Vishal Hindocha

Welche Auswirkungen haben die einzelnen Nachhaltigkeitsrisiken auf das Ertragsprofil? MFS Investment Management setzt eher auf Integration als auf Ausschlüsse. Das bedeutet: Wir „bestrafen“ kein Land oder Unternehmen, indem wir seine Anleihen aus unseren Portfolios ausschließen, weil es aus einer bestimmten Branche kommt oder in eine Kontroverse verwickelt ist. Stattdessen betrachten wir Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit der finanziellen Relevanz: Ist der Risikofaktor finanziell relevant und könnte er die Erträge belasten?

Bei Emerging-Market-Anleihen verfolgen wir denselben Ansatz zur Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren in unsere Analysen wie bei anderen Assetklassen. Aber nicht alle ESG-Faktoren sind für alle Assetklassen oder Regionen gleich wichtig, es gibt Unterschiede, wie stark sich die jeweiligen Faktoren auf die Anleihenerträge auswirken.

Bei Emerging-Market-Anleihen sind Governance-Faktoren besonders relevant

Wie wichtig Governance-Faktoren für Unternehmen sind, ist klar; so ist beispielsweise die Qualität des Managements eine nicht zu vernachlässigende Größe. Gibt es ein unabhängiges Board, das darauf achtet, dass die Geschäftsleitung die Richtlinien und Strategien erfolgreich umsetzt? Bei der Auswahl von Staatsanleihen ist für uns die Bestimmung der Qualität der Regierung des emittierenden Landes entscheidend. Wir prüfen, ob die Regierung stabil ist und eine wachstumsfreundliche Wirtschaftspolitik durchsetzen kann. Herrscht Rechtsstaatlichkeit? Wie leistungsfähig sind Judikative und Legislative? Und wie verbreitet ist Korruption?

Governance-Faktoren sind wichtig für die Erträge von Emerging-Market-Anleihen. So sorgt eine stabile Regierung für ein Umfeld, in dem sich eine produktive und gesunde Bevölkerung und damit wachsender Wohlstand entwickeln kann. Genau das erwarten wir Investoren von Emerging-Market-Staatsanleihen: Wachstum, Weiterentwicklung und Erträge. Wenn die Bedingungen für Stabilität und Wachstum nicht gegeben sind, ist die Einordnung sozialer Faktoren wie Zugang zu Bildung, Gesundheitsleistungen und Technologieinfrastruktur schwierig.

Wir sehen aber auch die wachsende Bedeutung ökologischer Faktoren, weil viele Emerging Markets ihre Haushalte durch den Export von Rohstoffen wie Mineralien, Öl und Gas finanzieren müssen. Auch physische Risiken spielen bei der Auswahl von Emerging-Market-Anleihen eine Rolle, wegen der möglichen Extremwetterereignisse in diesen Ländern. 

Emerging Markets und Industrieländer: Unterschiedliche Ertragsfaktoren

Die Analysten von MFS haben empirisch untersucht, welche Faktoren maßgeblich für die Spreads und damit für die Erträge sind. Auf der Grundlage dieser Analysen bestimmen vor allem Governance-Faktoren die Emerging-Market-Spreads, weil diese sich bei schlechten Nachrichten schnell erhöhen, sodass die Kurse fallen. An zweiter Stelle stehen soziale Faktoren und soziale Stabilität. Ökologische Faktoren haben am wenigsten Einfluss auf die Spreads.

 

Der große Unterschied zwischen den Emerging Markets und Industrieländern ist die Relevanz dieser Faktoren. Alle staatlichen Emittenten brauchen eine gute Governance, soziale Stabilität und unterliegen entweder Übergangs- oder physischen Risiken. In den G7 oder G10 wird eine gute Governance wegen ihrer durchweg stabilen politischen Systeme für selbstverständlich gehalten. Deshalb konzentrieren sich Investoren bei ihnen eher auf soziale und ökologische Faktoren. Emerging Markets sind noch nicht so weit, sodass für sie Governance- und soziale Faktoren ein grundlegendes, wenn nicht existenzielles Risiko sind. 

Der Ansatz von MFS: Emerging-Market-Strategien und die SFDR

Mehr Transparenz beziehungsweise eine bessere Berichterstattung oder Offenlegung sind für Investoren eine Herausforderung. Die EU-Offenlegungsverordnung für Finanzunternehmen (SFDR) ist ein Teil des Green Deal der Europäischen Union. Die SFDR hilft, Investmentfonds gemäß ihrer Nachhaltigkeit einzuordnen (als Artikel-6-, Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds). Im Grunde geht es bei der SFDR darum, Kunden eine gute und hilfreiche Berichterstattung zu bieten, damit sie einschätzen können, ob Investoren wirklich das tun, was sie bekunden.

Die Emerging-Market-Anleihenstrategien von MFS IM werden ab dem 28. August 2023 nach Artikel 8 der Offenlegungsverordnung ausgerichtet. Damit will das Investmentteam zeigen, dass die entsprechenden Fonds Nachhaltigkeitsfaktoren integrieren, indem sie Länder, deren Anleihen sie halten, an ihren Governance- und sozialen Faktoren messen.

Wir bei MFS IM gehen diesen Schritt, weil eine gute Governance insbesondere soziale Faktoren fördert. Das eine zieht das andere nach sich. Wir haben deshalb beschlossen, die Governance- und sozialen Profile der Länder in unserem Portfolio exakt zu dokumentieren. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf fundamentalen sozialen Aspekten, Gesundheit und Bildung – sie sind die Voraussetzung für eine gute, dauerhafte konjunkturelle Entwicklung der Schwellenländer in unserem Portfolio.

 

Die hier dargestellten Meinungen sind die des Autors/der Autoren und können sich jederzeit ändern

MFS kann neben traditionellen Finanzkennzahlen auch ökologische, soziale und governancebezogene Faktoren (ESG-Faktoren) in seine fundamentale Investmentanalyse einbinden, wenn MFS der Ansicht ist, dass sie den wirtschaftlichen Wert eines Emittenten maßgeblich beeinflussen können. In welchem Maße ESG-Faktoren berücksichtigt werden und ob sie Einfluss auf die Erträge haben, hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von der Investmentstrategie, den Assetklassen, Allokation nach Regionen und Ländern sowie von den Einschätzungen und Analysen des Investmentexperten eines bestimmten ESG-Themas. Die Investmententscheidungen werden nie ausschließlich von ESG-Faktoren bestimmt. MFS kann wichtige ESG-Faktoren bei seinem Engagement bei Emittenten berücksichtigen, aber dieses Engagement hat nicht automatisch eine Veränderung des Umgangs eines Emittenten mit ESG-Themen zur Folge.

Die hier dargestellten Meinungen sind die von MFS und können sich jederzeit ändern. Sie dienen ausschließlich Informationszwecken und dürfen nicht als Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf eines Wertpapiers oder als Anlageberatung verstanden werden. Prognosen sind keine Garantien.