Detlef Glow von Thomson Reuters - Lipper

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ETFs: Finanzbildung der Anleger ist das A und O

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Anbieter börsennotierter Indexfonds (ETFs) sprechen immer wieder von der Notwendigkeit, Anleger besser über Chancen und Risiken von Finanzprodukten aufzuklären und auszubilden. Dabei steht für mich außer Frage: Diese Bestrebungen werden ein entscheidender Faktor dafür sein, neue Anleger zu gewinnen. Denn ETFs werden ebenso wie andere preiswerte Finanzprodukte nur ungern in den Vertriebsmaschinen der Banken und freien Finanzdienstleister vermittelt, weil sie keine Provisionen bieten.

Neue Modelle in der Anlageberatung und Vermögensberatung müssen die Kundenbedürfnisse und nicht den Produktverkauf in den Mittelpunkt stellen. Darüber waren sich die Experten auch beim Roundtable-Gespräch "Vermögensverwaltung und Anlageberatung im 21. Jahrhundert" diese Woche in Berlin einig.

Doch diese Idee wird sich nur umsetzen lassen, wenn die Anleger bereit sind, für ihre Beratung zu zahlen. Und diese Bereitschaft wiederum wird nur entstehen, wenn die Anleger über genügend Wissen verfügen. Denn nur dann können sie erkennen, dass viele der heute eingesetzten Produkte zu teuer sind und ihnen keinen Mehrwert bieten.

Für viele Vermögensverwalter und Anlageberater, die auf Honorarbasis arbeiten, sind börsengehandelte Indexfonds im Bereich der Kapitalanlage die Produkte der Wahl - wegen ihrer einfachen Konzepte und hohen Flexibilität. Zudem fallen bei ETFs nur äußerst geringe Gebühren für den Kauf und Verkauf sowie für die Verwaltung des Fonds an. Dadurch können Anleger einen nicht unerheblichen Kostenvorteil gegenüber aktiv gemanagten Investmentfonds realisieren.

Ein weiterer großer Vorteil von ETFs gegenüber anderen Finanzprodukten ist ihre hohe Transparenz. Leider gereicht diese den Produkten ab und an auch zum Nachteil, da nicht alle Marktteilnehmer die teilweise sehr komplexen Konstruktionen hinter der ETF-Hülle verstehen.

Wie gesagt: Um die Vorteile von ETFs verstehen, nutzen und entsprechende Produkte in der Beratung einfordern zu können, müssen die Anleger wissen, dass es sie gibt. Daher ist jede Initiative der ETF-Industrie zur weiteren Aufklärung der Anleger äußerst wichtig.

Zwar werden sich die Aufwendungen der einzelnen Anbieter nicht sofort aus betriebswirtschaftlicher Sicht lohnen. Aber da jeder aufgeklärte und überzeugte Investor beziehungsweise Anlageberater ein Multiplikator ist, werden diese Investitionen langfristig ein Erfolgfaktor sein. Somit sollten die ETF-Anbieter nicht müde werden, auch immer wieder Basiswissen zu vermitteln, um unerfahrene Investoren zu erreichen.

Umfragen zeigen, dass es nicht nur bei Privatanlegern Wissenslücken in Bezug auf ETFs gibt. Auch institutionellen Anlegern und professionellen Marktbeobachtern fehlt oftmals entsprechendes Fachwissen. Somit würden lehrreiche Fachveranstaltungen auch dazu führen, dass falsche Informationen und Gerüchte sich nicht unreflektiert im Markt ausbreiten und den Ruf einzelner Anbieter oder der gesamten Branche beschädigen.

Meiner Meinung nach würde die ETF-Branche mit einer besseren Ausbildung und Aufklärung von Privatanleger und professionellen Investoren den Grundstein für ihren weiteren Erfolg legen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich die Beratungsmodelle für Privatanleger in der Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit verändern werden - von der provisionsgetriebenen hin zur Honorarberatung.

Das wird den Wettbewerb zwischen Anbietern von Finanzprodukten weiter verstärken. Und daraus werden die Anbieter von jenen Produkten gestärkt hervorgehen, welche die Anleger kennen und denen sie Vertrauen.

Interessierte Leser finden die Zusammenfassung des Roundtable-Gespräch als Video hier.

Detlef Glow schreibt regelmäßig in der Online-Community von Thomson Reuters - Lipper, die nur für professionelle Investoren (Vermögensverwalter mit §32 KWG Zulassung o.ä.) zugänglich ist.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

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