Suche
Lesedauer: 10 Minuten

Depotstände Januar 2022 ETF-Wetten: MSCI World Superstar

Bremer Eiswette
Bremer Eiswette: Was ist anachronistischer - das Wetten auf einen zugefrorenen Fluss oder das Vertrauen in aktiv gemanagte Fonds? | Foto: Imago Images / Michael Bahlo

Norddeutsche kennen das Spektakel: Jeweils am 6. Januar eines Jahres prüfen die Mitglieder des „Bremer Eiswett-Vereins“ in einem traditionellen Ritual, ob die Weser „geiht or steiht“. Zugefroren oder nicht, lautet die entscheidende Frage, und wer mit seiner weit im Voraus getroffenen Einschätzung danebenliegt, muss sich an den Kosten für ein zünftiges Kohlessen beteiligen. So zumindest die Regeln zwischen 1829, dem ersten Jahr der Bremer Eiswette, und 1883: In jenem Jahr wurde die Weser begradigt und friert deshalb kaum noch zu. Seither entscheidet das Los über Gewinner und Verlierer.

In Zeiten des Klimawandels auf einen zugefrorenen Fluss zu wetten mutet seltsam anachronistisch an. Nicht viel anders verhält es sich nach Meinung vieler Anlageexperten mit dem Versuch, mittels aktiv gemanagter Fonds langfristig einen Vergleichsindex schlagen zu wollen. War also die Wette, die DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf 2016 mit seinem „Capital“-Kollegen Christian Kirchner (heute: Finanz-Szene.de) abgeschlossen hat, von vornherein zum Scheitern verurteilt? Wachtendorf vertraute darauf, dass ein 50/50-Mix der damals größten Mischfonds Carmignac Patrimoine und Nordea Stable Return zwischen Anfang 2017 und Ende 2026 besser performt als ein im gleichen Verhältnis zusammengestelltes ETF-Paket aus den Indexfonds iShares MSCI World und iShares Euro Aggregate Bond. Ersterer bildet den Welt-Aktienindex des US-Finanzdienstleisters MSCI nach, letzterer einen Korb von auf Euro lautenden Staats- und Unternehmensanleihen guter Bonität.

Auf halber Strecke zum Wett-Ziel fällt das jüngste Zwischenergebnis eindeutiger aus, als vermutlich selbst die größten ETF-Enthusiasten zu hoffen gewagt hätten. In nur fünf Jahren holten die Indexpapiere einen Vorsprung von mehr als 31 Prozentpunkten heraus (siehe Tabelle). Mit dem Hauptargument ihrer Befürworter – den im Vergleich zu aktiven Fonds deutlich niedrigeren Kosten – hat dies jedoch nur wenig zu tun. Bislang treibt vor allem der phänomenale Lauf des MSCI World das ETF-Depot: Dem Kurs-Feuerwerk der Index-Schwergewichte Apple, Microsoft, Amazon, Tesla, Alphabet und Nvidia hat momentan keiner der Mischfonds auch nur annähernd etwas entgegenzusetzen. Mit Ausnahme von Alphabet haben sich alle genannten Titel seit Anfang 2017 mindestens vervierfacht, Tesla legte sogar mehr als 2.200 Prozent zu.

Das beeinflusst auch die beiden anderen ETF-Wetten, in denen es jeweils um einen auf zehn Jahre abgeschlossenen Sparplan geht. Von den dort eingesetzten aktiv gemanagten Fonds können es lediglich der Acatis Aktien Global, der Threadneedle American Select und der DWS Concept Platow mit dem MSCI World aufnehmen.

Tipps der Redaktion
Foto: Das Wunder-Portfolio der FAZ
ETF-Wette Nr. 1Das Wunder-Portfolio der FAZ
Foto: Vermögen aufbauen mit 200 Euro pro Monat
ETF-Wette Nr. 2Vermögen aufbauen mit 200 Euro pro Monat
Foto: Acht Spezialisten gegen einen Mega-ETF
ETF-Wette Nr. 3Acht Spezialisten gegen einen Mega-ETF
Mehr zum Thema