Die Gewaltspirale im Nahen Osten hat jüngst zu Vergeltungsschlägen der USA im Irak und in Syrien geführt, was eine weitere Eskalation in der Region befürchten lässt. Diese Entwicklungen wirken sich auch auf die globalen Lieferketten aus, da immer mehr Transportschiffe den Suezkanal meiden, um den Angriffen der Huthi-Rebellen zu entgehen. Stattdessen nehmen sie die längere Route um die Südspitze des afrikanischen Kontinents, was die Handelswege verlängert und die Logistik erschwert.

Mexiko im Aufwind: Wie das Land von globalen Trends profitiert

Die Herausforderungen kommen zu einer ohnehin schwierigen Zeit für den Welthandel, der bereits durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine belastet ist. Die zunehmende Diskussion über die Deglobalisierung verstärkt diese Tendenzen zusätzlich. Viele Unternehmen bevorzugen deshalb zunehmend Lieferanten in der Nähe ihres Heimatlandes.

Ein Beispiel für ein Land, das von dieser Entwicklung profitiert, ist Mexiko. Mit rund 130 Millionen Einwohnern und reichen natürlichen Ressourcen zählt das Reich der Azteken und Mayas zu den 15 größten Volkswirtschaften der Welt und ist gemeinsam mit Brasilien der Motor der lateinamerikanischen Wirtschaft. Trotzdem bleibt Mexiko ein Land mit erheblichen sozialen Ungleichheiten und einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich.

Der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes:

  • Verarbeitende Industrie: Mit rund 40 Prozent des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP), das auf den Export verarbeiteter Produkte entfällt, ist dieser Sektor ein Eckpfeiler der mexikanischen Wirtschaft. Die geografische Nähe zu den USA, einem der größten Abnehmer mexikanischer Exporte, ist ein entscheidender Vorteil. Unternehmen, die in Mexiko produzieren, können ihre Produkte schnell und kostengünstig über die Grenze transportieren.
  • Automobilindustrie: Mexiko spielt eine wichtige Rolle in der globalen Automobilproduktion. Viele internationale Automobilhersteller haben Produktionsstätten im Land. Die Nähe zu den USA und die niedrigeren Produktionskosten machen Mexiko zu einem attraktiven Standort.
  • Agrarsektor: Mexiko zählt zu den größten Exporteuren von Agrarprodukten wie Avocados, Tomaten, Paprika und Bier. Der Agrarsektor spielt eine entscheidende Rolle in der mexikanischen Wirtschaft und trägt zur Beschäftigung bei.
  • Tourismus: Die malerischen Strände, historischen Stätten und lebendigen Städte Mexikos ziehen jedes Jahr Millionen von Touristen an. Der Tourismussektor ist ein wichtiger Wirtschaftszweig und schafft Arbeitsplätze in den Bereichen Gastgewerbe, Transport und Freizeit.

Aufgrund der anhaltenden Herausforderungen im globalen Handel bleibt Mexiko ein wichtiger Akteur auf der internationalen Bühne und bietet weiterhin Chancen für wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung.

 

Mexiko profitiert vom Nearshoring

Der Trend zum Nearshoring, also der Verlagerung von Geschäftsaktivitäten in nahe gelegene Länder, rückt Mexiko zunehmend in den Fokus. Das Land profitiert aufgrund seiner politischen Stabilität, der gut ausgebauten Infrastruktur und der geografischen Nähe zu den USA stark von dieser Entwicklung. US-Unternehmen verlagern ihre Produktion nach Mexiko, um Kosten zu sparen und Lieferketten zu stabilisieren. Kein Land profitiert mehr vom Konflikt zwischen China und den USA.

So haben sich im Norden des Landes, an der Grenze zu den USA, Tausende von Produktionsstätten angesiedelt. Der Status einer Freihandelszone zwischen Mexiko, Kanada und den USA erleichtert den Im- und Export von Produkten. Weitere Vorteile für Unternehmen sind die laxen Umweltauflagen der mexikanischen Behörden, die vor allem von Unternehmen der Automobil-, Elektronik- und Textilindustrie genutzt werden. Dennoch ist und bleibt die Situation in Mexiko umstritten. Einerseits gilt sie als Erfolgsgeschichte, weil Hunderttausende von Arbeitsplätzen geschaffen wurden. Andererseits wird sie von Kritikern als moderne Sklaverei bezeichnet, da die Beschäftigten unter schlechten Arbeitsbedingungen und ausufernden Arbeitszeiten leiden.

Die wirtschaftliche Dynamik Mexikos wird von einer Vielzahl bedeutender Unternehmen geprägt, die einen maßgeblichen Beitrag zur nationalen Wirtschaft leisten.

Die wichtigsten Unternehmen Mexikos:

  • Pemex (Petróleos Mexicanos): Als größtes Unternehmen nach Umsatz ist Pemex ein führendes Öl- und Gasunternehmen und ein entscheidender Akteur in der mexikanischen Energiebranche.
  • América Móvil: Unter der Führung von Carlos Slim ist América Móvil das größte mexikanische Privatunternehmen im Telekommunikationssektor und spielt eine herausragende Rolle in der Bereitstellung von Kommunikationsdiensten.
  • FEMSA: Als bedeutender Getränkehersteller und Betreiber von Geschäften ist FEMSA ein wichtiger Player in der mexikanischen Wirtschaft, der auch international aktiv ist.
  • Cemex: Als eines der weltweit führenden Unternehmen im Bauhauptgewerbe ist Cemex einer der größten Zementhersteller Mexikos und spielt eine wesentliche Rolle in der Infrastruktur des Landes.
  • Grupo Bimbo: Als führender Lebensmittelkonzern ist Grupo Bimbo ein zentraler Akteur in der mexikanischen Backwarenindustrie und darüber hinaus international tätig.
  • Walmex (Walmart de México): Mit einer Vielzahl von Supermärkten ist Walmex einer der bedeutendsten Einzelhändler Mexikos und spielt eine wichtige Rolle im Einzelhandelssektor des Landes.

Im ersten Halbjahr 2023 lag Mexikos Wirtschaftswachstum mit deutlich über drei Prozent doppelt so hoch wie vom Internationalen Währungsfonds zu Jahresbeginn prognostiziert. Die mexikanische Bevölkerung ist mit einem Durchschnittsalter von knapp 30 Jahren vergleichsweise jung und gut ausgebildet, das Land wenig anfällig für geopolitische Konflikte oder Kriege. Auch die Finanzen sind solide, nicht zuletzt dank des boomenden Tourismus. Dieser liegt wieder rund 20 Prozent über dem Niveau vor der Pandemie und spülte allein im ersten Halbjahr 2023 rund 16 Milliarden US-Dollar in die Kassen.

Zudem besticht Mexiko durch eine Rohstoffvielfalt, wie sie kaum ein anderes Land aufweisen kann. Dabei handelt es sich nicht nur um Öl, Gas und verschiedene Industriemetalle, bei denen das lateinamerikanische Land über sehr große Vorkommen verfügt. Mexiko ist auch einer der wichtigsten Goldexporteure in die USA und zählt gleichzeitig zu den größten Silberproduzenten der Welt.

 

Mexikos Börse im Fokus

Die mexikanische Börse spiegelt die robuste Wirtschaftslage des Landes wider und entwickelt sich zunehmend unabhängig von der Performance des breiten Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets. Auf Jahressicht hat der MSCI Mexico um 25 Prozent zugelegt, seit dem Tiefpunkt während der Corona-Pandemie Ende März 2020 sogar um satte 170 Prozent. Diese positive Entwicklung zeigt, dass der Aufwärtstrend anhält und die Latino-Börse für Investoren weiterhin interessant ist. Auch für das laufende Jahr kann die mexikanische Börse mit einem Plus von knapp 4 Prozent aufwarten.

Der MSCI Emerging Markets Index hingegen verlor über drei Jahre 14 Prozent und kann auch im Jahr 2024 mit einer Performance von +0,43 Prozent kaum zulegen. Dies ist ein Indiz dafür, dass sich die mexikanische Börse vom allgemeinen Trend der Schwellenländer abkoppeln konnte und Anlegern auch in Zeiten stagnierender oder rückläufiger Entwicklungen in anderen Schwellenländern attraktive Renditen bietet.

Auch langfristig zeigt sich eine Outperformance. Der Indexanbieter MSCI berechnet den Index für mexikanische Aktien bereits seit Dezember 2000. Seitdem hat er jährlich um 9,5 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der MSCI Emerging Markets liegt über denselben Zeitraum  bei 7,65 Prozent per annum. Der global gefasste MSCI ACWI kommt auf 6,6 Prozent pro Jahr.

HSBC MSCI Mexico Capped ETF: Die kostengünstige Option für Anleger

Weitere Informationen
Quelle Fondsdaten: FWW 2026
HSBC MSCI Mexico Capped Ucits ETF
  • Asset-Schwerpunkt: Aktienfonds Mexiko
  • Auflegung: 04.03.2011
  • Ertragsverwendung: ausschüttend
  • ISIN: IE00B3QMYK80
  • Performance 1 Monat: 4,58%
  • Performance 1 Jahr: 25,67%
  • Performance 3 Jahre: 90,39%
  • Performance 10 Jahre: 67,36%
  • Sharpe Ratio 5 Jahre: 0,46
  • Volatilität 5 Jahre: 26,62%
  • Volumen in Mio. EUR: 17

Für Anleger, die in mexikanische Aktien investieren möchten, stehen nur eine begrenzte Anzahl von Optionen zur Verfügung. Es gibt keine aktiven Fonds, aber drei ETFs stehen zur Auswahl. Der größte ist der Xtrackers MSCI Mexico ETF mit einem verwalteten Vermögen von 255 Millionen Euro, gefolgt vom iShares MSCI Mexico Capped ETF mit 90 Millionen Euro. Kleinster und günstigster ETF ist der HSBC MSCI Mexico Capped ETF mit 17 Millionen Euro verwaltetem Vermögen und 0,51 Prozent jährlicher Gesamtkostenquote.

Die tieferen Kosten des HSBC-Fonds spiegeln sich auch in seiner Performance wider. Über einen Zeitraum von fünf Jahren liegt er mit einer Wertentwicklung von 77,44 Prozent knapp einen Prozentpunkt vor der Konkurrenz. Nicht viel, aber immerhin. Der zugrundeliegende Index bietet Zugang zu 24 großen und mittelgroßen Unternehmen in Mexiko, wobei die Top-10-Positionen bereits zwei Drittel des Portfolios ausmachen.

 

Der HSBC ETF bildet die Wertentwicklung aller im Index enthaltenen Unternehmen physisch ab und schüttet die Dividenden halbjährlich aus. Diese Struktur bietet Anlegern eine transparente und kostengünstige Möglichkeit, an der Wertentwicklung des mexikanischen Aktienmarktes zu partizipieren. Insgesamt ist der HSBC MSCI Mexico Capped ETF eine attraktive Option für Anleger, die in die Wirtschaft Mexikos investieren wollen, vor allem wegen der guten Performance und der günstigen Gesamtkostenquote. 

Mexiko-Anlagen: Was Anleger beachten sollten

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mexiko zweifellos eine faszinierende Anlageregion ist und die mittelfristige Performance einen beeindruckenden Aufwärtstrend zeigt. Da Investitionen in Schwellenländer und insbesondere in einzelne Länder wie Mexiko immer mit Risiken verbunden sind, ist jedoch Vorsicht geboten.

Solche Investitionen sollten immer als Teil einer Diversifikationsstrategie in einem gut ausbalancierten Portfolio betrachtet werden, sei es China, die Türkei, Indien, Vietnam oder eben Mexiko. Jedes Land hat seine eigenen Vor- und Nachteile für Investitionen. Mexiko kämpft nach wie vor mit Herausforderungen wie hoher Inflation und innenpolitischen Unsicherheiten.

Anleger sollten daher ihre Risikobereitschaft und ihre langfristigen Anlageziele sorgfältig abwägen, bevor sie in mexikanische Aktien oder ETFs investieren. Es ist ratsam, sich gründlich über die wirtschaftliche und politische Situation des Landes zu informieren und gegebenenfalls professionellen Rat einzuholen, um fundierte Anlageentscheidungen treffen zu können.