgütern erzielen, wurde gestrichen. Seitdem sind nur noch Investitionen in Hersteller völkerrechtlich geächteter Waffen untersagt.
Drei verschiedene Ansätze am Markt
Die Fondsanbieter reagieren unterschiedlich auf die neuen Möglichkeiten. Der BVI unterscheidet drei Herangehensweisen: Einige Anbieter, wie kirchennahe Gesellschaften, schließen Rüstungsinvestitionen weiterhin komplett aus. Andere Anbieter erlauben Investments in Unternehmen mit geringem Rüstungsanteil bis maximal 10 Prozent. Eine dritte Gruppe verzichtet bei bestimmten Produkten ganz auf Ausschlüsse und lässt auch klassische Rüstungshersteller zu.
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel bei Fonds mit Deutschland-Schwerpunkt. Diese weisen laut BVI bereits einen Portfolioanteil von 4,6 Prozent im Bereich „Aerospace & Defence“ auf. Unternehmen wie Airbus und Rheinmetall finden nun Eingang in die Portfolios. Selbst bei den strengeren Artikel-9-Fonds wurde erstmals ein messbares Engagement von 0,2 Prozent registriert.
Konventionelle Fonds liegen weiter vorne
Trotz des Anstiegs investieren ESG-Fonds weiterhin deutlich weniger in Rüstung als konventionelle Produkte. Diese kommen auf einen Anteil von 3,6 Prozent. Auch im europäischen Vergleich sind deutsche ESG-Fonds noch vergleichsweise vorsichtig aufgestellt. So liegt der Anteil im EU-Ausland bei knapp 2 Prozent.
Der BVI erwartet, dass der Anteil von Rüstungsunternehmen in deutschen ESG-Produkten im weiteren Jahresverlauf weiter steigt. Die schrittweise Anpassung der Portfolios sei noch nicht abgeschlossen.
Dieser Trend zu Investments in Rüstungsunternehmen zeigt sich auch anhand der Neuauflagen konventioneller Fonds, die in Rüstung investieren. Seit Anfang 2024 können Anleger in Deutschland in zehn neue Rüstungs-ETFs investieren, allein im Frühjahr 2025 sind sieben neue hinzugekommen. Alle ETFs, die auf Rüstung setzen, finden Sie in unserer Übersicht.
Anleger ziehen Geld ab
Die Lockerung der Kriterien kann den negativen Trend bei nachhaltigen Fonds nicht stoppen. Während konventionelle Publikumsfonds im ersten Halbjahr 2025 fast 50 Milliarden Euro Neugelder einsammelten, flossen aus Produkten mit Nachhaltigkeitsmerkmalen 1,3 Milliarden Euro ab.
Insgesamt verwalteten Artikel-8- und Artikel-9-Fonds per Ende Juni über 1,2 Billionen Euro für deutsche Anleger. Das verwaltete Vermögen stieg vor allem durch nachträgliche Meldungen umklassifizierter Spezialfonds. Bei Publikumsfonds war das Volumen mit knapp 750 Milliarden Euro rückläufig. Ob dieser Trend durch die Öffnung gedreht werden kann, bleibt abzuwarten.
