ETF-Experte Daniel Ung „Die Strategie nimmt Emotionen raus“

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Und die sind alle nicht sauber und wissenschaftlich gestützt?

Ung: Ein Blick auf die Methodik und die Auswahl der Faktoren ist wichtig. Sie können auch nicht sagen: ‚Oh, alle Dividendenstrategien sind gleich!‘ Sie sind es nicht, weil es darauf ankommt, wie Sie die Aktien auswählen, was Sie sich ansehen und auch, woran Sie in Ihrem Unternehmen glauben. Das ist extrem wichtig. Manche Faktoren funktionieren nur in bestimmten Märkten. Wenn das der Fall ist, sollten Sie misstrauisch werden. Und deshalb glauben wir nicht an den Liquiditätsfaktor. Denn er funktioniert nur in bestimmten Märkten und bestimmten Regionen. Einige Leute sagen, ESG sei ein Faktor. Nun, es ist ein Faktor, den man bei den eigenen Anlageentscheidungen berücksichtigen muss, aber es ist keiner im Sinne eines kompensierten Risikofaktors, so wie wir es definieren würden.

Glauben Sie, dass die Passivseite in Zukunft einen größeren Anteil an breiter angelegten Strategien wie der Dividende haben wird? Und dass es dann durch stärkeren Verkaufsdruck etwas unsicherer werden könnte?

Ung: Sie dürfen nicht vergessen, wenn wir von einer indexbasierten Sparte sprechen, dass Steigerungen auf einem niedrigen Level stattgefunden haben. Die größten Dividendenstrategien werden für aktive Anlagen und nicht für passive Anlagen genutzt. Der Unterschied zwischen einem aktiven Manager und der Smart-Beta-Strategie ist, dass ein aktiver Manager tut, was auch immer er will. Er entscheidet alleine. Mit einer indexbasierten Smart-Beta-Strategie tun Sie das in regelmäßigen Abständen. Ich halte das für die bessere Lösung, weil sie die Emotion herausnimmt.

Stichwort Emotionen: Gibt es bei Ihnen eine höhere Nachfrage nach Produkten mit geringer Volatilität, wenn die Volatilität zurückkommt?

Ung: Ja. Da unterscheiden wir uns nicht von aktiven Anlagestrategien. In einem schlechten Umfeld sehen Sie im Allgemeinen mehr defensive Strategien. Das haben wir letztes Jahr im vierten Quartal erlebt, aber auch in diesem Jahr. Dieses Jahr ist interessant, da die Performance etwa im S&P 500 nicht so schlecht war und die Märkte deshalb gestiegen sind. Im Allgemeinen steigen die Zuflüsse in ETFs, wenn der Markt steigt. Aber das konnten wir 2019 nicht beobachten. Es gab eine höhere ETF-Nachfrage, aber nach defensiven Strategien.

Welchen Schluss ziehen Sie daraus?

Ung: Die Leute glauben an ein spätzyklisches Umfeld. Sie rechnen damit, dass das Wachstum sich stark verlangsamt, erwarten allerdings keine Rezession.

Sprechen wir über die Kosten von Smart Beta. Glauben Sie, dass der Druck auf die Erträge anhalten wird?

Ung: Ich bin recht zuversichtlich, dass wir uns keine Gedanken über Kostendruck machen müssen. Das mag bei einem ETF auf den S&P 500 anders sein. Da sind die Fonds gleich. Unsere Strategien sind dagegen denen unserer Wettbewerber überhaupt nicht ähnlich, auch wenn sie sehr ähnlich zu sein scheinen.

Glauben Sie, dass Anleger, die sich für den Kauf eines Smart-Beta-ETFs entscheiden, jede einzelne Ihrer Strategien und die Ihrer Wettbewerber vergleichen? Werden sie das nicht eher von der Kostenseite her betrachten?

Ung: Ich glaube, das sind zwei unterschiedliche Dinge. Smart-Beta-Strategien müssen Sie sorgfältig prüfen. Wenn Sie es nicht tun, wird es schwierig, denn dann kaufen Sie vielleicht Dinge, die Sie nicht erwartet haben.

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