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ETFs: Der Anfang vom Ende oder das Ende vom Anfang?

Vollgas oder Gang zurück? Wohin steuert die ETF-Branche?<br/>Foto: Fotolia
Vollgas oder Gang zurück? Wohin steuert die ETF-Branche?
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Bricht in der ETF-Branche der Anfang vom Ende an? Oder steht die Branche für börsennotierte Indexfonds gerade erst am Ende ihres Anfangs? Für beide Vermutungen finde ich momentan passende Anzeichen.

Einerseits zeigt die ETF-Industrie gerade ähnliche Tendenzen wie die aktiv gemanagte Fondsbranche im Jahr 2000, also vor ihrer Krise: Das Personalkarussell dreht sich immer schneller. ETFs spielen in der Öffentlichkeit eine immer größere Rolle. Auch Medien, die sich nicht auf Finanzthemen spezialisiert haben, berichten plötzlich über börsennotierte Indexfonds.

Zudem gilt lehrbuchmäßig, dass auf jede Wachstumsphase eine mehr oder minder stark ausgeprägte Konsolidierung folgt. Und die ETF-Branche hat in den vergangenen Jahren enorm zugelegt.

Deutschen Bundesbank mag ETFs

Als das "Handelsblatt" Mitte Januar das Aus ihrer monatlichen Publikation "Indexnews" verkündete, fragte auch ich mich ernsthaft: Kann es sein, dass die Branche ihren Höhepunkt überschritten hat?

Doch schon wenige Tage später las ich im Monatsbericht der Deutschen Bundesbank eine klare Empfehlung für passive, preisgünstige Indexprodukte – also für ETFs.

Eine solche Klarheit in Bezug auf eine Produktkategorie hatte ich vorher bei der Bundesbank noch nie gesehen. Besonders überrascht hat mich, dass die Bundesbank aktiv verwaltete Fonds gleichzeitig eher schlecht bewertet hat.

Kurze Zeit später konnte man lesen, dass die Aufsichtsbehörden in Hongkong es für wünschenswert erachteten, wenn Sparer in ihren Pensionsprodukten mehr passive Indexfonds einsetzten.

ETF-News nicht mehr spannend?

Die Tatsache, dass sich immer mehr Marktregulatoren und Aufsichtsbehörden klar für passive Produkte aussprechen, ist für mich ein klares Zeichen: Der ETF-Markt steht eher vor einem neuen Wachstumsschub als vor einer Konsolidierungsphase.

Ich wundere mich aber darüber, dass sich diese Umwälzungen zugunsten der Branche in der breiten Öffentlichkeit kaum niederschlagen. Sind die entsprechenden Nachrichten nicht aufregend genug?

Oder hat sich die Öffentlichkeit inzwischen daran gewöhnt, dass börsengehandelte Indexfonds von allen Seiten als das Instrument der Wahl angesehen werden?

Wie dem auch sei: Für mich steht eindeutig fest, dass die ETF-Industrie vor dem nächsten großen Schritt in ihrer Entwicklung steht. Denn neben Hedgefonds und großen institutionellen Investoren, die ihre Bestände oftmals schnell handeln wollen, kann sie nun langfristig orientierte Anleger für sich gewinnen – auch private.

Detlef Glow schreibt regelmäßig in der Online-Community von Thomson Reuters - Lipper, die nur für professionelle Investoren (Vermögensverwalter mit §32 KWG Zulassung o.ä.) zugänglich ist.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.
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