Die Märkte befinden sich in einer Phase höherer Unsicherheit und hoher Volatilität. Das stellt Anleger vor die Herausforderung, ihre Portfolios auf die neuen Gegebenheiten anzupassen und häufiger und granularer als früher ihre Investments zu überprüfen. Die Entwicklung aktiver ETFs gibt Investoren neue Instrumente an die Hand, die die aktuelle Marktlage berücksichtigen. Damit dürfte eine neue Etappe bei ETFs mit einer Ausweitung ihrer Einsatzmöglichkeiten beginnen.
Seit börsengehandelte Fonds (ETF, Exchange Traded Funds) um die Jahrtausendwende endgültig ihren Siegeszug antraten, hat sich nicht nur deren Zahl und das Anlagevolumen vervielfacht, sondern auch deren Anwendungen. Sie erfreuen sich bei privaten wie institutionellen Anlegern steigender Beliebtheit. Eine ETF-Innovation, die bereits vor einigen Jahren in den USA ihren Durchbruch am Markt feierte, sind aktiv gemanagte ETFs. Diese ETFs teilen mit klassischen ETFs die Merkmale Transparenz, Kosteneffizienz und einfache Handelbarkeit, bilden aber nicht einfach passiv einen Index nach. Aktive ETFs nutzen die Einsichten, die unterschiedlichen Strategien und das aktive Risikomanagement, wie man es aus dem Management aktiver Fonds kennt, und sie werden ebenso wie diese von professionellen Investment-Managern gesteuert.
Welche drei wichtigsten ETF-Kategorien gibt es?
Auch wenn das Feld der aktiven ETFs sehr weit ist, lassen sich drei grundsätzliche Kategorien unterscheiden. Zum einen sind das solche, die versuchen, besser abzuschneiden als ihre Benchmark. Diese sogenannten Alpha-suchenden aktiven ETFs finden sich zunehmend in vielen Anlageklassen und -stilen. In diesem Segment ist derzeit auch die größte Nachfrage zu verzeichnen. Darüber hinaus lassen sich aktive ETFs unterscheiden, die primär bestimmte Ergebnisse erzielen wollen: Sei es, dass sie festgelegte Zielgrößen bei Ausschüttungen und ein bestimmtes Zielrisiko anstreben oder zur Absicherung gegen außergewöhnliche Risiken beispielsweise auf Optionsstrategien setzen. Gerade in Märkten, die durch höhere Volatilität und Unsicherheit geprägt sind, können diese Produkte bei der Konstruktion ausgewogener, risikoadjustierter Portfolios hilfreich sein. Als dritte Kategorie umfasst diese neue Produktgruppe aktive ETFs, die in Asset-Klassen und Themen investieren, für die sich keine (oder nur sehr schwer) Indizes erstellen lassen, die ein klassischer Index-ETF nachbilden könnte. Das sind beispielsweise Wertpapiere wenig entwickelter Schwellenländer.
Was vor einigen Jahren mit einer Handvoll Produkte seinen Anfang nahm, hat sich mittlerweile zu einem eigenen Ökosystem entwickelt. In der ersten Jahreshälfte 2024 waren mehr als zwei Drittel (70 Prozent) aller neu aufgelegten ETFs in den USA aktive ETFs. Weltweit beträgt der Anteil aktiver ETFs an den neu auf den Markt kommenden ETFs 41 Prozent. Noch 2023 lag der Anteil lediglich bei etwa einem Viertel.
AuM in aktiven ETFs könnte sich bis 2030 vervierfachen
BlackRock schätzt, dass das in aktiven ETFs verwaltete Vermögen sich von knapp einer Billion (991 Milliarden) US-Dollar im August 2024 bis zum Jahr 2030 auf rund 4 Billionen US-Dollar vervierfachen wird. Der Marktanteil von derzeit sieben Prozent am weltweit in ETFs verwalteten Vermögen dürfte bis dahin auf 16 Prozent zulegen.
Im Vergleich zu den USA hat der Markt aktiver und klassischer ETFs in der EMEA-Region noch erhebliches Aufholpotenzial, wächst jedoch rasch. Lag die Zahl des in allen ETFs verwalteten Vermögens 2019 noch bei gut einer Billion US-Dollar, hat er sich in diesem Jahr etwas mehr als verdoppelt. Der Anteil aktiver ETFs daran von etwa zwei Prozent macht allerdings noch einen sehr kleinen Teil aus, nimmt aber zu. Seit Jahresende 2023 wuchs das verwaltete Vermögen in aktiven ETFs allein in der ersten Jahreshälfte 2024 um ein Viertel (25 Prozent).
Zu dieser Entwicklung trägt auch eine Veränderung im Anlageverhalten in Europa bei: Europäische Sparer wandeln sich zunehmend zu Investoren. Aber auch der Übergang von der Provisionsberatung zur Honorarberatung und die verstärkte Beschäftigung der Anleger mit dem Thema Finanzplanung dürften dazu geführt haben, dass ETFs mehr und mehr zum Produkt der Wahl geworden sind. Ein Zeichen dieser Entwicklung ist die Zunahme von ETF-Sparplänen.
Betrachtet man einerseits die vielen Gestaltungsmöglichkeiten aktiver ETFs sowie andererseits die Herausforderung der Anleger, in Märkten mit gestiegener Volatilität und höherer Unsicherheit zu navigieren, dürften wir vor einer Phase vermehrter Produktentwicklung stehen, die durch die Einführung aktiver ETFs weiter vorangetrieben wird. Denn die Kombination der Vorteile klassischer ETF-Produkte mit den Möglichkeiten aktiv gemanagter Fonds unterstützt die erfolgreiche Navigation in einem herausfordernden Marktumfeld.
Ob Wachstum, Erträge oder Zugang zu Märkten, die über Indizes schwer investierbar sind – aktive ETFs von iShares können Anlegern helfen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen.
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