Yves Longchamp, Head of Research, ETHENEA Independent Investors (Schweiz) AG

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Ethenea Experten-Kolumne

Wenn das Vertrauen schwindet

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Am 15. Januar überraschte die SNB die Finanzmärkte weltweit mit der Nachricht, dass sie ihre vor einigen Jahren eingeführte Politik des Mindestkurses beendet. Unmittelbar nach dieser Mitteilung gewann der Schweizer Franken massiv an Wert, während der Schweizer Aktienmarkt Verluste verbuchte. Abgesehen von den schmerzhaften Auswirkungen für die Schweizer Wirtschaft, zeigt die plötzliche Aufhebung die Instabilität unseres Finanzsystems. Das Vertrauen in die Zentralbanken bröckelt.

Vertrauen jedoch ist die Grundlage des globalen Finanzsystems. Papiergeld und Kredit – die üblichen Tauschmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheiten – haben nur deshalb einen Wert, weil sie gesellschaftlich akzeptiert sind. Niemand würde ein Stück Papier besitzen wollen, auf dem 10 Schweizer Franken steht, wenn es von niemand anderem akzeptiert würde.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich eine Zentralbank dem Druck beugt, der auf einer fehlbewerteten Währung lastet. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Systeme fester Wechselkurse nicht ewig Bestand haben. Soweit wir wissen, ist dies jedoch das erste Mal, dass eine Zentralbank kapituliert, nachdem sie versucht hat, die Währung ihres Landes zu schwächen. Als Beispiele können hier der berühmte Schwarze Mittwoch – der Angriff auf das britische Pfund im Jahr 1992 – oder die zahlreiche Währungskrisen der Schwellenländer dienen, darunter die Krise des russischen Rubels im vergangenen Jahr. Letztlich haben diese Angriffe alle betroffenen Währungen nicht gestärkt, sondern geschwächt. Wir stehen somit vor dem Paradoxon eines Spekulationsangriffs auf eine als sicherer Hafen geltende Währung.

Der Fall der SNB ist deshalb außergewöhnlich, weil sie den Markt mit frischen Banknoten flutete, um die Aufwertung des Frankens zu verhindern. Für eine Zentralbank ist diese Aufgabe sehr leicht und theoretisch unbegrenzt realisierbar, da sie das Monopol für die Ausgabe ihrer eigenen Währung besitzt. Die SNB musste nur immer wieder Schweizer Franken drucken und ausländische Währungen, insbesondere den Euro, erwerben, wodurch ihre Devisenreserven stiegen. In der Theorie kann eine Zentralbank beliebig lange so weitermachen, da sie in ihrer Landeswährung so viel Geld in Umlauf bringen kann, wie sie möchte.

Der Grund, warum nun die Politik des Mindestkurses nicht beibehalten wurde, liegt im giftigen Cocktail aus dem Umfang und den hohen Risiken der SNB-Bilanz. Im Vergleich zu ihrer Volkswirtschaft weist die Schweizer Zentralbank nicht nur die weltweit größte Bilanzsumme (85 % des BIP) sondern auch die höchsten Bilanzrisiken auf, da fast alle ihre Vermögenswerte auf ausländische Währungen lauten (Quelle: Bloomberg).

In den ersten zwei Januarwochen intervenierte die SNB am Währungsmarkt wahrscheinlich mehr als in den Vormonaten. Die Aussicht auf ein umfangreiches Programm der quantitativen Lockerung in Europa und der unsichere Wahlausgang in Griechenland erhöhten den Aufwertungsdruck auf den Franken. Am 15. Januar beendete die SNB die Interventionen, als sie erkannte, dass sich ihre Bilanzsumme innerhalb weniger Monate verdoppeln würde.

Stellen Sie sich vor, alle Zentralbanken, die in den letzten Jahren hart daran gearbeitet haben, die Weltwirtschaft am Laufen zu halten, stoßen wie die SNB an ihre Grenzen. Stellen Sie sich vor, dass es inmitten einer Bankenkrise keine verlässlichen Kreditgeber der letzten Instanz gibt. Und stellen Sie sich eine weitere Eurokrise vor, in der jedoch niemand über genügend Vertrauen und Macht verfügt, um alles Notwendige zur Rettung des Euro zu unternehmen. Sollte die Unfähigkeit der SNB, den Mindestkurs des Schweizer Franken zu steuern, eine Bruchlinie im globalen Finanzsystem darstellen, sollten wir uns vor dem Erdbeben in Acht nehmen, das einsetzen könnte, falls eine weitere große Zentralbank ihrer Zusage nicht nachkommt.

Disclaimer: Ausführliche Hinweise zu Chancen und Risiken entnehmen Sie bitte dem letztgültigen Verkaufsprospekt. Maßgeblich sind die Angaben im Verkaufsprospekt sowie der aktuelle Halbjahres- und Jahresbericht. Die Wesentlichen Anlegerinformationen, den Verkaufsprospekt sowie die Berichte in deutscher Sprache erhalten Sie kostenlos bei der Verwaltungsgesellschaft ETHENEA Independent Investors S.A., 9a, rue Gabriel Lippmann, L-5365 Munsbach oder bei der DZ BANK AG, Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Platz der Republik, D-60265 Frankfurt am Main.