Headphones
Artikel hören
ETF der Woche
Heiße Wüstenwette: So nutzt du die Chancen der aufstrebenden Mena-Region
Die Audioversion dieses Artikels wurde künstlich erzeugt.
Sven Stoll

ETF der Woche Heiße Wüstenwette: So nutzt du die Chancen der aufstrebenden Mena-Region

Boom am Golf
Boom am Golf: Die Mena-Region wächst schneller als China, ist aber kaum auf dem Radar westlicher Investoren.
© Sven Stoll mit Canva

Der sogenannte Home Bias ist ein Phänomen, dem viele Anleger zum Opfer fallen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Es ist verlockend, in vertraute Unternehmen und Märkte zu investieren, mit denen man täglich zu tun hat, da man diese vermeintlich besser kennt. Diese Vertrautheit kann jedoch zu einer einseitigen Sichtweise führen, die die Diversifikation des Portfolios beeinträchtigt.

Unentdeckte Chancen abseits ausgetretener Pfade

Wenn Anleger ihren Horizont erweitern und ihr Depot internationaler bestücken, können sie potenziell von Chancen in anderen Ländern oder Regionen profitieren. Denn auch, wenn der heimische Markt solide sein mag, können sich in anderen Teilen der Welt Wachstums- und Renditechancen bieten, die bei einer ausschließlichen Konzentration auf lokale Märkte übersehen werden.

Eine breitere internationale Streuung trägt aber nicht nur dazu bei, das Renditepotenzial zu maximieren, sondern auch das Risiko auf breitere Schultern zu verteilen. Durch Investitionen in verschiedene Märkte und Regionen können Anleger ihre Portfolios widerstandsfähiger gegen lokale Marktrisiken machen und gleichzeitig von der starken Performance in anderen Teilen der Welt profitieren. Während Investitionen in den MSCI World und den MSCI Emerging Markets seit Jahren Bestandteil vieler breit diversifizierter Portfolios sind, wagen sich allerdings nur wenige Anleger an die sogenannten Frontier Markets heran.

Bei den Grenzmärkten handelt es sich um aufstrebende Volkswirtschaften, die noch unterhalb der Schwellenländer angesiedelt sind. Beispiele sind Vietnam, Griechenland oder Länder des Nahen Ostens sowie Nordafrikas wie Saudi-Arabien oder Marokko.

Saudi-Arabiens Vision 2030: Ein Leuchtturm für wirtschaftliche Diversifizierung

Saudi-Arabien hat in jüngster Zeit durch spektakuläre Transfers internationaler Fußballstars wie Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Neymar bei Fußballfans für Schlagzeilen gesorgt. Doch der Golfstaat betreibt nicht nur Imagepflege durch Sportsponsoring, sondern hat auch wirtschaftlich einiges zu bieten. So zählt Saudi-Arabien mittlerweile zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt und verzeichnete im Jahr 2022 aufgrund des gestiegenen Ölpreises ein Wachstum von fast 9 Prozent. Bis 2028 wird ein weiteres Wachstum von rund 3 Prozent pro Jahr prognostiziert, was angesichts der schwächelnden Konjunktur in vielen anderen Teilen der Welt beachtlich ist.

Neugierig geworden?

Dann abonniere unseren Newsletter „Clever anlegen“!
Das Wichtigste zum Investieren, 3x wöchentlich, direkt in dein E-Mail-Postfach.

Mit seiner Vision 2030 setzt das Land auf eine breite wirtschaftliche Vielfalt und zieht damit Investitionen in Höhe von rund 350 Milliarden US-Dollar an. Das ehrgeizige Ziel ist eine Verdreifachung des Bruttoinlandsprodukts, das durch die Industrie erwirtschaftet wird. Zudem spielt der Bergbau eine entscheidende Rolle, um die benötigten Metalle und Mineralien bereitzustellen. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman plant Investitionen in Höhe von 170 Milliarden US-Dollar, um die Rohstoffreserven des Landes jenseits der traditionellen Energieträger zu erschließen.

Öl, Technologie und Tourismus: Die vielfältige Wirtschaft der Mena-Region 

Aber auch über Saudi-Arabien hinaus ist die Mena-Region (Middle East and North Africa), die den Nahen Osten und Nordafrika umfasst, eine faszinierende Mixtur aus reichen Ölproduzenten, aufstrebenden Märkten und Ländern im Umbruch. Neben Saudi-Arabien gehören Algerien, Bahrain, Ägypten, Iran, Irak, Israel, Jordanien, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Oman, Palästina, Katar, Syrien, Tunesien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jemen zu dieser vielfältigen Region.

Die Wirtschaft der Mena-Region ist stark diversifiziert, wobei Öl und Gas traditionell eine wichtige Rolle spielen. Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait profitieren stark von ihren großen Ölreserven und verfügen über beträchtliche Einnahmen aus dem Energiesektor. Diese Länder investieren jedoch zunehmend in die Erweiterung und Modernisierung ihrer Wirtschaft in Bereichen wie Tourismus, Infrastruktur, Technologie und erneuerbare Energien.

 

Ägypten und Marokko nutzen ihre günstige geografische Lage und ein wachsendes Arbeitskräftepotenzial, um sich als regionale Produktions- und Exportzentren zu positionieren. Auch der Technologiesektor in Ländern wie Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten boomt, wobei innovative Start-ups und Forschungseinrichtungen das Wachstum vorantreiben.

In den zurückliegenden Jahren hat sich die Mena-Region dynamisch entwickelt und viele Länder haben Reformen zur Förderung der wirtschaftlichen Diversifizierung und zur Verbesserung des Investitionsklimas eingeleitet. Die Modernisierung der Infrastruktur, die Förderung des Privatsektors und die Verbesserung des Geschäftsumfelds haben dazu beigetragen, das Wachstum anzukurbeln und ausländische Investitionen anzuziehen.

Zwischen Herausforderungen und Investitionspotenzial

Trotz dieser Fortschritte bleiben Herausforderungen bestehen. Einige Länder leiden unter politischer Instabilität, Korruption und schlechter Governance, was sich negativ auf das Investitionsklima auswirken kann. Die Abhängigkeit von Öl und Gas macht die Volkswirtschaften anfällig für globale Preis- und Nachfrageschwankungen. Darüber hinaus stellt die Jugendarbeitslosigkeit eine große Herausforderung dar, insbesondere in Ländern mit einer wachsenden jungen Bevölkerung. Dennoch bietet die Mena-Region zahlreiche Chancen für Investoren.

Die Vereinigten Arabischen Emirate, vornehmlich Dubai und Abu Dhabi, bleiben wichtige regionale Finanz- und Handelszentren. Sie ziehen weiterhin ausländische Investoren an und bieten attraktive Möglichkeiten für Unternehmen, die in der Region expandieren wollen. Dubai ist mit seinem dynamischen Wirtschaftsumfeld und seiner strategischen Lage ein bevorzugtes Ziel für Investoren aus aller Welt.

„Das Liquiditätsprofil des Aktienmarktes in den Mena-Staaten und der prozentuale Marktanteil am MSCI Emerging Markets Index sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Seit 2021 beobachten wir einen deutlichen Anstieg der Kapitalströme in die Region. Im März 2022 zogen viele Schwellenländeranleger ihre Mittel aus Russland ab und investierten sie in den Mena-Markt, was zu einem starken Anstieg dieser Kapitalströme führte“, sagt Salah Shamma, Leiter des Bereichs Mena-Aktien im Franklin Templeton Emerging Markets Equity Team.

 

ETFs als Alternative: Wie Kleinanleger in saudi-arabische Aktien investieren können

Quelle Fondsdaten: FWW 2024
iShares MSCI Saudi Arabia Capped ETF
  • Asset-Schwerpunkt: Aktienfonds Mena
  • Fondsgesellschaft: Blackrock AM
  • ISIN: IE00BJ5JPJ87
  • Performance YTD: 8,79%
  • Performance 1 Jahr: 18,98%
  • Performance 3 Jahre: 61,69%
  • Maximaler Verlust: 40,67%
  • Sharpe Ratio 3 Jahre: 0,77
  • Volatilität 3 Jahre: 18,41%
  • Volumen in Mio. EUR: 402

Für Kleinanleger ist es nahezu unmöglich, auf eigene Faust Aktien an der „Tadawul“ zu handeln. Diese Börse in Riad erlaubt nur institutionellen Anlegern aus dem Ausland den Zugang zu ihren Märkten. So ist es auch nicht möglich, in den mit einem Börsenwert von 1,8 Billionen Euro wertvollsten Ölkonzern der Welt, Saudi Aramco, zu investieren.

Wer sein Portfolio mit saudi-arabischen Aktien ergänzen möchte, kann dafür auf kostengünstige ETFs von Anbietern wie iShares oder Invesco zurückgreifen. Der iShares MSCI Saudi Arabia Capped ETF ist mit einem Fondsvolumen von 402 Millionen Euro das größte Vehikel in diesem Bereich. Der Invesco MSCI Saudi Arabia ETF hat derzeit ein Fondsvolumen von 54 Millionen Euro.

iShares MSCI Saudi Arabia Capped ETF: Zusammensetzung und Gewichtung 

Der dem iShares ETF zugrunde liegende Index setzt sich aus den 40 größten, liquidesten und damit relevantesten saudi-arabischen Blue Chips zusammen. Mit knapp 47 Prozent sind Finanztitel am stärksten gewichtet, gefolgt von Rohstoff- und Energietiteln, die insgesamt ein Drittel des Index ausmachen, darunter auch Saudi Aramco.

Bei dem MSCI-Saudi Arabia 20/35 Index handelt es sich um einen nach Marktkapitalisierung gewichteten Index, dessen Zusammensetzung vierteljährlich in den Monaten Februar, Mai, August und November überprüft und neu gewichtet wird. Der Begriff 20/35 verweist auf die entsprechenden Kappungsgrenzen: Gemäß den Indexregeln darf der größte Wert ein Gewicht von 35 Prozent nicht überschreiten, die nachfolgenden Werte werden mit maximal 20 Prozent gewichtet. Auf Sicht der vergangenen drei Jahre konnte der ETF um 62 Prozent zulegen, im laufenden Jahr sind es bereits knapp 9 Prozent.

Top-Holdings: 

  • Die Al Rajhi Bank ist das größte islamische Finanzinstitut der Welt mit Hauptsitz in Saudi-Arabien und bietet eine breite Palette von Bankdienstleistungen gemäß den Prinzipien des islamischen Rechts (Scharia) an: 15,47 Prozent
  • Die Saudi National Bank (SNB) zählt zu den größten Banken in Saudi-Arabien und entstand aus der Fusion der National Commercial Bank (NCB) und der Samba Financial Group, und sie bietet eine Vielzahl von Bankdienstleistungen für Privat- und Geschäftskunden an: 10,32 Prozent
  • Saudi Aramco ist das weltweit größte integrierte Erdölunternehmen und spielt eine maßgebliche Rolle in der globalen Energieindustrie, mit umfangreichen Öl- und Gasreserven sowie verschiedenen Geschäftsbereichen entlang der Wertschöpfungskette: 7,98 Prozent
  • Saudi Telecom Company (STC) ist das führende Telekommunikationsunternehmen in Saudi-Arabien und bietet eine breite Palette von Telekommunikationsdiensten, einschließlich Mobilfunk, Festnetz, Breitbandinternet und digitale Dienste, sowohl im Inland als auch international: 7,34 Prozent
  • Saudi Basic Industries Corporation (SABIC) ist eines der weltweit führenden Chemieunternehmen und produziert eine Vielzahl von Chemikalien, Kunststoffen und Düngemitteln, die in verschiedenen Branchen wie der Automobilindustrie, der Bauindustrie und der Verpackungsindustrie eingesetzt werden: 6,80 Prozent
 

Xtrackers MSCI GCC Select Swap ETF: Breiteres Engagement in der Region

Quelle Fondsdaten: FWW 2024
Xtrackers MSCI GCC Select Swap ETF
  • Asset-Schwerpunkt: Aktienfonds Mena
  • Fondsgesellschaft: DWS Investment
  • ISIN: IE00BQXKVQ19
  • Performance YTD: 6,03%
  • Performance 1 Jahr: 10,21%
  • Performance 3 Jahre: 54,11%
  • Maximaler Verlust: 39,80 Prozent
  • Sharpe Ratio 3 Jahre: 0,79
  • Volatilität 3 Jahre: 16,04%
  • Volumen in Mio. EUR: 18

Für ein etwas breiteres Engagement in der Region empfiehlt sich der Xtrackers MSCI GCC Select Swap ETF. Der zugrunde liegende Referenzindex, der MSCI GCC Countries ex Select Securities Index, umfasst führende Unternehmen aus den sechs GCC-Staaten. Dazu zählen neben Saudi-Arabien die Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kuwait, Oman und Bahrain. Diese Volkswirtschaften zeichnen sich vor allem durch ihren Kapitalreichtum aus, der für zum Teil gigantische Projekte genutzt wird. Man denke nur an die Entwicklung künstlicher Megastädte, die mit Milliardenbeträgen finanziert werden. Viele Städte in der Region sind hochmodern und verfügen über beeindruckende Skylines, wie die Bilder von der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar gezeigt haben.

Der ETF ist zu 64 Prozent in Saudi-Arabien investiert, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten mit knapp 15 Prozent. Die größten Einzelpositionen sind wie beim Saudi-Arabien-ETF die Al Rajhi Bank und die Saudi National Bank. Finanztitel bilden mit 59 Prozent den Schwerpunkt des Portfolios.

Aufgrund der swapbasierten Abbildung des ETFs weicht die Zusammensetzung des tatsächlichen Portfolios deutlich ab. Ein Swap-ETF investiert nicht unbedingt direkt in die Aktien des zugrunde liegenden Index. Stattdessen verwendet er eine Mischung aus hochliquiden Aktien, die in ausreichend großen Mengen an der Börse gehandelt werden können. Der Xtrackers GCC Swap ETF wurde am 5. Februar 2015 aufgelegt und hat ein Fondsvolumen von 18 Millionen Euro. Über einen Zeitraum von fünf Jahren erzielte der Indexfonds ein Plus von 51 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 6 Prozent.

Wie hat dir der Artikel gefallen?

Danke für deine Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
ETF-Guide Zur kompletten Übersicht
Erfolgreicher Schlag gegen den Weltindex – dieser ETF kombiniert das Beste zweier Welten
Mit Equal Weight dem Herdentrieb entkommen
ETFs handeln – so funktioniert’s
Auftrieb bei Gold: Mit Minenaktien glänzende Renditen schürfen
Kurskosmetik mit Milliarden: So verdienst du bei Aktienrückkäufen mit
Auch interessant
Adrians Krypto-Update Leitzinsen und Konjunktur – so reagiert der Kryptomarkt auf ökonomische Signale
Erst rauf auf knapp 72.000, dann wieder runter auf unter 70.000 US-Dollar: ...
Goldene Gelegenheit Auf diese Punkte solltest du bei Goldmineninvestments achten
Der Goldpreis hat mit 2.400 US-Dollar pro Feinunze einen historischen Höchststand erreicht ...
ETF der Woche Weltweit vom Turnaround bei Small Caps profitieren
Mit Small-Cap-ETFs können Anleger gezielt in das Wachstumspotenzial kleinerer Unternehmen investieren. Langfristig ...
Mehr zum Thema
Humboldt-Universität zu Berlin
Hochschulranking BWL-Studenten von diesen Universitäten stellen Personaler am liebsten ein
Betriebswirtschaftslehre ist das mit Abstand beliebteste Studienfach in Deutschland. Mit der Wahl ...
Eltern erklären ihrem Kind das Sparen
Ratgeber für Eltern So bringt ihr euren Kindern frühzeitig den richtigen Umgang mit Geld bei
Schon im Grundschulalter können sich finanzielle Gewohnheiten entwickeln, die den Umgang mit ...
Das Fintech Trade Republic buhlt mit attraktiven Zinsen um Neukunden
Fehlende Ausschüttungen Das sagt Trade Republic zur Dividenden-Panne
Ärger bei Trade Republic: Kunden warten seit Tagen vergeblich auf Dividenden. Nun ...
Jetzt Newsletter abonnieren
Hier findest du uns