Europas Markt für börsengehandelte Fonds und Rohstoffprodukte steuert auf ein weiteres Rekordjahr zu. Im Juni sammelten ETFs und ETCs nach einer Auswertung von Morningstar 36,9 Milliarden Euro ein. Das ist zwar etwas weniger als die 38,3 Milliarden Euro im Mai. Insgesamt summierten sich die Zuflüsse im ersten Halbjahr damit aber auf 219 Milliarden Euro – 38,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025 und der höchste Halbjahreswert seit Beginn der Erhebung.

Das in ETFs und ETCs verwaltete Vermögen kletterte somit auf 3,23 Billionen Euro, nach 3,18 Billionen Euro im Mai. Anders als in den beiden Vormonaten trugen diesmal vor allem frische Gelder zum Anstieg bei – und nicht steigende Kurse. Am Aktienmarkt verlief der Juni nämlich eher unspektakulär, wichtige US-Indizes gaben leicht nach.

Das Umfeld hinter den Rekordzahlen

Dass trotz nachgebender Kurse so viel frisches Geld in den Markt floss, hat mit dem Umfeld zu tun, in dem Anleger im Juni agierten. Eine Einordnung liefert der Monatsbericht von State Street. So verloren globale Aktien im Juni 0,8 Prozent; in den USA gerieten vor allem die als Magnificent Seven bekannten Technologieriesen unter Druck. Europäische Aktien legten dagegen um 4,2 Prozent zu. Dass Technologie-ETFs trotz der schwachen Kursentwicklung des Sektors weiter Geld anzogen, wertet State Street als Zeichen dafür, dass Anleger die langfristigen Aussichten rund um Künstliche Intelligenz weiter positiv einschätzen.

Anleger kehren zu US-Aktien zurück

In Aktien-ETFs flossen im Juni laut Morningstar 29,8 Milliarden Euro, nach 24,6 Milliarden Euro im Mai. Den größten Teil zogen Fonds auf globale und US-amerikanische Standardwerte an. Besonders deutlich fiel die Rückkehr zu US-Titeln aus: In ETFs auf US-Standardwerte der Kategorie Blend flossen mehr als 10 Milliarden Euro, nach rund 5 Milliarden Euro im Mai. Aus ETFs auf große Aktien der Eurozone zogen Anleger dagegen 1,4 Milliarden Euro ab.

Auch der Technologiesektor blieb gefragt. Branchen-ETFs auf Technologiewerte verbuchten 1,8 Milliarden Euro an neuen Geldern – getragen von der Nachfrage nach Themen rund um Künstliche Intelligenz, etwa der Halbleiterproduktion. Wenig gefragt waren dagegen Substanzwerte: Aus ETFs der Kategorie US-Standardwerte Value flossen 536 Millionen Euro ab.

Der europäische Anbieter Amundi kommt in seiner eigenen Auswertung zu einem ähnlichen Bild wie Morningstar: Danach stiegen die Zuflüsse in US-Aktien-ETFs im zweiten Quartal auf 26 Milliarden Euro, nach 8,2 Milliarden Euro im ersten Quartal. Im Juni führten US-Aktien-ETFs die Liste mit 12,4 Milliarden Euro an, während europäische Aktien-ETFs Geld verloren. Amundi verweist darauf, dass seit April vor allem die bessere Kursentwicklung der US-Standardwerte das Interesse an US-Produkten wiederbelebt habe – im ersten Quartal hätten dagegen noch Europa-ETFs die meisten Mittel angezogen.

Bemerkenswert dabei: Europäische Aktien schnitten im Juni besser ab als US-Titel, verloren aber trotzdem Mittel. State Street registrierte bei EMEA-domizilierten Europa-ETFs Abflüsse von 1,8 Milliarden US-Dollar. „Dies spricht für erste Gewinnmitnahmen und eine stärkere Präferenz für globale statt regionale Allokationen“, ordnet State-Street-Experte Konrad Kleinfeld ein.

Anleihen-ETFs verlieren an Schwung

Anleihen-ETFs zogen im Juni 7,7 Milliarden Euro an, nach 9,9 Milliarden Euro im Mai. Bei den festverzinslichen Papieren standen vor allem auf Euro lautende Unternehmens-, Staats- und Hochzinsanleihen im Vordergrund. Die auf den ersten Blick niedrige Summe täuscht laut Morningstar über das grundsätzlich starke Interesse an Anleihen hinweg: Ein Großteil der europäischen Anleger setzt für diesen Teil des Portfolios traditionell auf aktiv verwaltete Fonds statt auf ETFs.

Amundi beobachtet für das zweite Quartal eine Verlagerung hin zu Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Deren Ucits-ETFs sammelten nach Angaben des Anbieters 6,9 Milliarden Euro ein und damit fast viermal so viel wie im ersten Quartal (1,8 Milliarden Euro). Amundi wertet das als Zeichen dafür, dass Anleger laufende Erträge bei vergleichsweise hoher Sicherheit suchen.

Aktive ETFs holen weiter auf

Aktive ETFs sammelten im Juni 4,1 Milliarden Euro ein und kamen damit auf 11,1 Prozent aller ETF-Zuflüsse in Europa – nach 10,7 Prozent im Mai. Das verwaltete Vermögen dieser Produkte stieg auf 108,8 Milliarden Euro, nach 101,7 Milliarden Euro im Vormonat. Damit machen aktive ETFs nun 3,4 Prozent des gesamten in europäischen ETFs angelegten Vermögens aus.

Diesen Trend bestätigt State Street. Der Anbieter zählt in EMEA domizilierte ETFs und ETPs in US-Dollar und meldet für aktive ETFs im Juni mit 6,5 Milliarden US-Dollar den höchsten Monatszufluss überhaupt. Besonders gefragt waren laut State Street aktive globale Aktienstrategien sowie aktiv verwaltete Anleihenlösungen.

iShares bleibt vorne, Wisdomtree verliert

Bei den Anbietern setzte sich im Juni iShares mit 10,5 Milliarden Euro an die Spitze der Zuflüsse. Dahinter folgten Vanguard mit 4,8 Milliarden Euro und State Street mit 4,7 Milliarden Euro. Am anderen Ende der Liste stand Wisdomtree mit Abflüssen von 940 Millionen Euro.

Balkendiagramm zu den Top- und Flop-ETF-Anbietern im Juni nach Flows
Top- und Flop-ETF-Anbieter im Juni | Bildquelle: Morningstar Direct, Stand: 30.06.2026

Über das gesamte erste Halbjahr betrachtet liegt iShares mit rund 66,1 Milliarden Euro noch deutlicher vorn, gefolgt von Amundi mit 28,0 Milliarden Euro und Vanguard mit 20,9 Milliarden Euro. Wisdomtree steht trotz des schwachen Juni auf Halbjahressicht mit einem Plus von etwa 4,4 Milliarden Euro da.

ESG-ETFs steuern auf ein Rekordjahr zu

Einen Aspekt, den die Morningstar-Auswertung nicht gesondert ausweist, hebt Amundi hervor: Nachhaltige ETFs verzeichnen im laufenden Jahr Rekordzuflüsse. Sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal flossen den ESG-Ucits-ETFs jeweils mehr als 21 Milliarden Euro zu, im ersten Halbjahr zusammen fast 43 Milliarden Euro. Das entspricht nach Angaben des Anbieters einer Verdreifachung gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Zwei Drittel der Mittel entfielen im zweiten Quartal auf Aktien-ESG-ETFs.

Rohstoffe als Gegenpol

Während Aktien und Anleihen Geld anzogen, geriet der Rohstoffbereich unter Druck. State Street registrierte im Juni Nettoabflüsse aus Rohstoff-ETFs von 1,3 Milliarden US-Dollar, vor allem aus Edelmetallen: Allein aus goldnahen Produkten zogen Anleger rund 1 Milliarde US-Dollar ab, nachdem ein Teil der zuvor eingepreisten geopolitischen Risikoprämie wieder abgebaut worden war. Das deckt sich mit der Beobachtung von Morningstar, wonach das in Rohstoffprodukten verwaltete Vermögen im Juni von 209,5 auf 186,6 Milliarden Euro sank – belastet von fallenden Goldpreisen.