Der weltweite ETF-Markt hat im ersten Halbjahr 2025 Nettozuflüsse von 900 Milliarden US-Dollar verzeichnet – ein Anstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das geht aus dem Halbjahresbericht des Finanzdienstleisters State Street hervor. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 lagen die Zuflüsse bei 1,9 Billionen Dollar.
Aktive ETFs wachsen überdurchschnittlich
Besonders dynamisch entwickelten sich aktiv verwaltete ETFs. Die Zuflüsse in diesem Segment stiegen weltweit um 73 Prozent auf 267 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr. In den USA entfielen 39 Prozent aller ETF-Zuflüsse auf aktive Strategien.
Das verwaltete Vermögen aktiver ETFs überschritt laut State Street im März erstmals die Marke von einer Billion Dollar. Mittlerweile stellen aktive Produkte mehr als die Hälfte aller in den USA gelisteten ETFs. Drei Anbieter – Dimensional Fund Advisors, First Trust und J.P. Morgan – verwalten jeweils mehr als 200 Milliarden Dollar in ihren ETF-Produkten.
Neue Anteilsklassen-Struktur vor Einführung
Eine strukturelle Neuerung steht in den USA bevor: 68 Vermögensverwalter haben Anträge für aktiv verwaltete Anteilsklassen-ETFs bei der Börsenaufsicht SEC eingereicht. Diese Struktur ermöglicht es, bestehende Investmentfonds um eine börsengehandelte Anteilsklasse zu erweitern.
State Street gibt an, etwa die Hälfte dieser Antragsteller als Dienstleister zu betreuen. Die ersten Produkte werden nach Angaben des Unternehmens voraussichtlich Anfang 2026 auf den Markt kommen. Auch in Europa gibt es erste Ansätze: Eurizon Asset Management hat eine Kombination aus gelisteten und nicht gelisteten Produktvarianten aufgelegt.
Digitale Assets erreichen 152 Milliarden Dollar
ETFs auf Kryptowährungen verwalten laut State Street in den USA 146 Milliarden und in Kanada 6 Milliarden Dollar. Der größte Einzelfonds ist Blackrocks Bitcoin-ETF IBIT mit einem Volumen von 75 Milliarden Dollar, wovon 52 Milliarden aus Nettozuflüssen stammen.
State Street erwartet, dass das Gesamtvolumen der Krypto-ETFs bis Jahresende das der Edelmetall-ETFs (derzeit 200 Milliarden Dollar) übertreffen könnte. Die SEC hat Richtlinien für die Auflage weiterer Kryptowährungs-ETFs veröffentlicht. Mehr als 40 Anträge für verschiedene digitale Assets liegen der Behörde vor, bislang wurden jedoch nur Bitcoin-, Ethereum- und Solana-ETFs genehmigt.
Regulatorische Änderungen in mehreren Märkten
Darüber hinaus haben im vergangenen Halbjahr verschiedene Aufsichtsbehörden ihre Regelungen angepasst. Die irische Zentralbank reduzierte im April die Transparenzanforderungen für aktive ETFs von täglicher auf vierteljährliche Veröffentlichung der Portfoliopositionen.
In Kanada ermöglicht eine neue Richtlinie Versicherungsunternehmen, Anleihen-ETFs bei der Kapitalunterlegung wie Direktanlagen zu behandeln. Südkorea plant nach Angaben der Finanzaufsicht, in der zweiten Jahreshälfte 2025 ETFs auf digitale Vermögenswerte zuzulassen.
Produkteinführungen auf hohem Niveau
In Europa sind mehrere große Anbieter in den Markt für aktive ETFs eingetreten, darunter BNP, Goldman Sachs, HSBC, Invesco, Nordea, Schroders und UBS. Die Anbieter reagieren damit auf die steigende Nachfrage nach aktiv verwalteten Strategien im ETF-Format.
Regional zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen: In Taiwan wurden die ersten aktiven ETFs aufgelegt, unter anderem von Nomura. China entwickelt sich mit einem verwalteten Vermögen von 600 Milliarden Dollar zum größten ETF-Markt in der Asien-Pazifik-Region und könnte bis Jahresende Japan überholen.


