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ESG-konformer Multifaktoransatz Überrenditen mit grüner Zukunft

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Faktoreigenschaften mit alternativen Performance-Treibern nachbauen

Zwar hat sich die Aktien-Spitze im Index Stoxx Europe 50, der sich aus den 50 größten, börsennotierten Unternehmen in Europa zusammensetzt, im ersten Halbjahr prächtig entwickelt. „Da wir aufgrund eines ESG-Ausschlusses aber nicht in Aktien wie die des Rohstofflieferanten Rio Tinto investieren können, bauen wir dessen Faktoreigenschaften mit anderen Aktien nach“, skizziert Nerlich. Dann ersetzt beispielsweise eine Kombination aus Titeln des nachhaltigen, spanischen Energieversorgers Acciona, des finnischen Maschinenbauers Metsos und des französischen Autobauers Peugeot – stark vereinfacht dargestellt – den Rohstofflieferanten im Portfolio. „Wir substituieren nicht-ESG-konforme Aktien und bringen an deren Stelle Titel mit ähnlichen Renditeerwartungen und Risikoprofilen als Werttreiber in unsere Fonds“, sagt Nerlich.

Grafik: Faktoreigenschaften der Ausschlüsse lassen sich ersetzen

Substitutionsmodell, Quelle: Invesco, Stand 30. Juni 2019.

Doch so simpel sei der Substitutionsprozess dann doch nicht. „Fonds brauchen eine weit differenziertere Gewichtung als im Beispiel“, betont die Portfoliomanagerin. Dass in ihrem Rechenbeispiel ein Rohstoffverwerter den eigentlichen Rohstofflieferanten ersetzt hat, ficht sie nicht an: „Peugeot schafft es durch den ESG-Filter, weil der französische Autobauer mit Nachdruck daran forscht, in Zukunft unabhängiger von Stahlproduzenten zu werden.“ Bei der Bewertung nach ESG-Kriterien sei Augenmaß gefragt. Auch Anbieter von grünem Strom müssten aktuell noch mit Speichermedien mit negativer Umweltbilanz arbeiten und seien mitunter dennoch Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, begründet sie. „Fondsgesellschaften und Anleger sollten auf der Suche nach messbarem Impact einerseits das ethisch, sozial und ökologisch Gute unterstützen. Andererseits sollten sie Verbesserungen dort anregen, wo die Bilanz noch Schwachstellen aufweist.“

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