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Thesaurierende ETFs: Was heißt das eigentlich?
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Christin Jahns

Einfach erklärt Thesaurierende ETFs: Was heißt das eigentlich?

Eine Hand reicht einem Mann Geldscheine aus einem Smartphone
Eine Hand reicht einem Mann Geldscheine aus einem Smartphone: Erträge ausschütten oder thesaurieren – was ist die bessere Wahl bei ETFs?
© Imago Images / Panthermedia

Wenn du gerade mit dem Investieren beginnst, ist dir sicher auch schon aufgefallen, wie viele Fachbegriffe es gibt. Am Anfang kommt es einem fast so vor, als hätte die Finanzwelt eine komplett eigene Sprache.

Einer dieser Begriffe, die beim ersten Lesen besonders kompliziert klingen, ist thesaurierend. Was das im Zusammenhang mit ETFs bedeutet, erklären wir dir im Folgenden.

Und keine Sorge:

So kompliziert wie es sich anhört, ist es dann doch gar nicht. Versprochen!

Thesaurierender ETF – was bedeutet das?

„Thesaurierend“ bedeutet bei ETFs, dass Dividenden und Zinszahlungen, die der ETF über die im Portfolio gehaltenen Unternehmen oder Anleihen erhält, nicht an die Anleger:innen ausgezahlt werden, sondern stattdessen in den ETF reinvestiert werden.

Mit anderen Worten: Anstatt Dividenden an Anleger:innen wie dich auszuschütten, werden diese genutzt, um frische Aktien für den ETF zu kaufen. Dadurch wächst das Fondsvermögen und dementsprechend auch der Wert deines Anteils.

Bei einem ausschüttenden ETF steigt also der Wert auf deinem Verrechnungskonto, während bei einem thesaurierenden ETF der Wert deines Depots wächst.

Dividenden? Zinsen? Jetzt noch mal der Reihe nach.

Wie erzielen ETFs Erträge?

Als ETF-Anleger:in bekommst du Dividenden, wenn die Unternehme, die in deinem Index enthalten sind, Teile ihrer Gewinne ausschütten. Diese werden von deinem ETF gesammelt und dann entweder an dich und andere Anleger:innen ausgezahlt, wenn du dich für einen ausschüttenden ETF entscheidest, oder in neue Wertpapiere investiert, wenn du stattdessen die thesaurierende Variante wählst.

Wenn du einen ETF kaufst, der in Anleihen investiert, werden statt Dividenden regelmäßig Zinsen beziehungsweise Kuponzahlungen ausgeschüttet. Je höher das Ausfallrisiko der Anleihe eingeschätzt wird, desto höher ist die Verzinsung, die der Emittent der Anleihe Anleger:innen bieten muss.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Wie oft werden Erträge ausgeschüttet und reinvestiert?

Erträge werden bei ETFs meist einmal im Jahr ausgeschüttet beziehungsweise reinvestiert. Es gibt allerdings auch ETFs, bei denen die Thesaurierung halbjährlich, quartalsweise oder sogar monatlich erfolgt. Genaue Informationen dazu, wie das bei deinem ETF aussieht, findest du im Factsheet.

In der nebenstehenden Grafik siehst du zur Veranschaulichung die Wertentwicklung verschiedener ETFs auf den MSCI World, wobei wir uns jeweils für einen thesaurierenden und einen ausschüttenden desselben Anbieters entschieden haben.

Wie erkenne ich thesaurierende ETFs?

Du erkennst die thesaurierende Variante eines ETFs an der Abkürzung C oder ACC für accumulating (dt. ansammeln).

Regelmäßig ausgezahlt werden die Dividenden bei sogenannten ausschüttenden ETFs, die mit D, DIS oder DIST für distributing (dt. verteilen) abgekürzt werden.

>> Mehr zu Abkürzungen bei Fonds- und ETF-Namen erfährst du hier.

Sind thesaurierende ETFs das Richtige für mich?

Bevor du einen ETF kaufst, solltest du für dich entscheiden, ob dein Vermögen langfristig wachsen soll oder ob du lieber regelmäßige Auszahlungen in Form von Dividenden bekommen möchtest.

Thesaurierende ETFs passen gut zu dir, wenn du langfristig investierst und den Zinseszinseffekt nutzen möchtest, um dein Vermögen zu maximieren.

 

Das liegt daran, dass die Erträge, die bei thesaurierenden ETFs reinvestiert werden, im kommenden Jahr quasi mit verzinst werden. Wenn wir davon ausgehen, dass dein ETF pro Jahr 10 Prozent Rendite erwirtschaftet, würde diese also beispielsweise nicht nur auf dein eingezahltes Kapital von 100 Euro anfallen, sondern auch auf die reinvestierten Erträge von 10 Euro. Deine Rendite läge statt bei 10 also bei 11 Euro.

Dieser Unterschied mag auf den ersten Blick klein erscheinen. Je größer dein Vermögen mit der Zeit allerdings wird, desto höher werden auch die Unterschiede. Aus den wieder angelegten und verzinsten Erträgen kann so mit der Zeit ein hübsches Sümmchen erwachsen.

Ein wieder anlegender ETF wird langfristig also immer mehr wert sein als ein ausschüttender ETF auf denselben Index.

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Wie werden thesaurierende ETFs besteuert?

Wenn du die gesamte Haltedauer betrachtest, ist es egal, ob du dich für die ausschüttende oder die thesaurierende Variante eines ETFs entscheidest: Die auf Erträge anfallende Steuer ist die gleiche.

Einen wichtigen Unterschied gibt es allerdings.

Bei ausschüttenden ETFs erfolgt die Besteuerung bei der Ausschüttung sofort durch die Depotbank. Bei thesaurierenden ETFs wird zu Jahresbeginn dagegen eine Vorabpauschale erhoben. Dadurch genießen thesaurierende ETFs derzeit einen Steuerstundungseffekt. Dadurch wird der Großteil der Steuer erst beim Verkauf fällig. Auf diese Weise kannst du noch stärker vom Zinseszinseffekt profitieren.

Die Höhe der Vorabpauschale ergibt sich dabei aus dem Wertzuwachs deiner Fonds oder ETFs und einem durchschnittlichen Prozentsatz festverzinslicher Wertpapiere. Seit dem Jahr 2018 gilt diese Pauschale. Bisher wurde sie jedoch nicht angewendet, weil der Zinssatz negativ war. Ab dem Steuerjahr 2023 ändert sich das mit einem festgelegten durchschnittlichen Zinssatz in Höhe von 2,55 Prozent. 

 

Steuerlich kann es allerdings auch vorteilhaft sein, einen ausschüttenden ETF zu wählen. Denn: Nur mit steuerlich relevanten Erträgen kannst du den Sparerpauschbetrag ausnutzen. Wenn du diesen also bislang noch nicht für andere Konten verwendest, kann es sich lohnen, einen ausschüttenden ETF zu kaufen und die erhaltenen Dividenden selbst wieder anzulegen, indem du beispielsweise deine Sparrate nach der Ausschüttung nach oben setzt.

>> Mehr Tipps zum Thema ETFs und Steuern findest du hier.

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