Bronze-Statue in der New Yorker Wall Street Foto: imago images / Levine-Roberts

Von wegen niedrige Gebühren

ETFs in den USA profitieren vor allem von diesem Steuervorteil

Andreas Beys, Foto: Sauren

Die amerikanischen Wissenschaftler Rabih Moussawi (Villanova University), Ke Shen (Wharton School an der University of Pennsylvania) und Raisa Velthuis (Lehigh University) haben im Dezember 2020 eine sehr interessante Studie (ETF Heartbeat Trades, Tax Efficiencies, and Clienteles: The Role of Taxes in the Flow Migration from Active Mutual Funds to ETFs) in Sachen Absatzerfolg von ETFs in den USA veröffentlicht. Im Rahmen einer sehr aufwendigen Analyse kamen sie zu der Erkenntnis, dass der enorme Volumentransfer aus aktiv verwalteten Investmentfonds in ETF-Indexfonds seit 2008 weitestgehend steuermotiviert war. 

In dem Zeitraum von 2008 bis Ende 2020 sind circa eine Billionen Dollar aus aktiv verwalteten Investmentfonds in ETFs geflossen (siehe Abbildung).

Kumulierte Netto-Zuflüsse in US-Aktienfonds seit 2004

Quelle: ETF Heartbeat Trades, Tax Efficiencies, and Clienteles: The Role of Taxes in the Flow Migration from Active Mutual Funds to ETF, S. 46

Dieser enorme Volumentransfer wurde in den letzten Jahren regelmäßig auch in den deutschen (Fach-)Medien verbreitet und diente dadurch häufig auch als eine Art Beleg, dass der vermeintliche Siegeszug von ETFs am Beispiel des US-Markts nicht zu stoppen sei.

Wissenschaftler von Ergebnissen überrascht

Gegenüber der Financial Times teilte Moussawi vor einigen Wochen mit, wie überrascht sie über das Ergebnis der Studie gewesen seien. Vor der Studie seien sie eher davon ausgegangen, dass der enorme Volumentransfer aus aktiv verwalteten Investmentfonds in ETFs mit den gängigen Argumenten Gebühren und häufige Underperformance von aktiv verwalteten Fonds zu erklären gewesen seien.

Das Interessante an der Studie ist vor allem die Rolle der ETF-Branche in Bezug auf das gezielte Ausnutzen eines Steuerschlupflochs in den USA. Die Studie deckte auf, dass es eine aktive Dreiecksbeziehung zwischen ETF-Anbietern, autorisierten Market Makern und sehr vermögenden Anlegern und deren Anlageberatern gibt, um ganz gezielt die Steuerlast für diese Klientel (Studie verwendet die englische Abkürzung HNW – high-net-worth clients) zu reduzieren.

Folgendes Bild zeigt das Allokationsverhalten von Anlageberatern in Sachen ETF-Portfoliogewichtung seit 2004, die entweder keine HNW (Studie „No HNW Exposure“), nur wenige HNW (Low HNW Exposure, weniger als 25 Prozent Anteil an HNW) und einen hohen Anteil an HNW (High HNW Exposure- mehr als 25 Prozent HNW) beraten.

Allokation von ETFs bei Finanzberatern mit steuersensitiver Klientel

Quelle: ETF Heartbeat Trades, Tax Efficiencies, and Clienteles: The Role of Taxes in the Flow Migration from Active Mutual Funds to ETF, S. 54

Sehr auffällig ist die Gruppe von Anlegern, die von Anlageberatern mit einem hohen Anteil an sehr vermögenden Kunden betreut werden. Insbesondere die Erhöhung der Steuersätze auf kurzfristige und langfristige Kursgewinne im Jahr 2011 (unter der Präsidentschaft von Barack Obama) führte dazu, dass sich die Allokationsgewichtung von ETFs bei vermögenden Kunden von circa 3 Prozent im Jahr 2011 auf über 20 Prozent bis 2017 im Durchschnitt mehr als verfünffachte. Demgegenüber ist die Allokationsgewichtung von ETFs bei weniger vermögende Kunden im gleichen Zeitraum zwar auch gestiegen. Die bewegt sich aber weiterhin auf einem relativ geringen Portfolioanteilsniveau.

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