Detlef Glow

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ETF-Kolumne: Personalwechsel künden nicht von überhitztem Markt

Während der nachrichtenarmen Sommerzeit machen in der ETF-Branche vor allem Personalmeldungen die Runde: Levente Kulcsar ist von der Commerzbank zur Credit Suisse gegangen, Nizam Hamid hat Blackrock verlassen und Hector McNeil ETF Securities, Christian Gast wird von der UBS zu Blackrocks Marke iShares wechseln - um nur ein paar der jüngsten Beispiele zu nennen.

Oftmals sind solche gehäuften personellen Veränderungen Anzeichen dafür, dass ein Markt heiß gelaufen ist. Ich erinnere zum Beispiel an die Branche aktiv gemanagter Investmentfonds um die Jahrtausendwende herum. Sehen wir bei den ETFs nun eine ähnliche Entwicklung?
 
Viele der frisch besetzten Stellen wurden von den ETF-Anbietern neu geschaffen. Größtenteils handelt es sich dabei um zentrale Positionen in der Produktentwicklung und dem Vertrieb. Das legt nahe, dass sich die Anbieter mithilfe neuen Personals entweder am Markt etablieren oder ihre Positionen ausbauen wollen. In der Regel werden solche Schlüsselpositionen nicht mit jungen, unerfahrenen Personen besetzt. Daher haben die Gesellschaften kurzerhand Personal von Wettbewerbern abgeworben, welche die Lücken nun ihrerseits füllen müssen - und schon ist das Karussell in vollem Gange.

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Dieser Austausch von Personal führt auch zu einem Austausch von Fachwissen und Ideen zwischen den Anbietern. Dies wird meiner Meinung nach neue Produkte mit sich bringen. Denn schließlich werden sich die neuen Kollegen schnell beweisen und ihre Ideen umsetzen wollen. Daher sollte sich das Wachstum der ETF-Branche zumindest auf der Produktebene in den nächsten Monaten fortsetzen.

Das Vermischen von Ideen dürfte aber auch dazu führen, dass die Angebote der einzelnen Emittenten noch vergleichbarer werden. Dadurch wird es für die Anbieter schwieriger, sich von Wettbewerbern abzugrenzen.

Ich wundere mich, dass einige Anbieter die nun besetzten Leitungspositionen nicht eher geschaffen haben. Haben sie das Wachstum des Marktes und ihren eigenen Erfolg unterschätzt? Oder sind die Neueinstellungen in einigen Fällen ein letztes verzweifeltes Aufbäumen, bevor man eventuell den Rückzug antreten muss? Dann würde sich die aktuelle Entwicklung im Nachhinein doch als frühes Anzeichen einer Marktbereinigung
herausstellen.

Aber: In meinen Augen hat es in den vergangenen Jahren in der ETF-Branche nicht besonders viele Neueinstellungen gegeben. Nun scheinen die Anbieter nachzuholen, was durch das rasante Wachstum des Marktes notwendig geworden ist. In Bezug auf eine
mögliche Überhitzung heißt das: Die jüngsten personellen Veränderungen sollten zwar mit Interesse beobachtet, aber nicht überbewertet werden.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

Glow schreibt regelmäßig in der Online-Community von Thomson Reuters - Lipper
, die nur für professionelle Investoren (Vermögensverwalter mit §32 KWG Zulassung o.ä.) zugänglich ist.

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